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Reiseberichte 2011
von Patrick O'Brien
Head Ranger im Kings Camp, Timbavati Private Game Reserve

Im Februar gab es wieder phantastische Tierbeobachtungen, insbesondere eine Löwin mit ihren Welpen.

Elefantenherden scheinen sich mehr in der Gegend aufzuhalten, was es für Pirschfahrten einfacher macht. Wenn sie sich schon nicht im Camp aufhalten, braucht man nur eine kurze Strecke am Nharalumi River entlang zu fahren, um sie zu sehen.

Löwin mit Welpe, Kings Camp, Timbavati Game Reserve
Zu Beginn des Monats waren ausschließlich Herden von männlichen Büffeln zu sehen, aber in der zweiten Hälfte des Monats kehrten die größeren Herden zurück. Es gab mehrere Leopardenkills und das Kubasa Löwenrudel ist nach einigen Wochen wieder zurückgekehrt. Ich habe einige der bemerkenswertesten Sichtungen meiner 13jährigen Karriere als Guide im Bush erlebt. Ich war zufälligerweise zur richtigen Zeit am richtigen Ort und konnte beobachten und fotografieren, wie eine Löwin ihren Nachwuchs in ein Versteck brachte. Dazu nahm die Löwenmutter die Jungen nacheinander am Genick und brachte die Babys in ein neues Versteck. Der "Umzug" der vier Löwenbabys von der Geburtsstätte ins neue  Versteck dauerte über eine Stunde.

Mehrere Male im Februar wurden zwei der am stärksten bedrohten Tierarten, nämlich Wildhunde und Geparden, gesichtet.

Löwen
Ich muss sage, dass ich es als großes Glück ansehe als Guide im Timbavati Private Game Reserve arbeiten zu können, denn ich habe in diesen Jahren einige der bemerkenswertesten und außergewöhnlichsten Tiersichtungen und Ereignisse erlebt. Mit meiner Kamera gelang es mir einige dieser Momente festzuhalten; es ist für mich eine Ehre, diese Moment mit Ihnen teilen zu dürfen.

Löwin mit Welpe, Kings Camp, Timbavati Game Reserve

Eines der ganz besonderen Erlebnisse, an das ich mich ganz bestimmt lange Zeit erinnern werde, betrifft die Löwin des Machattan Rudels und ihr Wurf von fünf Babys. Direkt vor meinen Augen brachte die Löwenmutter ihre fünf Jungen in eine neues Versteck. Meine Kamera war bereit und ich konnte sofort fotografieren, um diesen wunderbaren Moment festzuhalten. Natürlich ist bei einer solchen Tierbeobachtung immer eine Menge Zurückhaltung und Rücksichtnahme notwendig, um die Löwen und die Welpen nicht zu stören. Und selbstverständlich gehört eine Menge Glück dazu, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein.

So ergab es sich: Ich war auf einer normalen Pirschfahrt in südlicher Richtung mit der Absicht, einige Zeit lang eine der hier lebenden Löwinnen des Machattan Rudels zu beobachten. Ich wusste, dass eine Löwin gerade geworfen hatte, aber niemand wusste, wie viele Welpen es waren und wo die Löwin sie versteckt hatte. Das Glück war auf meiner Seite, denn einer der Guides meldete über Funk, dass die Löwin nahe an einem Flussbett im Schatten eines großen Baumes gesichtet worden war. Das war die Gelegenheit, auf die ich gewartet hatte. Ich bin sofort dorthin gefahren und es gelang Albert und mir, die Löwin an genau der beschriebenen Stelle zu finden. Obgleich die Welpen zu diesem Zeitpunkt nicht zu sehen waren, fühlte ich doch instinktiv, dass sie in der Nähe versteckt im dichten Unterholz sein mussten.  Ich flüsterte meinen Gästen zu, dass wir nun mucksmäuschenstill sein und vor allem WARTEN müssten. Meine Gäste waren genauso gespannt wie ich.

Löwin mit Welpen, Kings Camp, Timbavati Game Reserve
Nachdem wir, wie es uns schien, eine Ewigkeit unter der heißen afrikanischen Sonne gewartet hatten, hob die Löwin ihren Kopf - wir hielten gespannt die Luft an - und … ließ ihn wieder fallen und schlief weiter. Scheibenkleister! Ich spürte, dass die Gäste unruhig zu werden begannen und musste sie deshalb bei Laune halte. Ich erzählte ihnen alles über die Löwin und die Schwierigkeiten und Gefahren für eine Löwenmutter im Busch, erzählte ihnen, wie schwierig es für eine Löwin ist, ihre Jungen in einer gefährlichen Umgebung am Leben zu halten. Meine Erzählung schien die Gäste bei Laune zu haltenund im Nu waren 45 Minuten vergangen. Und dann GESCHAH ES…
Die Löwin erhob sich elegant und schlenderte langsam in unsere Richtung. Ihre offensichtliche Absicht, zu uns im geparkten Fahrzeug zu kommen, machte mich schon ein bisschen nervös, aber ich beobachtete sie genau, um abschätzen zu können, wann es Zeit sein würde, ihr den Weg frei zu machen. Auch die Gäste saßen regungslos und so still im Fahrzeug, dass man den Fall einer Stecknadel hätte hören können. Die Löwin ging wenige Zentimeter entfernt am Fahrzeug vorbei und verschwand im Gebüsch am Flussufer. Sekunden später war das hohe Jaulen eines Löwenwelpen aus dem Dickicht hinter dem Fahrzeug zu hören.
"Das kann doch gar nicht sein", sagte ich zu meinen Gästen. Die Welpen hatten die ganze Zeit über direkt hinter uns im Dickicht geschlafen. Ich konnte mir das richtig vorstellen: Mammi hatte uns als Babysitter betrachtet. Während sie ein Nickerchen machte, schützten wir ja ihre Welpen vor allen Gefahren.

