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Reiseberichte 2008

Ruanda | Tanzania | Uganda


Eine Traumreise ist zu Ende - Danke! Reisetagebuch von Daniela Seegardel
Es geht los
- Montag, 05. November 2007 -
Draußen wird's langsam richtig kalt in Deutschland. Das Regenrisiko steigt, dazu ein stürmischer Wind und das grau in grau ist auch nicht mehr richtig zu ertragen. Zeit also den Flieger zu besteigen und uns - zumindest für kurze Zeit - in wärmere Gefilde zu verziehen.
Der besagte Flieger geht ab Frankfurt um 22:25, das heißt für uns um 18:30 in Sessenbach ins Auto zu steigen. Das wartet bereits mit zwei Taschen Tauchgepäck á 15 kg (um die mit dem Reiseveranstalter heiß gekämpft wurde) und zwei weiteren Gepäckstücken im Gesamt"wert" von 30 kg nebst zwei nicht gerade leichten Handgepäckstücken in dem eine Über- und Unterwasserfotoausrüstung untergebracht wurde.
Gegen 19:15 haben wir nach einem kleinen Umweg wegen umständ-
licher Beschilderung den Parkplatz Holiday Parking an der Cargo City Süd erreicht. Direkt vor dem Bushäuschen (jippieh - nix schleppen) ist ein Parkplatz frei und der freundliche Fahrer mit unüberhörbarem Frankfurter Akzent shuttelt uns und unseren ganzen Krempel zum Terminal 1 B. Eingecheckt wird in 1 C ohne lange Warteschlange und damit schneller als erwartet, so dass die Zeit noch mehr als ausreichend ist, um einen kleinen Imbiss in Form von äußerst nahrhaften Mc Donalds Menüs einzunehmen.
Dann gehen wir zum Terminal und machen das, was ab jetzt unser neues Hobby werden soll: warten. Denn der Flug nach Addis Abbeba startet mit fast einstündiger, dafür weder angekündigter noch entschuldigter Verspätung. Macht ja nix - wir haben ja Zeit - wir sind ja im Urlaub. Der Flieger der Ethopian Airlines ist wie in allen Bewertungsforen beschrieben ziemlich schraddelig, die Sitze sind durchgesessen, aber das Essen ist passabel und die Menge Gin im Tonic entschädigt. Abendessen gibt's nachts um eins, zum Frühstück wird das Flugzeug morgens um vier mit Licht geflutet.
Zwischenstopp

- Dienstag, 06. November 2007 -
Um acht Uhr Ortszeit (zwei Stunden haben wir übersprungen dank der Zeitverschiebung) landen wir in Addis. Nein - eigentlich schlagen wir in Addis auf, meine Bandscheiben jubilieren und das Adrenalin macht kurzfristig wach.
Der Flughafen ist übersichtlich. Wir stolpern durch den Eingang und vertreiben uns die Zeit damit, die wenigen Shops mit einheimischer Kleidung zu begutachten und uns über Kleinigkeiten zu amüsieren. Diesmal beträgt die Verspätung mehr als eineinhalb Stunden. Dafür machen wir aber noch einen Zwischenstopp in Entebe, bei dem das Flugzeug die Begutachtung durch Reinigungspersonal erfährt, welches aber offensichtlich nur begutachtet und nichts reinigt. Dafür grüßen die Leutchen auch beim dritten Durchgang noch freundlich und irgendwann geht´s tatsächlich auch weiter. Der Blick über Entebe und den davor liegenden See entschädigt für vieles. Von hier aus sind es auch nur noch ca. 35 Minuten und der Flieger bringt uns wohlbehalten nach Kigali. Dort ist es jetzt ca. 14:30 Uhr, wir haben an der Grenze zwischen Äthiopien und Ruanda eine der geklauten Stunden wieder bekommen.

Dort werden wir bereits von unserem Guide erwartet, der uns freundlich in Empfang nimmt, unser Gepäck in einen grünen Jeep verfrachtet und dann in nervenstarker Fahrweise quer durch dieses Gewusel von Leuten schippert, welches sich Kigali nennt. Unsere Tauchtaschen werden im Reisebüro verstaut und wir gehen erst mal lecker Kaffee trinken. Und damit meine ich wirklich lecker Kaffee trinken, nicht irgendeine braune bittere Brühe, sondern aromatischen leckeren Kaffee. Jörg und ich gucken schon gar nicht mehr ganz verschlafen, als unser Guide uns wieder zum Landcruiser begleitet und die Tour einmal quer durch Ruanda ins Mountain Gorilla's Nest beginnt.

Ruanda ist grün - das ist die erste Überraschung. Überall Felder, terrassenförmig angelegt, durchzogen von Bananenplantagen, Bohnen, vereinzelten Bäumen. Und wenn ich sage überall Felder, dann ist das auch so gemeint. Ruanda - das Land in dem man die Überbevölkerung greifen kann. Kein Fleck im Land, wo nicht eine Rundhütte oder ein kleines Tonziegelhaus mit Wellblech steht. Menschen wo man hinschaut. Kigali hat über eine Million Einwohner, aber auch wenn man die Stadt verlässt quillt das Land über vor Menschen. Keine 50 Meter an der Straße wo nicht Leute entlang laufen mit irgendwelchen Dingen auf dem Kopf. Schwerlasttransport für den Heimgebrauch wird hier mit dem Fahrrad erledigt. Die Hauptstraße nach Kinigi wird von Jeeps mit Touristen und Lastern für den Transport bevölkert. Dazu links und rechts Hunderte von Fußgängern. Zum Überholen wird gehupt, Fußgänger und Fahrradfahrer springen im Notfall von der Straße. Gebremst wird selten und wenn, dann nur wegen einem Loch in der Straße. Hier und da grast eine Ziege um sich herum, soweit ihre Leine reicht. Kühe sieht man ganz selten. Keine Hunde, keine Katzen, ein paar Hühner.
Die Leute sind bunt gekleidet. Manche tragen traditionelles, Stofftücher zu Kleidern gebunden, andere stehen im Anzug auf den Feldern. Die Kinder spielen in den Wasserablaufgräben. Die Straße führt uns über eine voll-
kommen landwirtschaftlich erschlossene Hügellandschaft mit wilden Kurven bis ins Mountgain Gorilla's Nest. Dieses hat drei Sterne, aber ist - um mit einer dicken Amerikanerin namens Nan zu sprechen - "spartan".

Der Eingangsbereich ist hübsch gemacht. Unser Gepäck wird von zwei Trägern durch einen sehr schön angelegten Garten über eine kleine Brücke mit Blick auf den Vulkan im Hintergrund in unser Zimmer gebracht. Das Zimmer überrascht uns jetzt wirklich. Ein Bett, ein Wandteppich mit Gorillas drauf, ein Badezimmer, was wahrscheinlich schon den letzten Weltkrieg überlebt hat und vor allem seit dieser Zeit nicht mehr geputzt wurde. Der Warmwasserhahn ist lose und baumelt über dem Wasch-
becken. Nach etwas längerer Wartezeit spuckt der Duschhahn (den man nirgendwo befestigen kann) siedend heißes Wasser aus, welches man sich dann mit den klammen Handtüchern von der Haut rubbelt. Wegen des Klimas ist das ganze Zimmer feucht - auch die Betten, brrrr.
Aber erst mal gibt's Abendessen, welches einfach aber sehr sehr lecker ist. Unser Guide speist mit uns. Wir haben ein paar kleine Sprach-
barrieren und deshalb schleppt sich die Unterhaltung etwas träge dahin. Nach dem Essen geht's noch für einen Absacker in die Bar. Dort sind wir übrigens die einzigen, denn um halb zehn abends wärmt sich niemand mehr an den Feuerstellen aus Ziegelstein. Na ja - macht nix. Jörg trinkt sein Bier und für mich gibt's, weil der Gin ausgegangen ist, Whisky Sour. Und dann nichts wie ins Bett. Seit Ewigkeiten hab ich nicht mehr so gefroren. Wir wärmen uns aneinander, aber sobald sich einer bewegt und die klamme Luft reinkommt, fängt das Zittern wieder an. Gegen drei Uhr morgens beschließe ich mit Fleece-Shirt zu schlafen, und jetzt geht's mir besser.

