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Reiseberichte 2014
Reisebericht von Daniela Seegardel

02.11.2014 - Reisetag

Der Abreisetag beginnt mit moderaten 14 Grad bei diesig grauem Wetter. Heute haben wir nur noch wenig auf dem Plan, was unbedingt erledigt werden müsste.

Daher gönnen wir uns ein wenig ausschlafen bis neun Uhr morgens. Jörg geht joggen, ich genieße einen ausgedehnten Spaziergang mit den Hunden. Danach Frühstück und packen. Die Klamotten liegen schon auf dem Bett. Dieses Mal müssen wir uns einschränken. Lediglich 20 kg Gepäck pro Nase in weichen Taschen ohne Gestänge und 8 kg Handgepäck sind erlaubt.

Erlebnisreise ins Okavango Delta, Botswana

Wir sind gut vorbereitet, haben wirklich nicht übertrieben. Jörgs Gepäck wiegt 16,5 kg, meines 17,8 (da passen dann schwupp noch zwei Kleider dabei). Nun wird noch ein bisschen was am PC gemacht. Den letzten Vor-Urlaubs-Spaziergang machen wir um vier gemeinsam und dann heißt es wieder: Afrika ruft.

Stubentiger Sally wird in den kommenden 16 Tagen das Haus hüten, gut versorgt von Tina. Die Hundis geben wir bei Gabi ab. Immer wieder ein komisches Gefühl sie allein zu lassen, obwohl wir alle drei in guten Händen wissen.

40 Minuten zu früh – gegen 18:05 Uhr – finden wir uns am Frankfurter Flughafen ein. Der Service von Parkmich nimmt das Auto entgegen und wir machen uns samt Gepäck auf zum Checkin. Der verläuft reibungslos und schnell. Bei der Kontrolle des Handgepäcks müssen wir durchs Drogenscreening. Diesmal nicht Jogi-Bär sondern Jörgs Teleobjektiv und mein Blitz von der Unterwasser-Kamera sind die suspekten Objekte.

Die Wartezeit vertreiben wir uns bei Burger, French Fries und Hühnerfrikassee (begleitet von Grauburgunder und Weizenbier) in einer halbwegs vernünftigen Futterbude am Flughafen.

Der Flug SA 261 startet pünktlich um 20:45 Uhr. Eine bequeme Zweierreihe mit recht viel Beinfreiheit für Economy Class lässt uns recht zuversichtlich auf die 10,5 Stunden Flugzeit blicken. Leider ist scheinbar irgendeiner von der Crew in den Wechseljahren und kämpft mit Hitzewallungen. Anders ist nicht zu erklären, dass die Aircondition auf gefühlte 2 Grad runter geregelt wird. Wir mummeln uns in die Decken und hoffen, dass die Zeit schnell vorübergeht. Zwei Gin Tonic und ein Klipdrift Brandy später stellt sich Schlummer bis Schlaf ein.


03.11.2014 – Okavango-Delta: Wald und Wasser

Die dämmerigen Zeiten verbringe ich wie immer mit hirnlosen Bordspielen und freue mich, als das Licht angeht und Frühstück serviert wird. Nicht dass ich Hunger hätte, aber ich weiß, jetzt ist nicht mehr lang bis zur Landung. Diesig liegt Jo'burg unter uns. Immer wieder, wenn wir hier zwischenlanden, denke ich: was für eine hässliche Stadt. Kleine Häuser, oft kreisförmig um die Straßen gepflanzt, kaum ein Baum, immer wieder Baustellen. Gut, dass wir hier nicht bleiben müssen. Wir landen bei 15 Grad morgens um halb neun.

Kleinflugzeug, Cessna

Raus aus dem Flieger, Zähneputzen auf der Flughafentoilette und weiter zum International Transfer. Um 11:45 Uhr geht unser Flieger nach Maun. Also wieder warten. Wir schlendern ein bisschen durch den International Airport und machen Beute: ein neues Basecap für mich und Ideen für unseren Adventskranz. Wir kommen hier ja auf dem Rückweg nochmal vorbei.

