Studienreise Kenia-Tansania 16.06. - 28.05.2012 Reiseroute: Nairobi - Amboseli Nationalpark - Arusha - Lake Manyara - Ngorongoro Krater - Serengeti - Victoria See - Maasai Mara - Nairob


Studienreise Kenia-Tansania 16.05. - 28.05.2012

Reiseroute: Nairobi - Amboseli Nationalpark - Arusha - Lake Manyara -
Ngorongoro Krater - Serengeti - Victoria See - Maasai Mara - Nairobi

„Denken Sie an etwas Schönes“, sagte der Anästhesist, kurz vor der Operation. Und ich begann von Kenia und Tansania zu erzählen: von den Tierbeobachtungen, von den Wolken, die wie Wasserfälle den Rand des Ngorongorokraters herunterrollten, von dem phantastischen Flug über die Steppe,…..

Es war wieder eine wunderschöne Reise! Es waren nur 12 Tage Rundreise durch 5 Nationalparks – es war eine gefühlte Ewigkeit!
Woher kommt dieses Gefühl?

Abends in Nairobi gelandet fuhren wir am nächsten Morgen im Jeep in den Amboseli Nationalpark. Dort angekommen, dauerte es keine fünf Minuten, als uns die erste Herde Elefanten begegnete: junge und alte, fressende und spielende, forsche und schutzsuchende. Als Beobachter ist man gefangen genommen, fasziniert, man kann nur staunen und es sind Momente, in denen die Zeit gefriert. Bernhard Grzimek formulierte es einst: „ Der Besucher wird andächtig, wenn er die großen Herden marschieren sieht“. Tatsächlich, im Beobachten der scheinbar heilen Natur, geschieht etwas in unserem Inneren. Andächtig sein bedeutet: sich sammeln, zu sich finden. So hat diese Art des Reisen für mich persönlich vom ersten Tag an einen hohen Erholungswert, vom ersten Tag an habe ich das Gefühl, ganz da zu sein mit Leib und Seele.


Es ist ein Aktivurlaub der besonderen Art. Safari heute benötigt keine großen körperlichen
Anstrengungen. Unser sportlichen Leistungen bestanden darin, unsere Kameras zu transportieren und in Position zu bringen, morgens in den Jeep einzusteigen und bei Wildbeobachtungen uns vom Platz zu erheben, um stehend aus dem Dach des Autos heraus, die besten Schnappschüsse mit dem Zeigefinger auszulösen. Jeden Abend waren wir voller Eindrücke, jeder konnte jeden Abend sagen: „Ein toller Tag, unvergesslich!“.

Ja, auch die siebte Elefantenherde machte noch Spaß zu beobachten, und der fünfzigste Löwe wurde mit einer Faszination beobachtet, als wäre er der erste unsere Reise. Wir haben Löwen gesehen, einen Geparden, zwei Leoparden, ungezählte Flusspferde, Gnus, Zebras, Büffel, Warzenschweine, Hyänen, Schakale. vielerlei Vögel und Schmetterlinge und vieles mehr. Am eindrücklichsten war der Angriff eines Büffels, der auf ein Rudel Löwen wütend zuging und sie zur Flucht zwang,,
Nicht minder einprägsam war unsere Jeepfahrt durch die fast tierleere Steppe der Serengeti und unvermutet waren wir plötzlich von zehntausend blöckenden und schmatzenden Gnus und Zebras umgeben. Welch ein Erlebnis Lunchpacket zwischen diesen vielen fressenden Tieren einzunehmen!

Je länger wir die Tiere beobachteten, desto mehr konnten wir ihre Eigenarten feststellen: die Zebras, die so gerne eng beieinander stehen und gegenseitig Körperkontakt suchen, die jungen Gnus, die gerne miteinander kämpfen, die alten Tiere, die Beschützerfunktion haben uvm.

Neben den Tierbeobachtungen müssen auch die atemberaubenden Naturphänomene erwähnt
werden: die großartigen Wolkenformationen gegen Ende der Regenzeit, die Wolken, die sich wie Zuckerwatte über den Rand des Ngorogorokraterrandes schieben, die moosbewachsenen Bäume dieser Region und die einsamen Bäume der Steppe, der Regenbogen über der Massa Mara´, der Marafluß mit seinen steilen Ufern uvm.

Das Staunen gerät ins Schwärmen!

Eine weitere Empfindung soll nicht verschwiegen werden: Wir sind sehr komfortabel gereist,die Jeeps waren gut, die Hotels klasse. Es überfiel mich immer wieder der Gedanke, wir reisendurch einen westlichen Zivilisationskorridor: Jeder Einheimische vermutet in dieser Art Autoeinen Touristen, wir fahren auf den wenigen guten Straßen des Landes, wir halten uns in den Nationalparks auf, die von Einheimischen nie aufgesucht werden, wir steigen in Hotels ab, die uns jeden Luxus bieten und in denen nur die Angestellten schwarze Hautfarbe haben und auf unseren Fahrten durch die Dörfer machen wir – manchmal mit einem leicht schlechten Gewissen – aus dem Auto heraus Fotos von den Menschen dort.

Auch der Gedanke der Nachhaltigkeit hat mich beschäftigt. Was tun wir den Nationalparks an, wenn wir möglichst nah an Tiere heran fahren; wenn vor einem sich paarenden Löwenpaar fünf Autos mit laufendem Motor stehen, wenn wir gerade auch mit den Lunchpaketen viel Plastikmüll in den Parks zurücklassen? Natur- und Umweltschutz wird auch in den nächsten Jahrzehnten ein Thema bleiben müssen. Der „kulturelle Gemeinbesitz der Menschheit“ bedarf auch in Zukunft ein hohes Maß an Engagement, um weiterhin Bestand zu haben.

Abschließend möchten ich all den Menschen danken, die dazu beigetragen haben, diese traumhafte und reibungslose Reise zu organisieren: die kenianischen Jeeps fuhren uns zur Grenze, dort warten schon tansanische Autos, die kenianischen Jeeps empfingen uns 7 Tage später wieder an einer weit entfernten Grenze. Die Fahrer - die gleichzeitig auch Führer waren - arbeiteten unermüdlich, immer freundlich, fachkompetent und mit Adleraugen, um uns Verborgenes zu zeigen. In den Hotels wurden wir durchweg zuvorkommend empfangen, das Essen war nicht zum Abnehmen und die Atmosphäre war im positiven Sinne afrikanisch.

Schließen möchte ich noch einmal mit einem Zitat von Berhard Grzimek, der vor 50 Jahren prophetisch sprach und recht behielt: „ Wenn ein Löwe im rötlichen Morgenlicht aus dem Gebüsch tritt und dröhnend brüllt, dann wird auch Menschen in fünfzig Jahren das Herz weit werden.“

Beatrix Henrich