Gorillas Trekking
- Mittwoch, 07. November 2007 -
Der Wake-up-call kommt um 05:30, um sechs sitzen wir beim Frühstück, um 06:30 bringt uns der Guide zum Ausgangspunkt der Gorilla Safari. Hier werden bunt acht Leute pro Gruppe zusammengewürfelt und wir bekommen unser Einstiegs-Briefing. Francois, unser Tour Guide, erklärt uns viele Dinge, von denen wir nur die Hälfte verstehen, denn sein Englisch ist schlechter als mein chinesisch. So viel haben wir verstanden: Der Volkanos National Park liegt im Dreiländereck zwischen Ruanda, Kongo und Uganda. Es gibt mehre Gorilla Familien dort. Zu manchen muss man weit laufen, zu manchen nicht. Und das zweite Briefing gibt's am Berg.
Jetzt beginnt das eigentliche Abenteuer. Mit den Jeeps verlassen wir die geteerte Straße und hoppeln über Buschwege bis zum unteren Ende des Vulkanberges. Dabei fahren wir durch Schlammlöcher, überqueren mittels morsch aussehender Holzbrettern eine kleine Schlucht und hängen manches mal recht schief im Auto. Unser Guide nimmt's gelassen.

Die bunt zusammen gewürfelte 8er Gruppe ist eine wilde Meschpoke von Leuten, die so gar nicht zueinander passen. Aber das macht es interessant - irgendwie. Die dicke Amerikanerin - call me Nan - ist so kurzatmig, dass sie kaum zwanzig Meter am Stück laufen kann ohne stehen bleiben zu müssen. Die zweite Amerikanerin ist fit und sehr nett. Sie hat grad zwei Monate Urlaub in Tanzania hinter sich, war vorher in Amsterdam und wohin sie der Weg jetzt führt hab ich gar nicht mehr gefragt. Zwei junge Engländerinnen fragen bereits zu Beginn, ob%u017Ds weit ist. Es stellt sich bei der Tour heraus, dass sie nicht faul, sondern dumm sind. Denn die eine ist höhenkrank, kann seit zwei Tagen vor lauter Übelkeit nichts essen und hat kaum Kraft sich zu bewegen. Unterwegs rätseln Jörg und ich, wann sie endlich umfällt. Umso interessanter sind Daniel und seine Frau, zwei Belgier, die für einen Monat Urlaub in Ruanda machen. Gebucht haben sie nur Hin- und Rückflug, der Rest wird mit Backpack auf dem Rücken nach Lust und Laune angegangen. Die beiden sind mindestens 50 und könnten locker die Tour im Laufschritt erledigen.

Francois führt uns am Rand von Kartoffel- und Bohnenfeldern den Berg hinauf. Unterwegs zeigt er uns ein kleines, superhübsches Chamäleon und erklärt ein bisschen was über Pflanzen der Umgebung.
Vor dem eigentlichen Urwaldgebiet angekommen erwartet uns das zweite Briefing. Verhaltensregeln in Bezug auf die Gorillas. Immer nah beisam-
men bleiben, ducken, wenn der Guide sich duckt, aufstehen wenn er es tut, fotografieren ohne Blitz, langsame Bewegungen. Apropos langsam, langsam werde ich wirklich aufgeregt. Werden wir diese wundervollen Tiere wirklich bald sehen?

Wir klettern über ein Mäuerchen in den Urwald. Nicht Dschungel wie die Bilder aus dem Amazonas. Eher ein mitteleuropäischer Wald, in dem noch nie gerodet wurde mit dichtem Unterholz und dazu viel Bambus. Francois geht vorneweg und es dauert kaum 15 Minuten, als die Tracker kommen - Fährtenleser, die die Gorillas begleiten und vor Wilderern schützen. Wir müssen alles bei ihnen lassen außer die Kameras. Nun heißt es still sein und Francois folgen.

Wir gehen eine kleine Kurve in den Wald und zur Rechten kann ich den ersten braunen Körper auf dem Waldboden zwischen den Bäumen sehen.

Leichtes Brummeln ist zu hören und Francois imitiert die Stimmen der Gorillas. So kommen wir in Momenten immer näher und näher. Was nun folgt sind wundervolle und zugleich bedrückende 60 Minuten.

Ein Silberrücken sitzt auf dem Boden in einer Kuhle und spielt mit einem Baby.

Zwei weitere Babys reißen beim Toben Bambusstangen um, eine Mutter streichelt ihr Kleines. Sie schauen uns teilweise direkt an und man fühlt sich seltsam fehl am Platze. Ich komme mir wie ein Eindringling vor und schäme mich fast, die ersten Fotos zu machen.

Doch wenn es Leute wie uns nicht gibt, die für das Gorilla Permitt so viel Geld in diesem überbevölkerten Land lassen, wird niemand bereit sein, das letzte bisschen Raum für die Gorillas zu erhalten. So sind sie Gefangene in Freiheit und täglich einmal kommen Touristen um ihnen beim Leben zuzuschauen.

Trotz all dieser Gedanken fallen die Hemmungen und auch mein Foto-
apparat klickt oft. Nur ein Foto mit mir und Gorilla mag ich nicht, es kommt mir irgendwie nicht richtig vor.

Wir wandern hinter den Gorillas ein Stück durch den Wald, sehen Ihnen zu wie sie spielen, schmusen, fressen. Der Silberrücken kennt die
7 Meter Schutzbarriere nicht und grapscht den Guide, der genau neben mir steht an. Uns bleibt fast das Herz stehen. Nan fällt auf den Hintern in den Matsch und bleibt sicherheitshalber mal sitzen. Dann geht das Muskelpaket weiter und grummelt. In dem Moment hat jeder von uns begriffen, dass Gorillas keine Kuscheltiere sind, sondern Wildtiere, die mehr als gefährlich werden können und die uns nur geduldet haben in ihrer Gegenwart.

Und trotz dem schlechten Gewissen und dem Gefühl, nicht nur Gast, sondern Eindringling in ihrer Welt gewesen zu sein, möchte ich diese Erfahrung nicht missen. Müde von den Eindrücken wandern wir zurück und nehmen unsere Zertifikate in Empfang.

Dann geht's mit dem Jeep zurück nach Kigali. Lunch gibt's in einem kleinen Restaurant irgendwo am Weg. Super lecker, aber schwer zu essen. Ich verspreche, ich bestell nie wieder Hähnchen. Das Biest kommt am Stück und hält sich mit aller Gewalt am Knochen fest. Vollgekleckert mit Erdnuss-Soße gebe ich nach der Hälfte auf und widme mich den Pommes. Jörg hat Zicklein gegessen und war begeistert.

Danach lassen wir uns über die vollen Straßen Ruandas schaukeln. Oftmals schlafen wir ein und sind heilfroh, als unser Guide uns im Novotel absetzt.

Schlafen gehen wir wieder früh, denn am nächsten Morgen um drei wird aufgestanden. Der Flieger startet um sechs Uhr und wir müssen laut Aussagen des Guides zwei Stunden früher am Flughafen sein. Und dann geht's ab nach Tanzania.

Ankunft in Tanzania
- Donnerstag, 8. November 2007 -
Na ja - das mit den Abfahrtzeiten war wohl ein Witz. Der Wakeup-Call kommt fast pünktlich um 03:10 in der Nacht, wir sind um drei dank Jörgs Handy-Wecker schon aufgestanden und stolpern nach einer kurzen Badezimmer-Session schlaftrunken durchs Foyer. Die Getränke-
Rechnung begleicht Jörg noch und dann fährt unser Guide uns durchs nächtliche, fast vollkommen leere Kigali. Hätten wir diese Stadt mit ihren
1 Mio. Einwohner nur nachts gesehen, hätten wir einen vollkommen falschen Eindruck gehabt. Fast träge wirkt das Nest, kein Licht in den Häusern und Hütten, die Straßen ausgestorben. Auch nur wenige Autos schlängeln sich über den Teer. Wir erreichen nach 20 Minuten den Flughafen und der ist - wie sollte es auch anders sein - geschlossen. Unser Guide fragt den Security Man und nach einigem Hin und Her ist man sich einig, dass die Coastal Aviation ein Privat Transport ist. Das heißt, einchecken erst eine halbe Stunde vorher. Der Guide bietet an, uns ins Hotel zurück zu fahren und noch mal schlafen zu gehen. Nach kurzem Augenkontakt und ein paar Knurr- und Grunzlauten zwischen Jörg und mir - zu mehr sind wir nicht fähig - entscheiden wir zu bleiben und im Auto ein wenig zu dösen. Erst früh aufstehen und dann eventuell den Flug verpassen, das geht gar nicht.