Aktuell haben wir eine Zeitverschiebung von einer Stunde. Zuhause ist gerade 09:15, hier bereits 10:15. Hoffen wir, dass alles weiter so pünktlich läuft. Mit allem drum und dran rechnen wir damit, gegen Abend im Okavango-Delta zu sein.

Der Flug mit Airlink geht pünktlich, 1 Stunde und 30 Minuten geht es zurück Richtung Botswana. Unterwegs gibt es ein Spicy-Chicken-Sandwich, was uns an diesem Tag aufrecht halten wird. Denn bis zum Dinner bekommen wir nun nichts mehr und das ist noch lang hin. Beim Landeanflug über Maun zeigt sich schon wie verschieden Botswana ist von all den anderen afrikanischen Ländern die wir bereits bereist haben. Wasser in kleinen Flüssen und Seen prägt das Landschaftsbild.

Wir landen bei warmem Nieselregen. Die Einreise gestaltet sich langwierig. Wir pressen uns dichtgedrängt vor dem International Airport – Einreisehüttchen unter ein Dach. Jeder wird einzeln von einem Officer der National Health Organisation angesprochen, die Pässe überprüft. Immer wieder die Frage: Waren sie in den letzten Wochen und Monaten in Westafrika? Die Angst vor Ebola ist auch hier präsent und wird ernst genommen.

Fast eine Stunde dauert es bis wir zum Schalter gelangen, die Einreisestempel in die Pässe bekommen und unser Gepäck in Empfang nehmen können. Noch einmal durch einen Sicherheitscheck. Hier will niemand unsere Laptops oder Kameragehäuse untersuchen. Auf der gegenüberliegenden Seite der Halle wartet bereits Personal der Wilderness Air, die uns freundlich begrüßen, mit kühlen Handtüchern erfrischen und sich um die Boarding Passes für den letzten Flug an diesem Tag kümmern.

Vumbura, Okavango Delta, Botswana

Zusammen mit einem Pärchen aus der Schweiz, die allerdings in einem anderen Camp absteigen werden, lassen wir uns zu unserem Grasshopper fahren. Ein kleines Vier-Mann-Flugzeug, dessen Gepäckfach gerade so groß genug ist für unsere Reisetaschen. Ich darf vorne sitzen, Jörg sitzt ganz hinten beim Gepäck. Die Schweizer dazwischen. Unser Pilot ist Anton, ein junger gutaussehender Kerl Ende zwanzig, der uns kurz mit den Sicherheitsvorkehrungen vertraut macht. Dann geht es los Richtung Vumbura Plains Camp.

Vierzig Minuten genieße ich den Flug aus der vordersten Reihe und bestaune die bizarre Landschaft unter uns. Als wäre der Mond mit Wasser geflutet gestaltet sich Botswana unter unseren Flügeln. Grün und Grau, Buschland und Sumpf versprechen eine ganz besondere Atmosphäre.

Die Landung ist soft und angenehm auf einem Airstrip in nicht ganz unmittelbarer Nähe unseres Camps. Unser Fahrer empfängt uns, nimmt das Gepäck entgegen. All das wird in einem schönen großen 4WD Jeep verstaut. Goodbye zu den Schweizern und Anton und schon geht es unserem ersten Urlaubsziel entgegen. Schon? Mittlerweile sind wir 23 Stunden unterwegs.

Bereits auf den ersten Metern begegnen uns Kudus, Antilopen und jede Menge gefiederter Gesellen. Ein Kingfisher (Eisvogel), ein Fischadler und jede Menge Bee Eater (wie die auf deutsch heißen weiß ich leider nicht). Auf meinen besonderen Wunsch ans Universum hin zeigen sich drei wunderschöne große Elefanten-Bullen und kreuzen unseren Weg. Der Duft Afrikas – diese Mischung aus Kräutern, Erde und warmer schwerer Luft – beflügelt unsere Herzen. Ein Gefühl von „Hallo, da seid ihr ja wieder“ breitet sich aus.

