Ruanda Südafrika Gorillatrekking

Ruanda - Südafrika


Liebe Freunde,
um Eure eventuell vorhandenen Bedenken über das Reiseland Ruanda zu zerstreuen, will ich von meiner im mehrfachen Sinn glücklichen Rückkehr berichten. Ich bin kein Opfer der Moskitos, Macheten, Bazillen, Gorillas und böswilligen Zeitgenossen geworden, sondern habe mich schon seit drei Wochen wieder in den Berliner Alltag eingereiht. Das fällt mir naturgemäß federleicht, wenn ich mit Eindrücken fremder Länder meine (Lebens)neugier ein wenig stillen konnte ;-)

Silverback Silberrücken in Ruanda

Ein fast leeres Flugzeug der Brussels Airlines hat mich von Brüssel nach Kigali gebracht und gleich am zweiten Tag habe ich Ruanda in Jetztzeit erlebt: Es war der letzte Samstag im Monat, und da ist das ganze Land zum Umuganda verpflichtet  http://blog.nz-online.de/peltner/2011/09/24/umuganda-in-ruanda-2/, das bedeutet Dienst am Land von 8-12. Auf den Straßen gibt’s Sperren wie im Krieg und man muss nachweisen, warum man nicht mit dem Rest der Bevölkerung sich an defekten Brücken, bei Überschwemmungen und Erdrutschen oder schlicht beim Müllsammeln eingefunden hat. Reiseführer mit weißen Touristinnen werden durchgewinkt….Wir sind 6 Stunden in den Süden gefahren zum Nyungwe Nationalpark, dem größten zusammenhängenden Urwaldgebiet Afrikas. Mein Hotel lag inmitten einer Teeplantage, durch die Balkontüre klangen die johlenden Schreie und das ungeduldige Gezeter der Affen und das Gezwitscher der farbenprächtigen Tropenvögel. Aufstehen am nächsten morgen um vier, zwei Stunden Jeepgeruckel zum Trecking, dann endlich: nach vier Stunden Marsch durch den triefenden Urwald auf schmierseifenglitschigen Pfaden zwei Schimpansen in 30 Meter hohen Urwaldbäumen….Es war kleine Regenzeit, und jeden Nachmittag ab drei Uhr schüttete es aus großen Eimern, was bei den fast nicht vorhandenen Straßen eine kleine Herausforderung sein kann. Wenn man Glück hat, schafft man im Schnitt 40 km pro Stunde. Es war mir jedenfalls ziemlich viel schlecht bei den Autofahrten, aber die grandiose grüne Landschaft mit klein-parzelligem Ackerbau für den Eigenbedarf bis über 2500 Meter war so faszinierend, dass mir keine Zeit blieb, darüber nachzudenken.

 

Mein „once-in-a-lifetime“ Erlebnis, mein Rendezvous mit Bewenge, beglückte mich am 28.Februar im Vulcanoes National Park. Fast zwei Stunden mussten wir von 2500 auf fast 3000 Meter Höhe uns durch – erst Felder, dann Bambuswald und zum Schluß dichtes Urwaldunterholz – zu seiner Familie durchkämpfen, um dann dem Clan – einem Silverback mit fünf Frauen und vier Kindern - beim zweiten Frühstück und anschließender Siesta zuzuschauen. Sichtlich unbeeindruckt von diesen acht durchgeknallten Touris, die sich unentwegt vor einer Gorilla-Kulisse fotografierten, ließen sie uns beim Schmatzen, Nasebohren, Jucken, Spielen und Sonnenbaden zuschauen. Von der Gorilla-Euphorie total gepackt, habe ich – ungeplant- mit viel Glück sogar ein zweites Gorilla-Permit für einen weiteren Tag ergattern können, und zwar zum Besuch der (fast schon berühmten) Susa-Familie, die noch weiter entfernt in Richtung Kongo ihr Lager hatte. Bei 32 Familienmitgliedern war ungleich viel mehr los, hinter jedem Busch knackte und schmatzte es, pausenlos schoss einer an uns vorbei, um sich eine vermeintlich bessere Ausgangsposition für das Auffinden von nicht schon angenagtem wilden Sellerie zu verschaffen. Einem dreijährigen Baby hat meine um die Hüften gebundene Jacke so sehr gefallen, daß es mich durch sein heftiges ungeduldiges Ziehen an den Ärmeln auf seine Spielebene herunterzog…Gott sei Dank war seine Mutter gerade mit Fressen beschäftigt und hat mich keiner unlauteren Absichten bezichtigt.

 

Am Ende meiner Reise habe ich noch zwei Tage am Kivu-See zugebracht, der zwar malerisch gelegen, aber wegen Bilharziosegefahr zum Baden leider ungeeignet war. Die Nähe zum politisch weniger stabilen Kongo ist in den Gesichtern der Menschen sichtbar, die teilweise Rechtlosigkeit und die politische Unsicherheit der kongolesischen Ostprovinzen ist auch im sonst so ruhigen Ruanda spürbar. Ich hatte viel Muße im Liegestuhl über das Glück, solche Eindrücke sammeln zu können, nachzudenken, und bin froh, dass ich das alles habe erleben dürfen. Mit zwiespältigen Eindrücken über die mögliche Fragilität des Friedens seit 17 Jahren in diesem Land und der ewigen Frage nach dem Warum der menschlichen Monstrosität, bin ich nun wieder im selbstverliebten westlichen Zivilisationsalltag angekommen- nicht ohne darüber froh zu sein J.