Wir frieren langsam durch, mein Rücken (den ich mir sinnvollerweise schon in Deutschland verzogen habe, aber ihn nicht behandeln ließ) dankt es mir durch heftige Schmerzen und heimlich pfeife ich mir eine Dolormin rein, damit mein Liebster sich keine Sorgen macht. Um kurz vor sechs, die Sonne ist bereits aufgegangen und unser Guide quatscht seit einer Stunde mit den Sicherheitsleuten am Eingang, hält hinter uns ein Taxi. Daraus steigt ein blonder Hüne, der sich nach kurzem Gespräch als unser Pilot herausstellt. Ab jetzt wird alles einfach.

Wir verabschieden den Guide und laufen dem Piloten hinterher. Die Formalitäten sind schnell erledigt, das Gepäck schleifen wir durch eine Sicherheitskontrolle, die diesen Namen nicht verdient, in eine kleine Wartehalle. Dort warten wir, bis das Flugzeug "vorgefahren" wird. In dem Ding haben locker 10 - 12 Leute Platz und ich freue mich schon auf den Flug. Das Gepäck ist flott verstaut und jetzt kommt mein persönliches Highlight des Tages, ich darf vorne sitzen. Jörg fragt mich zwar, ob mich der Mutaffe gebissen hat, aber das ignoriere ich geflissentlich und klettere die Hühnerleiter ins Cockpit hoch. Dort sitze ich jetzt strahlend die nächsten eineinhalb Stunden und genieße die Aussicht.

Wir überfliegen das mit Menschen voll gestopfte Ruanda Richtung Tanzania. In 10 000 Fuß Höhe gleiten wir zwischen Wolkenformationen durch, die an Landschaften erinnern und an Drachen, an Schneehügel und an Zuckerwatte. Als wir im Sinkflug unter den Wolken das nächste Mal Land sehen können, ist gleich viel Wasser dabei. Wir sind im Lande-
anflug auf einen kleinen Flughafen, der direkt am Viktoria Lake liegt. Mann, ist das Ding groß. Wasser, soweit das Auge reicht.

Wir legen dort eine Zwischenlandung ein, um unsere Einreiseformalitäten zu erledigen. Das Flugzeug landet im strömenden Regen und trotz Schirm sind wir schnell feucht bis nass. Das Gepäck wird von Trägern aus der Maschine gebracht und eingecheckt. Wir zahlen an der Einreise-Station 50 USDollar pro Nase für einen Monat Aufenthalt in Tanzania und gehen zu den Customs. Dort demonstriert ein Zollbeamter ganz wichtig die umfassenden Kontrollen und steckt - zumindest oberflächlich die Nase in eine unserer Tauchtaschen. Nachdem ich ihn frage, ob er einen tieferen Blick riskieren möchte, meint er, das reicht und lässt die Tasche schließen. Nun warten wir 10 Minuten und steigen, verstärkt um ein weiteres Ehepaar, welches nach Arusha reist, wieder ins Flugzeug.





Sie nehmen uns aber mit und wir fahren los. Schon auf den ersten paar Metern machen wir die Erfahrung, wie artenreich und voll von Tieren die Serengeti ist. Wir sehen Antilopen und Giraffen, Warzenschweine samt Kindern, Zebras, Büffel und Elefanten. Das Land ist hügelig und weit. Büsche und dürre Bäume besiedeln die Grasflächen. Es geht ein warmer Wind, das erste mal in diesem Urlaub höre ich auf zu frieren. Wir fahren fast 45 Minuten zum Kleins Camp.
Es gibt noch kurz einen Zwischenstopp in the middle of nowhere und dann fliegen wir über die Serengeti. Schon von der Luft aus können wir die ersten Migration Lines sehen und eine riesige Herde Büffel. Die Landung auf der Schotterpiste ist angenehm und die Drivers empfangen uns freundlich. Leider haben sie unseren Namen nicht auf der Liste. Nachdem sie aber unser Programm vom Reisebüro gesehen haben, dürfen wir ausladen und sie nehmen uns erst mal mit.

Ein Fläschchen Wasser und zwei Muffins sind unser verspätetes Frühstück, das wir genießen, während einer unserer neuen Guides über Funk unsere Anwesenheitsberechtigung überprüft. Diese wird irgendwie bestätigt - denn offensichtlich liegt keine Buchung vor.
 
Ruanda-Tansania: Reisebericht von Seegardel

Ruanda-Tansania: Reisebericht von Seegardel

Ruanda-Tansania: Reisebericht von Seegardel

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Ruanda-Tansania: Reisebericht von SeegardelRuanda-Tansania: Reisebericht von Seegardel

Ruanda-Tansania: Reisebericht von Seegardel

Ruanda-Tansania: Reisebericht von Seegardel

Ruanda-Tansania: Reisebericht von Seegardel

 
Schon der erste Anblick lässt einem warm ums Herz werden. Rundhütten stehen an einem Berg mit grandiosem Blick über das darunter liegende Tal. Der Guide erklärt uns, dass CC Afrika das Land von den Maasai gepachtet hat und diese dafür unterstützt. Im Konzessionsgebiet des Klein's Camp sind lediglich maximal 20 Touristen untergebracht und nur diese machen in vier Jeeps die Safaris.

Uns erwarten Game Drives am Tag und in der Nacht, nach eigenem Gutdünken Walking Safaris, Off-Road-Drives und ein Besuch der Maasai Community. Wir sind gespannt. In der Lodge werden wir warm und herzlich von Mike, dem Lodge Manager, begrüßt.
Uns erwarten Game Drives am Tag und in der Nacht, nach eigenem Gutdünken Walking Safaris, Off-Road-Drives und ein Besuch der Maasai Community. Wir sind gespannt. In der Lodge werden wir warm und herzlich von Mike, dem Lodge Manager, begrüßt.

Bei einem Gin Tonic in der Bar bekommen wir eine Menge von Informationen über Essenszeiten "until 12 o'clock we call it breakfast, then we call it lunch". Uns wird erklärt, dass wir die Notfallpfeife am Schlüssel nicht benutzen sollen, wenn uns nachts um eins der Gin Tonic ausgeht, weil sonst vier mit Speeren bewaffnete Maasai das Zimmer stürmen. Zusätzlich werden wir informiert, dass das Personal die Aufgabe hat, uns in drei Tagen um fünf Kilo an Gewicht in die Höhe zu treiben. Die Bar und der Dining Room sind wunderschön, unser Zimmer ist ein Traum.

Wir haben die Nummer 4, eine eigene Rundhütte mit einem großen Himmelbett, einer vollen Brandy-Flasche, einem Badezimmer, welches mit vielen liebevollen Details ausgestattet ist und für das das Heißwasser mit Holzfeuerofen hergestellt wird, der hinter der Hütte steht und täglich zweimal eingeheizt wird.Wir genießen den Rest unseres Gin Tonic auf der eigenen Terrasse mit fantastischem Ausblick auf die Serengeti und freuen uns, dass wir hier sind. Dann heißt es auspacken, frisch machen und umziehen.

Elias, unser Butler, den wir uns lediglich mit einem weiteren Pärchen teilen, liest uns jeden unausgesprochenen Wunsch von den Augen ab. Der Koch erscheint und erklärt, was es zu Essen gibt. Nicht, dass wir sein Englisch verstehen, aber wir sagen einfach mal "sounds fantastic" und "we take it all". Das ist nicht nur für dieses Lunch, sondern für alle nachfolgenden Essen genau die richtige Entscheidung. Das Lunch ist lecker, als Vorspeise gibt's Avocadosalat, danach Tagliatelle in einer ganz besonderen Würzung und zum Schluss Ananas in leckerer Karamelsauce. Dazu Getränke, so viel wir wollen.Wir lernen auch gleich das junge Paar aus London kennen, mit dem wir die nächsten Game Drives machen werden. Sie haben die nächsten fünf Tage die gleiche Tour wie wir und sind nett und freundlich.

Um vier Uhr nachmittags geht's auf den ersten Game Drive. Nach einem Glas Eiskaffee für mich (supersüß und lecker) und warmem Kaffee für Jörg bekommen wir ein kurzes Briefing. Wir sind lediglich mit einem weiteren Pärchen unterwegs, zwei Engländern namens Brooke und Andy, der - wie sich später heraus stellt - Puppenmacher ist und unter anderem bei Wallace und Grommit mitgearbeitet hat. Unser Guide erklärt uns an Hand von Karten einiges über die Landschaft, die große Tierwanderung und die Tierarten, die wir zu erwarten haben. Voller Vorfreude steigen wir in den Jeep und lassen uns in gemächlichem Tempo über unwegsame Strecken durch das Klein's Camp Territory fahren.