Leierantilope, Vumbura, Okavango Delta, Botswana

Unser Fahrer hat mittlerweile mit dem Guide Kontakt aufgenommen, der uns in den nächsten drei Tagen begleiten wird. Irgendwo an einer Kreuzung mitten im Busch wechseln wir das Fahrzeug. Unser Fahrer bringt das Gepäck nach Vumbura während wir auf unseren ersten wirklichen Gamedrive des Urlaubes gehen. In unserem Jeep begleiten uns ein Pärchen aus Schweden und eines aus England. Alles passionierte Fotografen wenn man der Größe der Teleobjektive Glauben schenken darf.

Was jetzt folgt ist schon fast unverschämt. Zuerst finden wir ein Rudel Löwen – vier Mamas und drei übertrieben süße Babies, die für uns posieren, sich pflegen und miteinander kuscheln. Ein junger männlicher Löwe langweilt sich gepflegt und döst vor sich hin. Lange verweilen wir dort. Es begegnen uns Fischadler und Marabus. Antilopen säugen ihre Babies und der Busch erwacht zum Leben. Immer wieder kreuzen die verschiedensten Arten von Antilopen unseren Weg. Den Sundowner nehmen wir auf einer Ebene vor einem Fluss. Gin & Tonics aus Tradition und der Malaria Prophylaxe wegen *räusper*. Die Sonne ist längst verschwunden und zaubert noch immer hundert verschiedene Rot- und Orangetöne an den nachtblauen Himmel.

Ungern verlassen wir diese Stelle und steigen in den Jeep ein. Mittlerweile ist es richtig dunkel geworden. Der Regen des Tages – der erste seit Wochen – hat die Termiten in ihren Bergen geweckt und ihnen Flügel verliehen. Zu Tausenden schwärmen sie durch die Nacht als wir das Camp erreichen.

Game Drive - Pirschfahrt

Hier empfängt man uns herzlich, nach kurzem Checkin dürfen wir unser Zimmer beziehen, die Nummer 1 – ganz am Ende des Camps. Wunderschön ist das Zelt (und der Name Zelt spottet den wirklichen Gegebenheiten), was für die nächsten drei Tage unser Zuhause sein wird. Mitten im Zimmer unter einem Baldachin aus weißem Netz thront ein riesiges Bett. Nach vorne drei Stufen hinunter finden wir unser „Wohnzimmer“, eine kleine Lounge-Garnitur mit Blick auf den Fluss. Die Dusche ist riesig, es ist mehr ein Zelt mit Wasserfall. Der Schrank reicht aus, um das dreifache unserer mitgebrachten Kleidung aufzunehmen. Die Außendusche und die Terrasse mit Minipool entdecken wir erst am nächsten Morgen so richtig.

25 Minuten Zeit gibt man uns, denn Dinner am Boma ist fertig. Also schnell auspacken, duschen, anziehen und los geht’s zum gemeinsamen Abendessen. Am Lagerfeuer trifft man sich auf das ein oder andere Gläschen Wein oder Champagner. Heute ist Kultur-Abend. Die Angestellten tanzen und singen für uns. Schnell merkt man, das hier ist zwar eingeübt und kommt doch von Herzen. Manchmal schräg, manchmal wunderschön klingen die Lieder durch die afrikanische Nacht. Schnell packt mich der Rhythmus und meine Füße zucken mit. Das sehen auch die Tänzer und so werde ich aufgefordert eine Runde mit ums Feuer zu tanzen. Das lasse ich mir nicht zweimal sagen und kühle mich fünf Minuten später mit Sparkling Wine wieder auf Normaltemperatur. Das ist nichts für weiße Füße.

Der Tanz und Gesang endet – das Dinner beginnt. An einem langen Tisch genießen wir wundervolle Speisen aus gusseisernen Töpfen. Oxtail und potatoes, couscous und spinache, tomatos und millipap. Dazu chicken sate und Rotwein bis zum abwinken. Die Zunge wird locker, die Gespräche plätschern dahin. Die Termiten haben ihren Hochzeitstanz getanzt und werfen ihre Flügel von sich. Überall auf dem Boden schimmert und glänzt es von Millionen Termitenflügeln. Es wird viel gelacht, viel erzählt und viel zu früh endet dieser fantastische Abend. Aber es macht Sinn, denn wir wissen, wakeup call ist um 05:30. Und wir sind mittlerweile über 30 Stunden unterwegs. Also dann – gute Nacht Botzwana, gute Nacht Vumbura Plains, danke dass wir hier sein dürfen.