Einige Augenblicke später tauchte die Löwin wieder auf. Sie trug einen der Welpen im Maul. Das kleine Bündel aus Fell, dessen Augen sich gerade zu öffnen begannen - in den ersten Lebenswochen sind die Welpen noch blind - wurde zwei Meter vom Fahrzeug entfernt vorbei getragen. Ich kriegte richtige Gänsehaut, obwohl es über 33 Grad heiß war. Meine Gefühle überwältigten mich fast, denn dies war ein Augenblick, den man wohl nur ein einziges Mal in seinem Leben erlebt!
Die Löwin brachte vier weitere Welpen ins neue Versteck, und wir konnten alles beobachten.

Löwin mit Welpen, Kings Camp, Timbavati Game Reserve

Wir hatten kaum  die Löwin verlassen, als wir auch schon eine weitere fantastische Sichtung erlebten. Die etwas älteren Welpen einer anderen Löwin des Rudels tauchten aus dem Busch auf. Und dann tauchte zur Krönung des ganzen einige Minuten später sogar noch die Löwenmutter auf. Die Jungen konnten ihre Mutter nicht einen Moment alleine lassen und zeigten ihr all ihre Liebe und Zuneigung. Diese Szene der gegenseitigen Zuneigung dauerte etwa eine halbe Stunde. Man wurde nicht müde, dabei zuzuschauen. Die Bilder können Ihnen hoffentlich einen kleinen Eindruck von dieser außergewöhnlichen Sichtung geben.

Ende Februar waren noch alle Jungtiere am Leben.

Leoparden
Unseren einheimischen Leopardinnen geht es gut, sie wurden häufig gesichtet.
Rockfig jnr und ihre Tochteer Tumble sind beide bei guter Gesundheit. Diese beiden wurden am häufigsten von allen im Jahre 2010 gesichtet. Tumble ist eine richtige Kämpferin und hat keine Probleme, für sich zu sorgen. Wie im letzten Wildlife Report bereits erwähnt, wird sie immer selbständiger. Allerdings jagt ihre Mutter immer noch für beide, wenn auch Tumble erste Jagdversuche in Abwesenheit ihrer Mutter unternimmt. Hunger ist halt ein großer Antrieb.

Wir hoffen, dass sich Tumble eines Tages, wenn sie ihre Mutter verlässt, ein Territorium in der Nähe sucht. Die meisten jungen Leoparden werden zwischen 18 und 22 Monaten völlig selbständig. Ich habe jedoch auch junge Leoparden gesehen, die bereits im Alter von 12 Monaten ihre Mutter verlassen haben und ihrer eigenen Wege gegangen sind, aber auch Leoparden, die im Alter von 32 Monaten immer noch, sozusagen, am Rockzipfel ihrer Mutter hingen. Tumble ist Ende Februar 15 Monate alt; ich nehme an, dass sie noch bis Ende des Jahres bei ihrer Mutter bleibt.
 
Dieser junge männliche Leopard Xinope-nope genannt ist ein prächtiges Tier. Er ist immer unglaublich entspannt, was bei männlichen Leoparden in der Wildnis recht ungewöhnlich ist.
Ich hoffe, dass er in unserem Gebiet bleibt und ein Territorium im Süden übernimmt, damit wir ihn noch viele Jahre lang sehen können.

Im Gegensatz zu Leopardinnen gewöhnen sich Leopardenmännchen nur schwer an Fahrzeuge. Xinope-nope ist jetzt 20 Monate alt und bereits größer als alle anderen weiblichen Tiere seiner Art im Timbavati Schutzgebiet. Er hat einen gedrungenen, kräftigen Körperund ein festes Gesicht und sieht immer so aus, als meine er es wirklich ernst. Wir nehmen an, dass er jetzt völlig unabhängig von seiner Mutter ist. Ich hoffe, dass der dominante Leopard in diesem Gebiet ihn nicht verjagt oder sogar zu töten versucht. Männliche Löwen sind äußerst aggressiv gegenüber anderen männlichen Löwen in ihren Territorium. Sie zögern nicht, einen Eindringling in ihr Territorium anzugreifen.

Gepard mit Beute, Kings Camp Timbavati Private Game Reserve

Geparde
Die drei weiblichen, als F8, F9 und F10 vom Forschungsteam im Timbavati bezeichneten  Geparden wurden mehrere Male im Februar gesichtet. Sie sind inzwischen fast erwachsen und ziemlich entspannt in der Gegenwart unserer Fahrzeuge. Ich hoffe, dass sie in den kommenden Monaten noch in unserem Gebiet bleiben.
Wir haben auch einen Kill von diesen drei Geparden gesehen. Sie haben über eine Stunde an der Beute gefressen.

Das ist alles für diesen Monat von Kings Camp.
Mit besten Grüßen

Patrick O'Brien
Head Guide im Kings Camp

Report by Patrick O’Brien Head Guide Kings Camp
Hier kommen Sie direkt zur Webseite von Patrick O'Brien mit vielen tollen Aufnahmen, die Sie auch erwerben können.

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geschrieben am 18.03.2011 um 11:23 Uhr.