Die ersten Tiere lassen nicht lange auf sich warten. Wildebeasts (Gnus), Zebras, verschiedene Antilopenarten (die ich super schön finde, aber die ich weder auseinander halten, noch mir die Namen merken kann) lassen uns bis auf 20 Meter herankommen. Die Giraffen sind etwas scheuer und wie auch die Büffel an diesem Tag zu weit weg.

Aber eine Elefantenherde mit einigen Halbwüchsigen und zwei Babys tut uns den Gefallen an einem kleinen Crossover des schlammigen Flüsschens ein ausgiebiges Matsch-Dreck-Staub- und Wasserbad zu nehmen.
Fast eine halbe Stunde genießen wir es, diesen wunderschönen sanften Riesen nahe zu sein und sie zu beobachten.

Die Sonne geht unter und wir machen uns auf die Suche nach Löwen. Davon gibt es nur ein junges Männchen, den wir zum Wasser trinken begleiten dürfen. Die Hoffnung, dass er uns auf dem Rückweg zu seiner Familie führt, macht der Kleine aber zunichte. Er führt uns hin und her, kreuz und quer durchs Grasland, um sich dann gemütlich niederzulegen und mit einer ausgiebigen Grundreinigung zu beginnen.

Dafür meint es ein Gepard gut mit uns und kreuzt unseren Weg. Nach dem die Dunkelheit hereinbricht, wird es reichlich kühl.
Wir machen uns auf den Rückweg und lassen uns über das Buschland von einer Herde Zebras begleiten. Die sind so nervös durch die Dunkel-
heit, dass vier von ihnen meterhoch springen, nachdem der Vordermann einen - zugegebenermaßen heftigen - Darmwind in die Landschaft geschossen hat.

Der Wind, der ständig über die Landschaft bläst, lässt uns frösteln und wir sind froh und glücklich, als wir die Lodge erreichen.

Jetzt gibt's erst eine kurze Dusche und dann wartet ein Essen der Extraklasse auf uns. Und ein weiteres Mal sind weder ich noch Jörg fähig, auch nur einen der leckeren Gänge auszulassen, die man uns offeriert. Bei einem Glas Gin Tonic lassen wir den Tag ausklingen und freuen uns schon auf morgen.

Tiersuppe
- Freitag, 09. November 2007 -

Nach einem kurzen Frühstück warten wir auf Brooke und Andy, die erst unpünktlich zum Frühstück kommen und sich dann auch noch für Rührei und Toast entscheiden! Grummel.

Mit einer halben Stunde Verspätung brechen wir auf in die Serengeti. Und was uns dort erwartet, ist atemberaubend! Als ich die recht breiten Straßen gesehen habe, dachte ich zuerst - nach klasse, hier muss man schnell fahren, um überhaupt ein Tier zu sehen. Aber weit gefehlt, die Serengeti wimmelt nur so von Tieren. Während wir uns in Südafrika ein Loch in den Bauch gefreut haben für eine Herde von 10 Zebras, halten wir hier für so einen Kleinkram schon gar nicht mehr an.

Gnus, Antilopen, Zebras, Büffel, Warzenschweine, Löwen, zwei Leo-
parden, Klippspringer soweit das Auge reicht. Teilweise stehen die Viecher in Herden auf der Straße rum und sehen es nicht ein, dort runter zu gehen, bevor der Jeep nicht fünf Meter hinter ihnen ist.

Hinter jedem Hügel verändert sich die Landschaft. Büsche besiedeln die Gegend ebenso wie Akazienbäume. Die kahlen Hügel mit schwarzer Erde von vergangenen Buschbränden werden von neuem Grün überzogen. Die Wege und Flüsse sind Feuerbarrieren. So kann es sein, dass links der Straße alles schwarz ist und Knochen von verbrannten Tieren auf dem Boden liegen, während rechts das Grasland blüht. Auf riesigen Felsen sammelt sich das Regenwasser in Mulden und die Zebras stehen darauf und trinken.

Besonders eindrucksvoll sind die Riesenherden, die der großen Wande-
rung folgen und sich wie Bänder durch die Landschaft schlängeln. Keiner weiß genau, welchem Weg sie folgen. Es ist nicht eine große Herde, sondern viele Herden, die in langen Reihen durch die Ebenen und über die Hügel wandern. Ein faszinierendes Durcheinander von Tieren, die gemeinsam dem immerwährenden Kreislauf zwischen Serengeti, Masai Mara und Ngorongoro Reservation Area folgen.

Die Guides verhalten sich sehr angenehm. Kein Jeep rückt den Tieren zu nah auf die Pelle, keine Hektik kommt auf, wenn wir uns den wahren Einwohnern dieser Landschaft nähern.

Ungern fahren wir weiter. Der Wind zerrt an den Haaren und der Kleidung, nicht nur beim Fahren. Die Wärme der Sonne ist angenehm auf der Haut und gut zu ertragen. Fast fünf Stunden fahren wir durch die Serengeti, kaum noch wird gesprochen, man schaut nur noch umher und genießt, was die wunderschöne Landschaft uns an Eindrücken schenkt. Und zurück in der Lodge wartet - wie stets - ausgesucht gutes Essen, lecker Weinchen und das Zimmer zum Ausruhen. Denn die nächste Ausfahrt kommt bestimmt.

Die führt uns nachmittags um halb fünf wieder ins Konzessionsgebiet des Klein's Camp. Nach dem Tierreichtum der Serengeti erscheinen die kleinen Herden fast langweilig. Die Löwen sind noch müde und liegen dick und glücklich unter einem Baum und genießen die letzten Sonnen-
strahlen. Die Giraffen geben Gas, sobald sie uns auch nur von ferne kommen sehen. Die Flusstäler ziehen sich wie grüne Bänder durch das Land, bestes Gebiet für die Leoparden. Dort zieht eines der schönen Tiere in aller Seelenruhe vor den Jeeps her, die ihm in respektvollen Abstand folgen.

Ein wenig träge hocken wir im Jeep und lassen uns durch die Landschaft fahren. Die Dunkelheit bricht herein. Der Himmel ist wunderschön, rechts schon sattblau von der kommenden Nacht, links rosa und weiß vom Tag, der Übergang ist fließend. Unser Guide fährt scheinbar ziel- und planlos durch die Nacht. An einem Hügel offenbart sich jedoch seine Absicht. Elias und Hussein haben ein Feuer entfacht, Stühle und ein kleines Sofa aufgestellt und warten mit Getränken und Snacks auf uns.

Eine wundervolle Überraschung. Fast eineinhalb Stunden heißt es nun, erzählen, verwöhnt werden, genießen! Das Sternenzelt von Afrika über uns wärmt die Herzen, das Feuer die Füße und der Gin Tonic den Magen.
Brooke fragt ein bisschen was über die Maasai, unser Tracker lässt sie sogar seine Ohren anfassen, die zusammen gebogen sind und wie Raubtierohren aussehen. Wir erfahren einiges über die Kultur der Maasai und die Traditionen in Tanzania. Fast unwirklich erscheint es uns dort zu sitzen und wir freuen uns wieder einfach nur darüber, dass wir hier sein dürfen. Ungern verlassen wir die gastliche Stätte mitten in der afrikani-
schen Nacht und brechen auf zur Lodge.

Nach einer Dusche und einem guten Abendessen verschwinden wir noch auf einen Drink in die Bar und dann lassen wir uns von einem Maasai auf's Zimmer bringen. Dort liegen bereits Wärmflaschen im Bett und wir kurz später auch in den Federn und träumen uns durch die Nacht.

Zu Fuß durch Afrika
- Samstag, 10. November 2007
-
Walking Safari, Beginn um halb sieben. Das heißt halb sechs wecken - wir müssen verrückt sein. Gut, dass Elias uns (wie schon gestern morgen), den Kaffee ans Bett bringt und ein paar Kekse dazu. Ich weiß noch gar nicht, wie sehr ich diese Kraftreserve brauchen werde.

Schlaftrunken taumele ich durch die Dusche, zieh mich wanderfähig mit langer Hose und Shirt an und schnüre mir die Meindls, Jörg tut es mir gleich. Gesprochen wird nicht viel, irgendwie sind wir zu müde. Pünktlich zehn Minuten vor der Zeit treffen wir uns mit dem Guide, ganz pünktlich auf die Minute kommen die Engländer in kurzer Hose angeschlurft. Ein Maasai mit Speer und Wanderschuhen gesellt sich zu uns und die Mannschaft ist komplett.