Gepard - Cheetah

Die Grillen und Frösche singen uns in den Schlaf.

04.11.2014 – wild wild world

Und tatsächlich, 05:30 morgens pünktlich ruft ein gutgelaunter Mensch von draußen „good morning“. Dasselbe knurren wir zurück, nicht sicher ob wir wirklich aufstehen wollen.

Und doch schälen wir uns aus dem Bett, duschen und schlappen den langen Weg bis zur main hall. Hier wartet ein short breakfast. Kaffee und Tee, Säfte und ein hammermäßiges Bananen-Erdbeer-Smoothie. Dazu Bircher und normales Müsli und Pancaces nach Bedarf. Nein – unser Bedarf ist es nicht. Wir begnügen uns mit Kaffee, Müsli und Saft.

Ein besonderes Highlight – Entschuldigung – ist mein Toilettengang. Denn das hiesige Loo ist eine Blockhütte, nach vorne offen. Da sitze ich nun und konzentriere mich auf lebensnotwendige Verrichtungen. Immer wieder schaut ein Hörnchen vorbei und stört mich. So geht das nicht, ich kann so nicht arbeiten. Probiere ich es eben später. Ich gluckse immer noch in mich rein und erzähle den anderen strahlend von meinem Toilettengang mit Squirrel. Die kennen die Hörnchen schon, denn die sind wohl allgegenwärtig. Mal klauen sie essen vom Buffet, mal begleiten sie zur Toilette. Angestellte also.

Gegen halb sieben sitzen wir mit sechs Leuten – richtig müden aber latent aufgeregten Leuten – im Jeep und freuen uns auf die Morgensafari.

Lange Zeit durchforsten wir das Buschland. Dicht an dicht stehen hier niedrige Bäume und dichte Büsche. Es ist schwer Tiere zu finden, die nicht gefunden werden wollen. Ein paar Greifvögel drapieren sich theatralisch dreinschauend auf den Ästen, die ein oder andere Antilope ist auch schon wach. Wir aber folgen den Löwen-Spuren. Zum gestrigen Rudel muss es noch ein Pendant geben. Zwei ausgewachsene Löwen-Männer, Vater der Kinder, die wir gestern gesehen haben, durchstreifen dieses Gebiet.

Löwenrudel, Daniela Seegardel

Und wir finden sie tatsächlich. Ruhig und imposant ruhen sie im Gras, nehmen kaum Notiz von uns. Hier fällt mir zum ersten Mal auf wie vorsichtig sich die Guides den Tieren nähern. Zwei weitere Jeeps sind mit uns und beobachten die Löwen. Nach einer Weile haben wir genug gesehen. Wir wollen weiter. Wir verlassen den Platz, ein anderer Jeep nimmt ihn ein.

Löwenmännchen, Daniela Seegardel

Kreuz und quer fahren wir zwischen Bäumen und Büschen hindurch, durchfahren Flüsse und kleine Seen und überqueren Ebenen. Auf einem Hügel bietet sich uns ein besonderes Bild. Eine Herde von etwa 150 Büffeln durchzieht das Tal vor uns, dahinter etwa 30 Elefantenkühe und ihre Babies. Sprachlos und gefangen in der Schönheit des Moments lassen wir die Tiere an uns vorbeiziehen. Nach einer Weile entschließen wir uns die Elefanten ein wenig zu begleiten. Wir suchen uns einen neuen Platz und erfreuen uns erneut an der Schönheit und Majestät dieser sanften Riesen.

