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Campberichte 2013

Schlafen Löwen nachts?
Manchmal. Aber nicht im Dete Vlei, einem flachen Tal am Rand des Hwange Nationalparks. Kürzlich sind zwei männliche Löwen neu zugewandert, haben sich getrennt und rufen nun die ganze Nacht nach einander.

Das tiefe Grollen sorgt für angenehmes Nackenprickeln bei den Gästen, die am Lagerfeuer der Sable Sands Lodge den Sternenhimmel genießen.

Orion, der große Jäger am Nachthimmel, scheint zum Greifen nahe. Mit dem Teleskop schauen wir uns die Mondkrater und nahe und ferne Gestirne an.

Kurz nach sechs Uhr morgens fotografiere ich den Dunst, der vom Vlei aufsteigt. Wie Perlen an einer Kette sind die Wasserlöcher aufgereiht, die die Tiere zum Trinken aus dem Busch locken und für diese ganz besondere Morgenstimmung sorgen. Nach und nach durchdringen die ersten Sonnenstrahlen die weißen Schwaden; die Nacht fließt in den Tag und der Busch duftet wie parfümiert.

Ich überlege mir, ob ich noch ein Nickerchen machen soll, doch Brian, der Lodge-Manager, wirft den Land Cruiser an. „Komm. Wir schauen nach, was dort draußen los ist“, sagt er.

Brian und Marleen Sabeta haben viel zu tun. Aber für Löwen und die anderen Tiere im Vlei haben sie immer Zeit.

Auf einer unbefestigten Straße fahren wir parallel zum Vlei nach Osten. Und nach knapp vier Kilometern sehen wir ihn: Einen kampferprobten älteren männlichen Löwen, der an einem großen Wasserloch die ersten Sonnenstrahlen genießt. Sein Fell schimmert golden im Morgenlicht, aber noch ist er nicht daran gewöhnt, dass Fahrzeuge in seiner Nähe anhalten und Menschen ihn bewundern. Er streckt sich nach Katzenart, dann geht er davon.

 

Marleen hatte mich am Vortag von der Bushaltestelle an der Hwange Safari Lodge abgeholt. Auf dem Weg zur Sable Sands Lodge beobachteten wir an einem Wasserloch eine Schakal-Familie mit zwei beinahe erwachsenen  aber noch sehr verspielten Jungen. Später am Abend hörten wir die Schakale kläffen und singen.

 

Die Sable Sands Lodge mit ihrem Blick auf das Vlei schmiegt sich an den Rand eines Waldes voller uralter Teakbäume und knorriger Akazien. Hier verschmelzen die Weiten der Savanne mit fast undurchdringlichem Buschland. Kein Zaun hält die Tiere von der Lodge fern oder die Gäste davon ab, auf das Vlei hinaus zu spazieren und vielleicht als Löwen-Snack zu enden. Auch deshalb fühlt man sich in Sable Sands sehr schnell als Teil dieser wilden Welt.

Die neuen Manager bauen hier nicht nur eine Lodge wieder auf (von der viele glaubten, sie sei nicht mehr zu retten!), sie leben einen Traum und lassen ihre Gäste daran teilhaben. Die Hälfte der Zimmer ist fertiggestellt, und seit Dezember läuft der Gastbetrieb. In ein paar Monaten wird die Lodge viel mehr sein als eines der vielen schönen aber austauschbaren Buschhotels in einer faszinierenden afrikanischen Landschaft. Liebevolle Details und eine sehr persönliche Note machen sie schon jetzt zu einer ganz besonderen Unterkunft mitten in der Natur.

Dazu trägt auch das Essen bei: Hier wird mit Fantasie, ungewöhnlichen Zutaten und Gewürzen gekocht. Langeweile kommt bei dieser Kost weder bei Vegetariern noch bei Fleisch-Liebhabern auf.

 

Dabei ist es eine riesige Herausforderung, den Wiederaufbau nachhaltig zu gestalten, und es gibt keinen nahegelegenen Baumarkt, bei dem man kurz ein Paket Nägel oder ein paar neue Werkzeuge besorgen kann.

Verbaut werden vor allem Materialien, die sich vor Ort finden.  Die  meisten Arbeiten werden von Handwerkern aus der näheren Umgebung ausgeführt. Für die Holzfeuer, mit denen noch das Wasser gewärmt wird, wird nur Totholz gesammelt und kein Baum gefällt. Solarlampen sorgen für Licht auf den Pfaden und in den Zimmern.

Künstlich angelegte Rasenflächen, die ständig bewässert werden müssen, sucht man in Sable Sands vergeblich. Die Lodge liegt mitten im Busch, und die Manager versuchen, den Gastbetrieb so umweltverträglich und naturnahe wie möglich zu gestalten.

Das kunstvolle Reetdach des Hauptgebäudes mit dem Essbereich war eines der ersten Projekte, die fertiggestellt wurden. Es schützt vor Sonne, Regen und Wind, ohne den Blick auf den Wald und das Vlei zu verstellen.

Die Gäste schlafen in grasgedeckten Rundhütten, die an traditionelle afrikanische Behausungen erinnern, aber mit den Annehmlichkeiten unserer modernen Zeit ausgestattet sind. Unaufdringlicher Luxus mitten in der Wildnis.

Auf dem Lodge-Gelände findet  jeder schnell seinen persönlichen Lieblingsplatz: Hoch oben auf dem Balkon unter dem Dach des Hauptgebäudes oder in einer Hängematte am Waldrand mit Blick auf ein Wasserloch. Auf hölzernen afrikanischen Feierabendstühlen in einer Baumgruppe oder auf den Kissen einer der luftigen Sitzgruppen.

Die ruhige, friedliche Atmosphäre wäre sicher ideal für Yoga-Workshops. Paare können hier ein romantisches Wochenende verbringen und Familien fühlen sich in Sable Sands wohl, weil die Kinder im Pool spielen und gleichzeitig in  dieser authentischen aber doch geschützten Umgebung erste Buscherfahrung sammeln können.

Million serviert nach unserer spontanen Pirschfahrt den Kaffee. Er sieht, wie ich unzählige Fotos von der umgebenden Landschaft schieße. „Sie ist eine von denen, die vom Busch einfach nicht genug kriegen können“, scheint er sich zu denken und stellt mir einen Tisch ins Freie, damit ich den Rundumblick genießen kann. Ohne ein Wort zu sagen, gibt er mir damit das Gefühl, Teil der Sable Sands Familie zu sein.

PS.: Eigentlich dachte ich, Sable Sands sei nur ein schöner Name. Aber am Nachmittag zog eine Gruppe Säbelantilopen mit eindrucksvoll geschwungenen Hörnern über das Vlei und verbrachte ein paar Stunden grasend und dösend am nahen Wasserloch.

Text: Usch Pilz

geschrieben am 18.04.2013 um 22:26 Uhr.