In einem nicht gerade moderaten Tempo stiert unser Guide den Berg hoch und wir folgen. Schon nach wenigen Minuten bin ich außer Atem und mehr als glücklich, wenn wir hier und da anhalten und das neuste über Spinnenhochzeiten mit anschließendem Männchen-Verlust, die Inhalts-
stoffe von Hyänenkacke und die Fertigkeiten, aus einem Ast eines Busches eine Zahnbürste herzustellen, erfahren. Das gibt mir Gelegen-
heit zu atmen. Oben angekommen genießen wir eine fantastische Aussicht über das Klein's Camp Gebiet zur rechten und die Serengeti zur linken.

Fast 11/2 Stunden wandern wir über den Kamm des Berges und beob-
achten Linien der great Migration, sichten Elefanten und Giraffen wie auch Klippspringer und die nächsten Verwandten der Elefanten, die Klipp-
schliefer. Der Wind bläst wie verrückt und ich zieh mir das Tuch über die Ohren, um keine Ohrenschmerzen zu bekommen. Manchmal müssen wir durch ein Gebiet, das mit Büschen überwuchert ist und der Guide trägt das Gewehr nicht mehr locker in der Hand, sondern ist bereit zu schießen. Einmal schickt er uns dem Maasai hinterher weg von einer Stelle. Was dort war oder was er vermutete - keine Ahnung. Aber besser einmal schnell abgehauen als langsam gefressen werden!

Der Abstieg ist ebenso schnell wie die Wanderung und meine Knie fühlen sich an wie Pudding.

Der Rückweg führt unten durchs heiße Grasland und irgendwie hab ich das Gefühl, wir werden immer schneller. Wir stoßen auf Elefanten und Büffel, die wir sicherheitshalber weit umrunden und sehen einen Leoparden, der auf einem Baum faulenzt und alle viere wie seinen Schwanz locker runterhängen lässt. Glücklicherweise ist der erstens weit weg und zweitens nicht an uns interessiert. Ich stolper schon nur noch vor Erschöpfung und würde - glaube ich - mich gern übergeben, aber es ist ja nix drin im Magen. Das letzte Stück den Berg rauf zur Lodge überlege ich mir ein Taxi zu rufen und jappse mich Meter für Meter vorwärts.

Endlich oben angekommen habe ich einen feuerroten Schädel und will nur noch eins - duschen. Und es ist mir auch völlig egal, dass das Wasser eisig ist, ich schaffe es sogar, mir damit die Haare zu waschen. Nach einer halben Stunden Relax-Zeit leuchte ich nur noch wie ein kleiner Feuerlöscher und nicht mehr wie ein Großbrand und wir stillen den Hunger an einem leckeren Frühstück mit Müsli, frischem Obst (die Himbeeren hmmmm und erst die Ananas) und erstmals an Fried Eggs, sunny side up mit Toast.

Zeit zum Relaxen, in zweieinhalb Stunden gibt's Lunch. Wir ziehen uns mit zwei Gin Tonic (es ist ja schon nach elf) und ich mit meinem Buch an den Swimming Pool zurück. Der ist zwar auch eiskalt, aber ich schaffe es, mich zu überwinden und zwei Runden zu schwimmen. Jörg rückt derweil einer Echse mit dem Fotoapparat zu Leibe, die auch bereitwillig für ihn post.

Dann ziehen wir uns noch ein bisschen ins Zimmer zurück und ruhen uns aus, bevor wir uns mit Truthahn-Kebab, Couscous und Rotwein abfüllen lassen, nur um dann wieder vollkommen fertig und faul ins Zimmer zu stolpern. Macht ja nix - der nächste Game Drive kommt bestimmt. Und auch dieser ist wunderschön.

Nach der obligatorischen Tea-Time um vier Uhr nachmittags werden wir einer neuen Gruppe zugeteilt. Die beiden Engländer wollen das Maasai Village besuchen, wozu wir jedoch keine Lust haben. Also besteigen wir zusammen mit zwei Deutschen namens Burghard und Judith sowie einem frisch verheirateten englischen Pärchen den Jeep von Peter und brechen auf ins Klein's Konzessionsgebiet.

Wir fahren fast umgehend zu dem Baum, auf dem wir morgens die Leopardin gesichtet haben und sie tut uns den Gefallen, noch immer dort zu verweilen.

Der Jeep quält sich mühsam den Berg hinauf und wir parken in fünf Meter Entfernung zum Baum. Die Leopardin findet unsere Anwesenheit nicht störend, eher amüsant genug, uns eine kleine Show zu bieten.

Langsames Aufstehen, Stretchen in der Astgabel, Verlegenheitsputzen und gemütliches Herabsteigen ist erst der Anfang. Dann umrundet sie in zwei Meter Entfernung in aller Gemütlichkeit unser Fahrzeug und begibt sich zu einem Strauch. Dort zuckt sie mit dem Schwanz und markiert die Absicht, jagen zu gehen. Was immer sie auch gesehen hat, wir haben es nicht gesehen. Wahrscheinlich wollte sie uns nur ein wenig necken und trottelt nach ein paar Minuten zum Baum zurück.

Fast in Vergessenheit geraten dabei die Giraffen, die dem Szenario in aller Gemütlichkeit zugesehen haben und wir haben viele nette Fotos im Kasten, bevor es weiter geht. Von Ferne und auch von nahem sehen wir Gnus, Büffel und viele Antilopen, bevor Peter den Jeep auf eine große Steppenlandschaft lenkt. Das Warum für diese Aktion liegt direkt vor uns. Ein Rudel von 10 Löwen, davon zwei große und zwei junge Männchen döst auf kleine Termitenhügel verteilt vor sich hin.

Zwei erfahrenere Löwinnen beäugen eine Büffelherde und die erste Lady macht sich auf leisen Tatzen auf, auszukundschaften, ob eine Jagd erfolgreich sein könnte. Weit kommt sie jedoch nicht, denn der Wind dreht und die Büffel wittern die Gefahr und suchen das Weite. Wir verweilen dort noch ein wenig und beobachten die Löwen, aber nichts geschieht.

Also - Zeit für den Sundowner - allerdings in sicherem Abstand zu den Löwen. Wir genießen den Rotwein im Sonnenuntergang und beraten über den weiteren Verlauf der Fahrt. Nachdem alle Gläser und Becher verstaut sind, statten wir den Löwen noch einen kurzen Besuch ab. Dort verlassen grade die zwei Männchen hinter den zwei ältesten Weibchen die Ebene, zeigen aber keinerlei Anzeichen für eine Jagd. Der Wind hat aufgefrischt und es wird merklich kalt. Peter beschließt die Rückfahrt zur Lodge anzutreten.

Nun sehen wir nur noch Schatten und hier und da ein paar Augen im Dunkel. Kurz bevor wir den Fluss überqueren wollen, treffen wir auf eine Herde Elefanten links und rechts vom Weg. Um diese nicht zu stören und keine Gefahr zu provozieren, weil wir die Herde trennen, wählen wir einen anderen Rückweg. Der Jeep hinter uns ist nicht so rücksichtsvoll und Minuten später hört man lautes Trompeten durch die Nacht. Das hätte nicht sein müssen, aber nicht jeder Guide verhält sich den Tieren gegenüber höflich. Ich bin froh, dass Peter es getan hat.

In der Lodge angekommen, nehmen wir traditionsgemäß eine kurze Dusche und lassen uns beim letzten Dinner im Klein's Camp verwöhnen. Den Absacker in Form eines Jameson Whisky nehmen wir in der Bar und plaudern ein bisschen mit Burghard und Judith, die unseren Schilde-
rungen vom Gorilla Trekking aufmerksam zuhören. Beide scheinen sehr weitgereist, aber zum ausgiebigen Klönen bleibt keine Zeit, denn sie haben sich mit ihrem Guide um sechs Uhr morgens verabredet und beschließen schlafen zu gehen. Wir setzen uns ans große offene Fenster und schauen in den Sternenhimmel, der die Nacht erhellt. Mal sehen was uns der nächste Tag bringt.


Ankunft im afrikanischen Traum
- Sonntag, 11. November 2007
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Da wir keine Ausfahrt haben, schlafen wir bis halb acht und packen gemütlich unsere Sachen. Nach einem kurzen Frühstück heißt es Abschied nehmen und wir schütteln viele Hände.