Büffelherde, Daniela Seegardel

Verzaubert fahren wir nach über einer halbe Stunde weiter. Heute kann nichts mehr besseres kommen. Nein? Wirklich nicht? Es ist lucky Tuesday und der Tag beschenkt uns in besonderer Weise. Wir beobachten eine kleine Herde Zebras, die ihrerseits etwas beobachten. Beim näher kommen stellt sich heraus, dass zwei Geparden vor einem Termitenhügel dem Morgen entgegen dösen. Geparden sieht man hier alle ein bis zwei Monate. Ein ganz besonderes Glück also für uns. Meter für Meter tastet sich unser Guide mit dem Fahrzeug voran. Hier verweilen wir lange, sehr lange und haben Spaß mit den tollpatschigen und doch eleganten Bewegungen der beiden Jäger. Sie dösen, strecken sich, stehen auf und schleichen, legen sich wieder ab. Sie markieren gewissenhaft ihr Revier und putzen sich zärtlich gegenseitig, das allgegenwärtige Räkeln nicht zu vergessen. Hin und wieder maunzt der eine, ein kleiner zarter Ton für so ein erhabenes Tier.

Ein zweiter Jeep trifft ein, dann ein dritter. Unser Guide hält Funkkontakt mit den anderen. Immer wenn einer seinen Platz räumt, darf der nächste nachrücken. Maximal drei Autos an einem Spot. Kein Druck, kein Bedrängen der Tiere. Das gefällt mir sehr gut, denn Respekt und Liebe zu den frei lebenden Tieren sind nicht überall an der Tagesordnung.

Zeit für einen kleinen Kaffee, den wir – wie gestern Abend den Sundowner – auf einer wunderschönen Ebene vor einem kleinen See einnehmen. Langsam beschließen wir, uns auf den Rückweg zu machen. Den säumen immer wieder Begegnungen mit Antilopen und Kudus, Warzenschweinen und Vögeln der verschiedensten Art.

Um halb zwölf sind wir zurück. Drink aus der Bar wird unsererseits verweigert. Nach kurzem frisch machen stürzen wir uns auf den Brunch. Brunch ist hierzulande anscheinend die Umschreibung für vollwertiges drei Gänge Menü mit jede Menge Wein. Die Salate sind der Hammer. Frische Papaya, Kartoffel-Lauchzwiebel-Salat, Oliven, frisches Brot, Käse und andere Leckereien sind der Starter. Jörg wählt langsam gegartes Lamm auf Avocado, ich freu mich an Spinat-Ricotta-Canelloni mit jeder Menge Knoblauch. Den Abschluss bildet gesalzenes Karamell-Eis. Ich werde fett wie ein Otter sein, wenn wir nach Deutschland zurückkommen. Aber – was soll‘s.

Dann haben wir Zeit bis um vier (nur noch drei Stunden, wat 'n Stress) und dann geht’s zum High Tea, zu dem wir sicher keinen Kuchen nehmen, oder doch? Mal sehen was der Nachmittag für uns bereithält.

Draußen auf der Terrasse nehme ich eine kurze Auszeit zum Ruhen, Schreiben, Schlafen. Geräusche reißen mich aus meinem Dämmerschlaf unter wolkigem Himmel. Sind hier irgendwelche Menschen unterwegs? Nein, ein Water Monitor, eine riesige Wasserechse, knapp zwei Meter lang sucht sich unter unserem Haus hindurch den Weg ins Wasser. Imposant, elegant und verdammt schnell durchkämmt sie das Ufergras und verschwindet im kühlen Nass.

Der Himmel ist immer noch bewölkt als wir zum High Tea und dem anschließenden Game-Drive aufbrechen. Mich reizt in der Main Hall eine kühle Flasche Eiskaffee und ein Fudge, zuckersüß und bitter. Jörg traut sich an hausgemachte Limonade und Frikadellen-Brötchen. Jedem das seine.