Wir finden es ein wenig schade, dass wir weg müssen, freuen uns aber auch schon auf die nächste Station. Unser zahlreiches Gepäck wird verstaut und gemeinsam mit einem Schweizer Ehepaar machen wir uns auf den Weg zum Flughafen. Der Guide fährt gemütlich und wir haben Zeit, die Landschaft zu betrachten.

Kurz vor dem Rollfeld bringt er uns zu einem Straußennest. Drei Eier liegen noch darin, eines davon hat das Küken bereits begonnen zu öffnen. Wir hören es leise fiepen und nach seiner Mutter rufen. Der Guide erklärt, dass es ruft, damit die Mutter kommt und nach dem Schlüpfen wärmt, damit es nicht vor Kälte stirbt. Aber sie wird nicht kommen, denn die Familie hat das Nest mit 11 anderen Küken bereits verlassen. Auf die Frage, was aus dem Küken wird, antwortet er "Jackos Food" - Schakal-Futter. Auch das ist Afrika.

Ich bin froh, als wir zum Flugfeld weiterfahren und das Flugzeug auch bald landet. Typisch Europäer möchte ich mit den grausamen Seiten der Natur nicht konfrontiert werden.

Die Coastal Aviation landet, es ist der Pilot, der uns drei Tage zuvor hier abgesetzt hat. Wir checken ein und verlassen das Klein's Camp und Serengeti. Unter uns zieht die Landschaft vorbei und ich bewundere wieder einmal die vielen Spielarten des Landes Afrika. Nach einer kurzen Zwischenlandung und dem Boarding dreier weiterer Passagiere geht es weiter in Richtung unseres nächsten Zieles. Dieses dürfen wir zunächst aus der Luft beobachten. Riesig liegt der Ngorongoro Krater unter uns, durchzogen mit grün und gelb, dazu ein großer See.

Nach der Landung am Lake Manyara werden wir von David unserem Guide von Renaissance Photographic Safaris abgeholt. Er bringt uns in die Lodge. Wir fahren den Berg hinauf und David erzählt uns viel über Land und Leute. Und vor allem - er sagt uns, dass wir morgen seine einzigen Gäste sind und selbst bestimmen dürfen, wann wir losfahren, wie lange wir bleiben und was wir suchen. Traumhaft! Wir fahren zwischen Feldern hindurch den Berg hinauf und stauben langsam mit der roten Erde ein, die nicht nur das Land zwischen den Büschen bedeckt, sondern aus der auch die Straßen gemacht sind.

Ziemlich weit nach oben geht es, die Fahrt dauert fast zwei Stunden, aber der erste Blick auf die Lodge zeigt, dass sich die Anstrengung lohnt.

Klein erscheinende, traditionell mit Palmenblättern gedeckte Hütten, stehen nebeneinander am Rand des Kraters. Und über diese Hütten hinweg offenbart sich der Ngorongoro Krater mit einem atemberauben-
den Blick. Zu unseren Füßen liegt ein weites goldenes Land mit grünen Flecken darin und einem riesigen See.

Wir kommen kaum dazu den Anblick zu genießen, da werden wir bereits vom Lodge Manager und vier Leuten Personal herzlich begrüßt. Man reicht uns Tücher zur Erfrischung und einen Drink.

Aisha, unser Zimmermädchen und Remingi, unser Butler bringen das Gepäck in unser Zimmer (Nummer 7) während wir dem Lodge Manager folgen und den Check-in machen. Die Bar, in der wir einchecken, ist ein dekadenter Traum im Stil jenseits von Afrika. Große Sofas, Kronleuchter, eine wohlgefüllte Bar, Teppiche, Schnitzereien und Metallapplikationen an den Wänden. Genauso sieht das Speisezimmer aus, in das wir von hier aus schauen können.

Das ganze wird jedoch noch von dem Zimmer, nein unserem kleinen Palast, getoppt! Auf 50 bis 60 qm erwarten uns ein Kamin mit Feuerholz, ein riesiges Bett, kleine Tischchen, auf denen Süßigkeiten und Sherry stehen und eine kleine Terrasse. Das Ganze wird durch das perfekte Bad vervollkommnet.

Eine frei stehende Badewanne, daneben eine riesige offene Dusche, zwei in Nischen getrennt stehende Waschtische und ein kleiner Erker nur für die Toilette. Wir verbringen den Nachmittag mit Nichtstun, Essen, Trinken, Baden und Genießen.

Vor dem Abendessen gibt´s den traditionellen Gin Tonic und dann schwelgen wir in Genüssen. Leider nicht lange, denn mein Magen spielt nur noch bis zum Hauptgang mit, dann muss ich mich legen, weil mir mal wieder schlecht ist (sch... Malaria Tabletten).

Zurück im Zimmer ist das Feuer angezündet, das Bett mit Heizdecken gewärmt und dem Schlaf steht trotz leichter Übelkeit nichts mehr im Wege.

Ngorongoro-Crater
- Montag, 12. November 2007 -
Der nächste Morgen startet mit einem kurzen Müsli Frühstück (vorab mit Magentropfen). Fast pünktlich stehen wir bei David und rattern los Rich-
tung Krater. An dem Schlagbaum, der die Grenze markiert, ignorieren wir die dringenden Wünsche von ein paar Maasai uns doch ein paar Schmuckstücke aufzuschwatzen und freuen uns, als David mit uns den fürchterlich steilen Weg in den Krater runterfährt.

Und dort komplettieren wir - zumindest fast - die Reihe der Tiere, die wir sehen wollten.

Gefleckte Hyänen liegen in einem Rudel von zwölf an einem fast trocke-
nen Soda See und dösen in der Sonne. Schakale laufen zwischen Büffel-
herden herum oder trippeln an kleinen Antilopen vorbei, die das aller-
dings nicht beeindruckt. Endlich können wir Warzenschweine mal von vorne sehen, denn scheu sind sie hier nicht.

Ebenso wenig wie die Zebras, die wir vom Auto aus fast streicheln kön-
nen. Ein paar Elefantenbullen kreuzen unseren Weg, nicht viele, denn hier gibt es fast kein Futter für sie, ebenso wenig für Giraffen, die ganz fehlen. Löwen sehen wir auch nur vereinzelt. Ein Honeymoon Löwenpaar zeigt uns, was ein Quicky wirklich ist. Aufstehen - Schwanz hochstrecken von Seiten der Dame - kurzes 3 sekündiges Einreiten von Seiten des Herrn, der sich sodann erschöpft zur Seite fallen lässt.

Wir sehen einen "Pool", einen kleinen See voll mit Hippos, die Blubber-
blasen beim Atmen aufsteigen lassen und ab und an dunkle grunzende Geräusche von sich geben.

Hunderte Flamingos säumen den See und wir sehen viele andere wunderschöne Vögel. Strauße laufen durch die Steppe und Sekretäre drehen uns den Rücken zu.

Nur die 14 Rhinos, die noch dort unten leben, zeigen sich nicht. Aber das macht nichts, wir sehen auch so genug und verleben einen wunder-
schönen Tag.

Das Mittagessen, basic aber lecker, nehmen wir an einem See ein, in dem weitere Hippos ruhen.

Wir fahren weiter und finden Baby-Warzenschweine, stellen uns den Gnus in den Weg, beobachten die Zebras beim Spielen und vieles vieles mehr. Die ganzen Eindrücke sind kaum fassbar. Nach fast acht Stunden verlassen wir den Krater und freuen uns darauf, uns den Staub von der Haut zu waschen.

Uns erwartet ein Bad mit Rosenblüten - ein afrikanischer Traum, wahrhaft

Der letzte Safari Tag über Wasser - mal sehen was uns danach erwartet.
Der Abend senkt sich über den Ngorongoro Krater und die ersten Zebras und Büffel treffen im Gelände der Lodge ein, um Sicherheit vor den Löwen zu suchen. Von unserer Terrasse aus könnten wir den Zebras fast den Rücken streicheln. Sie stehen in der Dämmerung und grasen vor unserem Zimmer, während wir uns für das letzte Dinner umziehen.

Ein Maasai Krieger geleitet uns zum Speisesaal und wir genießen - wie jeden Abend - ein Vier-Gänge-Menü und freuen uns auf den nächsten Tag. Wir gehen früh schlafen, denn aufstehen ist angesagt für acht Uhr am nächsten Morgen.

Ankunft in Mafia Island
- Dienstag, 13. November 2007
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Unser Tag der Weiterreise beginnt wie immer - schnell aufstehen, duschen, packen, frühstücken. Time to say good bye. Aisha, unser Zimmermädchen bringt unser Gepäck zum Jeep, in dem David schon auf uns wartet. Nach einer kurzen Verabschiedung machen wir uns auf den langen Weg nach Mafia Island.

Über die Holperwege, die wir schon kennen, bringt uns David nach Manyara und versäumt es nicht, uns noch kurz in einem Gift-Shop seiner Wahl abzusetzen. Dort gibt es vieles, was uns gefällt, aber leider das meiste aus Ebenholz (was man ja nach Empfehlung von CCAfrika nicht kaufen soll, weil die Ressourcen bald erschöpft sind und das Holz nur sehr sehr langsam nachwächst). Also verlassen wir unverrichteter Dinge den Laden und lassen uns am "Flughafen" absetzen.

Hier lernen wir im Wartehäuschen einen grauhaarigen Fokuhila-Träger im Alter von ca. 50 Jahren kennen, der auf Grund Sonnenbräune und Gebaren offensichtlich ortskundig ist und - Gott sei Dank - den selben Weg hat wie wir. Ihm laufen wir ab jetzt recht unauffällig hinterher, denn der weiß wohl wie das geht mit der Wegstrecke Richtung Mafia.

Wir besteigen also einen dieser 12-Personen-Grashüpfer der Coastal Airlines und beginnen damit das Afrika-Hopping des Tages. Von Manyara nach Arusha, Flugzeit 35 Minuten. Kurze Zwischenlandung, sitzen bleiben, ein paar Leute steigen aus, ein paar Leute steigen ein und weiter nach Zanzibar, eine Stunde, 30 Minuten Flugzeit.

In Zanzibar aussteigen, der nette afrikanische Lebenskünstler weist das Flughafenpersonal an auch unser Gepäck vollständig mitzunehmen und wir tippeln stante pede ins nächste Flugzeug. Jetzt geht's mit dem nächsten Grashüpfer nach Dar es Salam, also quasi ein Stück rückwärts. Kostet uns nur knapp 1 Stunde 45 Minuten und der Pilot legt den tollsten Touch-down des Tages aufs Rollfeld, dachten wir. Raus aus dem Flugzeug, rein in die Wartebaracke. An einem uralten Tresen steht irgendwas von check-in und tatsächlich auf einer der Listen stehen unsere Namen. Wir überlegen grad noch, ob wir vielleicht was zu trinken brauchen, da ruft schon einer den Flug nach Mafia auf.

Wir sind ja auch erst sechs Stunden unterwegs und fliegen im Zickzack durch den afrikanischen Himmel. Hunger und Durst sind uns fremd. Kaum vierzig Minuten später prallen wir auf die Erde in Mafia Island. Dort wartet man bereits auf uns. Und nicht nur auf uns, sondern auch auf die Vorräte für die nächste Woche, weswegen unser Gepäck auch aufs Dach kommt und Körbeweise Essen in den Kofferraum.

Wir holpern zwanzig Minuten über staubige Straßen an Hütten und Baracken vorbei, bevor wir in der Kinasi Lodge ankommen. Dort werden wir von den Eigentümern oder Managern, einer italienischen Dame namens Anna und dem dazu gehörenden Herrn begrüßt und über den Alltag in Mafia aufgeklärt. Der besteht - wie sich heraus stellen wird für uns die nächsten fünf Tage aus Essen, Schlafen und Tauchen. Jippieh - es gibt ein Paradies auf Erden.

Die Lodge besteht aus zehn Pavillons die in einem Palmengarten direkt am Meer stehen und wunderschön aussehen. Unser Zimmerchen ist die Nummer 1 und besteht aus einem großen Schlafzimmer mit Doppelbett unter Moskito-Netz-Himmel, einem Badezimmer mit Messingwasch-
becken, einer gemauerten Dusche und einer Toilette im Eck und einer Terrasse mit Hängematte.

Das Essen ist gut, leider sehr italienisch geprägt, so dass von unserer Hoffnung hauptsächlich regionales Seafood zu bekommen, nicht allzu viel übrig bleibt. Mir steht eh der Sinn nach all den Leckereien nicht mehr nach vier Gänge Menüs, so dass ich bei jedem Essen mindestens einen Gang auslasse. Das wird bis zum Rest des Urlaubs auch so bleiben.

Wir beenden den Abend früh mit einem letzten Blick über die Bucht am Indischen Ozean.

Tiere über und unter Wasser
- Mittwoch, 14. November 2007 -

Kaum aufgestanden und schlaftrunken ins Bad gestolpert habe ich auch schon den ersten Tierkontakt. Eine Eidechse von der Größe eines kleinen Dackels hat unser Bad in Beschlag genommen und ist genauso ge-
schockt wie ich von der frühen Begegnung. Während sie in hektischem Hin und Her alle Fläschchen vom Waschtisch runterfegt, überlege ich mir, wie ich sie ohne Schaden - und zwar für das Viech und mich - aus dem Zimmer bugsieren kann. Anfassen kommt nicht in Frage, die ist mir zu hektisch und ich hab keine Ahnung ob die Biester Zähne haben. Tothauen geht gar nicht, erstens ist kein Schlappen groß genug und zweitens ist sie eigentlich ja ganz niedlich. Na ja, zumindest, wenn sie nicht in unserem Badezimmer Chaos anrichtet. Jörg kommt auf die beste Idee - er fragt jemand der sich damit auskennt. Sprich, ein Hausangestellter kommt mit Besen und fegt sie vorsichtig raus. Der erste Schock des Tages ist also erfolgreich überstanden.

Doch mit dem Tauchen folgt sogleich der zweite Schock. Bis jetzt waren ja alle Leute, die wir trafen immer recht freundlich bis herzlich.
Der Tauchguide Audie jedoch scheint ein grandioser Arsch zu sein. Er ist wortkarg, unfreundlich und noch nicht mal höflich. Seine drei Sätze kommen genuschelt und wir denken uns "das mag ja was werden". Wir fahren mit einem Dhow raus, einer kleinen Holzschaluppe, welches die Einheimischen zum Fischen benutzen. Wir müssen schnell feststellen, dass der Komfort, den wir bisher gewöhnt waren, nicht zu erwarten ist. Dafür fahren wir nur eine halbe Stunde und die beiden Bootsleute (die Audie ziemlich schlecht behandelt) sind nett und helfen uns beim aufrödeln und anziehen.

Am Tauchplatz Coral Garden geht's mit der ersten Rolle rückwärts über die Bootswand schnell runter auf zwölf Meter und jetzt beginnt der schöne Teil.

Hunderte und Tausende von Fischen warten auf uns. Muränen verschie-
denster Größe, Stachelrochen, kleine Nacktschnecken, Papageienfische und vieles vieles mehr.

Ein beeindruckendes Gewusel von Fischen und anderem Getier, Korallen
Blöcken und Pflanzen. Hier schieße ich auch meine ersten Unterwasser-
fotos mit der Kamera, die ich von Jörg zum Geburtstag bekommen habe und freu mich, dass ich nicht nur Erinnerungen, sondern auch Bilder mit an die Oberfläche bringen kann.

Da wir keine Luft teilen dürfen endet der Tauchgang recht schnell und wir fahren voll von ersten Eindrücken zurück in die Lodge.

Nach Lunch und Ausruhen fahren wir am Nachmittag das zweite Mal raus. Diesmal zur Kinasi Wall. Und hier passierts. Die Strömung ist so stark, dass ich es nicht schaffe, bei Audie und Jörg zu bleiben und voller Panik gegen das Meer ankämpfe. Die Luft wird knapp vor lauter Anstrengung und nur mit Jörgs Hilfe, der direkt auf ein Zeichen bei mir ist, schaffe ich es, die Hysterie zu unterdrücken und halbwegs langsam wieder nach oben aufzusteigen. Ich mag nicht mehr runter und wir brechen den Tauchgang ab. Audie, der immer noch wortkarg ist, schüttelt den Kopf und versteht gar nicht, was mir so schlimm erscheint an der Strömung. Ich kanns ja selbst nicht erklären, aber ich mache ihm deutlich, dass ich hier nicht tauchen will und er uns einen vor der Strömung geschützteren Platz suchen soll. Das tut er, wenn auch unwillig und es geht zurück nach Coral Garden. Dort lässt er ankern und ich kann am Seil runtersteigen. Nach anfänglichem Unwohlsein schaffe ich es meine Angst zu bekämpfen und freue mich über die tolle Unterwasserwelt.