In der bekannten Sechser-Gruppe, die beiden Schweden, die Engländer und wir geht es auf zum abendlichen Safari-Ausflug. Kaum zehn Meter hinter der Holzbrücke, die vom Camp über das Sumpfgelände auf festen Boden führt erwartet uns eine Horde Marabus, hässlich-schön, die mit elegantem Gehabe über den Boden stelzen auf der Suche nach einem spätnachmittäglichen Termiten-Snack. Wir beobachten sie kurz und fahren dann weiter. Nicht viel weiter, denn kaum 40 Meter danach steht ein Hippo im Busch und lässt sich saftiges Gras schmecken. Auch hier bleiben wir eine Weile, sehen und vor allem hören dem gar nicht so friedlichen Giganten beim Essen zu. Kaum 15 Meter entfernt steht das gefährlichste Tier Afrikas und kaut genüsslich sein Abendessen. Ein faszinierendes Tier, das uns aus kleinen Augen misstrauisch mustert und vor dem wir alle gehörigen Respekt haben.

Hippos, Flusspferde, Vumbura, Okavango Delta, Botswana

Wir lassen es in Ruhe dinieren und versuchen weiter zu kommen. Auch jetzt sind es nur ein paar Meter, dann muss der Motor des Jeeps wieder ruhen. Zwei Warzenschweine sind kaum zehn Meter entfernt von unserem Wagen und gehen ihren Fressgelüsten nach. Auch sie sind unbeeindruckt vom klack-klack-klack der Kameras und lassen uns an ihrem Leben teilhaben.

Aber nun geht es endlich auf Tour. Wir durchkämmen flaches Buschland und kleine Ebenen, durchqueren Wasseradern (bei denen ich mich die ganze Zeit frage, ob unser Guide weiß, was er da macht und ab welcher Wassertiefe unter den Rädern wir entweder absaufen oder feststecken).

Lange Zeit kommt wenig für uns interessantes. Ja, hier und da ein netter Vogel, kleine Antilopen-Gruppen, aber irgendwie reicht uns das nicht. Muss es ja auch nicht, denn nach einiger Zeit finden wir die beiden Löwen-Herren von heute morgen wieder. Sie haben sich kaum bewegt, liegen dösend unter ihrem Busch. Aber Anstalten aufzustehen? Fehlanzeige. Wir beobachten und fotografieren die Herrschaften beim Nichtstun. Klack klack klack – gleich Maschinengewehr-Salven durchreißen die Geräusche der Kameras die Stille rundum. Die Löwen beeindruckt das nicht. Sie liegen und dösen.

Nun gut, unser Guide beschließt, uns ein wenig Zwischenunterhaltung zu bieten und führt uns zu einem Hyänen-Bau vor dem zuckersüße Hyänen-Babies auf die Rückkehr ihrer Mamis warten. Sie sind mittlerweile über sechs Monate alt, trinken aber immer noch aus Muttis Milchbar. So liegen sie dort, ab und an hebt sich ein flauschiges Köpfchen und sie wittern und riechen in die Ferne. Kommen sie, die Mamas? Nein. Dann noch ein bisschen schlafen. Einer rollt sich zusammen und sieht aus wie Joshi – seufz. Ein bisschen Heimweh ist immer dabei.

Hyänenbaby, Vumbura, Okavango Delta, Botswana

Der Abend senkt sich über die Landschaft. Und mit ihm kommt dieses Licht, dieses unbeschreibliche zauberhafte Feen-Licht, welches unsere Augen mit Silber vernebelt und die Farben so einzigartig werden lässt. Dieses Licht, was kühl ist und trotzdem warm, was freundlich ist und märchenhaft und uns umhüllt mit seiner Existenz, mitzieht in den Abend und die Nacht hier in Botswana.

Sonnenuntergang, Daniela Seegardel

Der Wind frischt auf und wir kehren zurück zu den Löwen. Die werden langsam wach und wacher. Sie räkeln sich und strecken sich, sie putzen sich selbst und den anderen. Dann machen sie sich auf den Weg. In der aufkommenden Dunkelheit begleiten wir die beiden Könige Afrikas eine Weile. Immer wieder stellt unser Guide einfach in einiger Entfernung den Jeep mitten auf die Straße (na ja, dieses Sandgebilde mit Fahrrinnen was man hier Straße nennt). Sie könnten ausweichen, doch das tun sie nicht. In zwei Metern Entfernung schreiten die Löwen an unserem Wagen vorbei. Der ein oder andere tiefe Blick und bernsteinfarbenen Augen lässt uns das Blut in den Adern gerinnen.

Löwenbaby, Vumbura, Okavango Delta, Botswana

Die Nacht beendet das Spiel, zufrieden und ein wenig schläfrig werden wir zurück gebracht. Ja, wir haben den Sundowner verpasst – aber scheiß auf den Gin & Tonic, wir haben Löwen auf ihrem Weg begleitet. Das wiegt es tausendfach auf. Unser Guide aktiviert die Rotlichtlampe, aber kein Bushbaby, keine Eule will sich auf unserem Weg zurück nach Vumbura zeigen.

Es ist stockdunkel, als wir zurück kommen. Eine kurze Dusche und einen Kleiderwechsel später treffen wir uns am Lagerfeuer mit den anderen Gästen. Sechs neue sind heute angekommen, es wird sich begrüßt, vorgestellt und ein wenig erzählt. Zwei Gläser Sparkling Wine später nehmen wir zu sechst an einer Tafel Platz und freuen uns aufs Abendessen.

Obwohl Jörg und ich normalerweise verschiedene Speisen wählen, um tauschen zu können: heute geht das nicht. Zweimal dasselbe: Carpaccio mit Salat, rosa gebratener Strauss gefolgt von regionaler Käseplatte sind durch nichts zu überbieten. Dazu gewohnt guten Wein – hey wir sind in Afrika und die Bäuche (und Köpfe) füllen sich zusehends.

Bei uns sitzen nicht nur Amanda und Ian, unsere beiden Engländer vom gemeinsamen Jeep, sondern auch Cat und ihr Mann. Frag mich keiner nach seinem Namen bitte. Sie sollte auch Engländerin sein und als sie sich mit CAT vorstellt, klingt es wie ein trockener Pistolenschuss. Nichtsdestotrotz sind beide recht launig und wir haben definitiv den Tisch erwischt an dem am meisten gelacht wird.

Und trotzdem, irgendwann (ok, nach einem übertrieben double double double eingeschenkten Glas Lagavulin) ruft das Bett deutlich und vernehmbar. So lassen wir uns durch die Dunkelheit zurückbringen, nicht ohne eine Hyäne in der Nähe unseres royalen Zeltes zu bestaunen. Macht nichts, wir schlafen wie die Babies. Selbst laute Froschkonzerte stören uns nicht wirklich.

05.11.2014 – Verwüstete Landschaft und See-Zauber

Wakeup Call um 05:30 – fast hab ich ihn verschlafen, aber Jörg war wach genug. Mittlerweile ist mein Magen so ausgedehnt, dass ich selbst um diese Uhrzeit, kurz nach sechs, warme Muffins und Mango-Smoothie zu mir nehmen kann.

Kaum zweimal mit den Augen geblinzelt geht es zur nächsten Ausfahrt. Die ist nicht so mit Tier-Highlights gespickt, aber die Landschaft ist allemal sehenswert. Wir begegnen Elefanten und Giraffen, Zebras und Kudus, immer auf der Suche nach dem schüchternen Leoparden. Wir durchqueren Wald und Busch, fahren durch Savannen-Gras. Bizarre Bäume und Totholz, einem Tor in einer anderen Welt gleich säumen unseren Weg.

Kudubulle, Daniela Seegardel

Dann durchfahren wir eine Landschaft, die wirkt, als hätte hier ein Nuklear-Krieg stattgefunden. Elefanten haben Bäume und Büsche zerstört. Tot und anklagend ragen Zweige und Äste sich dem bedeckten Himmel entgegen, kein Blatt wiegt sich im Wind. Wenige Vögel und einige Hörnchen verstecken sich dort, wo es kein Versteck mehr zu geben scheint. Tausende von Zikaden zirpen und singen in der Abendwärme, eine davon besteigt nach einem kurzen Landeanflug unser Fahrzeug. Wenn sie fliegen ängstigen sie mich, aber jetzt wo sie zu meinen Füßen im Jeep sitzt finde ich sie wunderschön. Die Flügel schimmern feengleich und der Körper scheint aus Silber und Stein gegossen. Lange begleitet sie uns, doch verschwindet irgendwann ohne sich zu verabschieden. Auch gut.