Die Rückfahrt verläuft trotzdem recht ruhig und Audie quetscht nur noch ein paar Sätze durch die Zähne. Wenn der sich morgen nicht benimmt, fahren wir in die andere Tauschule. Also - Dinner, Gin Tonic in der Bar und ich mache den Fehler, Jörg Schach beizubringen. Endet damit, dass ich zwei mal gewinne und er zwei mal. Grummel.

Fischsuppe
- Donnerstag, 15. Nov. 2007 -
- bis Samstag, 17. Nov. 2007 -

Der nächste Morgen beginnt früh. Um den Gezeiten Rechnung zu tragen, fahren wir schon um halb sieben raus. Und ein Wunder geschieht. Der Motzkopf Audie taut auf, beginnt ein bisschen zu erzählen und ist - kaum zu glauben - fast sympatisch.

Zudem zeigt er uns wieder einmal wundervolle Tauchplätze und wir genießen beide Tauchgänge dieses Tages sehr.

Wir tauchen mit Schildkröten, ich fotografiere Muränenzähne in Großaufnahme, wir lassen Schnecken durchs Wasser fliegen und wissen vor lauter Fischsuppe gar nicht, wo wir hinschauen sollen.

Die stille Welt unter Wasser kann ich nicht beschreiben, man muss sie erleben. Ein Traum aus Schwerelosigkeit, neugierig beäugt von Wesen, die so ganz anders leben als wir und in deren Welt wir Gast sein dürfen, so lange unsere Luft reicht zumindest. Kaum ein Taucher begegnet uns im blau und die Korallen sind kaum zerstört von Ankern und Seilen.

Große Schatten sehen wir nur selten im Blau, der ein oder andere Barra-
kuda zeigt sich. Doch auf Mafia lernen wir die kleinen Dinge finden und lieben. Mein Unterwasser-Fotoalbum füllt sich nach und nach und mit jeder Minute werden wir ein paar Erfahrungen reicher.

Die Tage werden einheitlich schön - wir werden faul und lassen unsere Zeit von Tauchen, Schlafen, Faulenzen, Spielen, Lesen und Essen bestimmen.

Mafia Island ist ein kleines Paradies, wenn man auf der Suche nach Ruhe und Fischen ist. Und genau diese beiden Dinge genießen wir nun bis Samstag.

Audie wird richtig nett und witzig, erklärt viele Dinge zum Fotografieren und verspricht uns, einen Film, den er über die Unterwasser-Welt in Mafia gedreht hat, zu kopieren.

Nach acht Tauchgängen vertrödeln wir jetzt unseren letzten Nachmittag und Abend in Kinasi Lodge mit seeligem Nichtstun.

Audie, unser Guide, setzt sich nach dem Essen noch zu uns und erzählt viel über sein Leben. Tauchen hat er erst 1994 gelernt. Davor war er - laut eigenen Aussagen recht erfolgreich im Marketing tätig. Er hatte wilde Partys mit Botschaftern, kann jede Alkohol-Sorte nur mit der Leber unter-
scheiden und hat vieles schon erlebt. Und so wild seine Geschichten auch klingen, irgendwie erscheinen sie uns alle wahr. Es mag am Gin Tonic liegen, am Rauschen des Meeres im Hintergrund oder daran, dass er einfach ein guter Geschichten-Erzähler ist.

Wir werden von ihm auf die Terrasse seines kleinen Bungalows einge-
laden und erzählen dort noch ein Weilchen weiter und vor allem hören gerne zu. Kurz nach Mitternacht lockt uns der Schlaf müde und zufrieden ins Bett. Morgen ist Abreisetag.

Rückreise, 24 h durch die halbe Welt
- Sonntag, 18. November 2007 -

Wir schlafen halbwegs aus. Kein Wecker lärmt zu früh. Dafür machen die Rabenvögel, die sich Baumaterial fürs Nest aus unserem Dach klauen, einen Riesenradau. Wir duschen und packen die Kleider ein. Dann gehen wir runter zum Dive Center, um unsere von Audies Mitarbeitern bereits gespülten Tauchsachen abzuholen.

Nach dem Frühstück trödeln wir noch ein bisschen rum, begleichen die Rechnung, reden ein bisschen mit den Managern. Dann taucht Audie auf und gibt uns seine Dive CD, die wir am ersten Abend gemeinsam angeschaut haben. Eigentlich wollte er uns noch eine neue Version brennen, mit Fotos von gemeinsamen Tauchgängen, aber sein PC tut es nicht richtig. Wir tauschen Adressen aus und hoffen, dass er sein Wort hält uns die anderen Bilder nachsendet.

Dann geht es nach einer kurzen, herzlichen Verabschiedung auf den langen Rückweg nach Deutschland. Teils traurig, weil wir noch bleiben möchten, teils glücklich, weil wir uns auf zu Hause freuen.

Wir werden zum Flughafen in die Wartelounge gebracht. Sprich eine mit Ventilatoren und grünen alten Sofas vollgestopfte Steinbaracke.

Dort sehen wir unser Flugzeug landen, welches nur exakt die fünf Leute mitnehmen kann, die auch einsteigen.

Der Pilot erscheint so jung, dass er bei uns noch nicht mal Mofa fahren dürfte. Na gut - in Afrika ist alles anders. Unsere Taschen werden irgendwie verladen, ich guck sicherheitshalber schon gar nicht hin und wir quetschen uns in die Sardinenbüchse mit Propeller. Die spotzt und gluckert zwar ein bisschen, springt aber an und nach einem kurzen Anlauf auf der Sandpiste hüpft sie in den Himmel und bleibt Gottseidank auch oben.

Nach vierzig Minuten landen wir auf dem nationalen Flughafen in Dar es Salaam, den wir schon kennen und werden inklusive Gepäck per Taxi in den internationalen Flughafen zwei Straßen weiter verfrachtet. Dort lädt man uns samt des kompletten Gepäcks in einem Kaffee im ersten Stock ab, wo wir die nächsten drei Stunden mit Warten, Essen und Bilderschauen verbringen.

Gegen drei Uhr checken wir unser Gepäck ein und kaum weitere drei Stunden später geht es nach Addis Abbeba.

Dort brauchen wir uns nicht mehr ums Gepäck zu kümmern, das ist durchgecheckt bis Frankfurt. Und auch die Bordkarten fürs Flugzeug haben wir in Dar schon bekommen. So langweilen wir uns weitere vier Stunden, freuen uns das keiner Schilder aufstellt, an welches Gate man muss und lernen einiges über afrikanisches Englisch (das versteht man nämlich nicht, wenn es per Lautsprecher als Durchsage durch den Flughafen quäkt) und Gemütlichkeit.

Ziemlich kaputt steigen wir in die Maschine nach Frankfurt und verschlafen fast den kompletten Flug. Nach dem Aussteigen wanken wir Richtung Gepäckausgabe. Damit wir unsere afrikanisch verträumte Lebensart nicht direkt vergessen, stoppt irgendwann das Band und wir stehen dumm in der Gegend rum und warten auf die letzten beiden Gepäckstücke. Nachdem wir uns mit vielen Leuten, die alle dort arbeiten und keiner zuständig ist, lange gezankt haben, dürfen wir eine Vermisst-Anzeige für den Koffer und die Tasche aufgeben. Just in dem Moment, als diese fertig ist, läuft das Band weiter und spuckt unsere Sachen aus. Jörg schäumt vor sich hin und seine Laune wird auch nicht besser, als wir in der lauschigen Temperatur von 5 Grad Celsius zwanzig Minuten vor dem Flughafengebäude auf den Shuttlebus warten. Der bringt uns zum Auto, an dem die Scheiben eingefroren sind. Willkommen in Deutschland.

In der aufgehenden Sonne fahren wir zurück nach Sessenbach. Stille liegt zwischen uns und wir vergessen die anstrengende Rückfahrt schon ein bisschen und lassen unseren Urlaub - jeder für sich - ein bisschen Revue passieren. Es ist wie immer direkt nach einer Reise. Wir sind ein bisschen traurig, dass sie rum ist und ein bisschen froh, dass wir zurück sind. Und vor allem sind wir zurückgekehrt mit viel Sonne im Herzen und einem Sack voll Erinnerungen an wundervolle 13 Tage in Afrika ...



... und dem festen Vorsatz:

Wir kommen wieder !!!

Daniela und Jörg Seegardel

geschrieben am 18.04.2011 um 22:03 Uhr.