Wir sind auf der Suche nach den Wildhunden, durchforsten kreuz und quer das bizarr anmutende Areal. Die Windhunde zeigen sich nicht. Eine Giraffe schaut zwischen zwei Bäumen zu uns herüber. Dann stoppt unser Guide, was er sieht wissen wir nicht. Und er sieht auch nichts, er riecht etwas, eventuell die Hunde. Wir halten unsere Nasen in den Wind, richtig, hier riecht es echt streng. Wir untersuchen Strauch für Strauch, der Witterung folgend als wir einen weiteren Jeep sehen. Diese haben unter einem Busch etwas gefunden was aussieht wie ein Skunk ohne Streifen und riecht wie zehn Skunks mit Streifen. Es buddelt in der Erde, kaum größer als ein Wiesel. Unser Guide erklärt uns, dass es die wehrhaftesten kleinen Viecher sind, die er kennt. Noch nicht einmal die Löwen und Leoparden gehen dran, weil sie so aggressiv sind. Ich würde eher drauf tippen, dass die nix essen was schlimmer stinkt als Handkäs mit Musik, aber gut. Er sagt, das Vieh wäre so voller Muskeln, man könnte es mit dem Jeep überfahren und es würde sich rumdrehen und den Wagen angreifen. Gut, das probieren wir nicht, sondern freuen uns als der Honeybadger (so heißt das Teil nämlich) endlich fertig ist mit buddeln und weiterzieht.

Wir ziehen auch weiter, denn auf die beiden Schweden, die noch bei uns im Jeep sitzen wartet ihr Transfer. Wir begegnen noch ein paar Zebus, die nett zum fotografieren still halten und geben dann die beiden an ihrem Wagen ab, der irgendwo in the middle auf nowhere auf sie wartet. Ich werde nie begreifen, wie man sich hier orientieren, einen Treffpunkt ausmachen und den auch noch pünktlich einhalten kann. Ein freundliches Take-Care für die beiden und zu viert plus Guide fahren wir weiter.

Scharlachspint, Carmine bee-eater, Daniela Seegardel

Eine Herde Zebras erfreut uns mit ihrer Anwesenheit. Nach einiger Zeit des Beobachtens parken wir um und genießen etwas entfernt unseren Zwischenkaffee mit leckeren Scoones und Muffins. Dann geht’s auf den Weg zurück zum Camp. Es passiert nicht mehr wirklich viel. Ich throne auf dem hinteren Sitz und lasse mich hin und her schütteln. Wenigstens ein bisschen Bewegung in diesem verfressenen Urlaub. Ein einsamer Elefant – eine Giraffe – ein paar Antilopen und wir kehren heim ins Camp. Nun frisch machen, Bilder übertragen und ein bisschen packen. Morgen ist schon die erste Station unseres Urlaubes beendet und wir sind gerne vorbereitet.

Zebras und Gepard, Daniela Seegardel

Der Brunch ist mal wieder unverschämt gut. Bei den Salaten vorneweg darf ich das erste Mal im Leben Quinoa probieren, Urkorn als Salat mit Tomaten, Oliven und Paprika. Yummy. Sauer eingelegte Zwiebeln als Tarte mit Rucola für mich, Calamari mit splitterdünnen Pommes und Aioli für Jörg. Dazu gibt’s den unvermeidlichen Wein, Chardonnay aus Stellenbosch, mmmmhhhhhh. Ja, gerne auch in der Mittagshitze drei Gläser. Und dann zurück ins Zelt. Siesta. Das Leben kann soooo schön sein.

Gabelracke, Lilac-breasted Roller, Daniela Seegardel

Gegen halb vier erscheinen wir wieder pünktlich zum high tea und führen uns Eiskaffee und kleine Leckereien zu Gemüte. Wieder einmal herzliche Unterhaltung mit „unseren“ Engländern Amanda und Ian, die wir wirklich lieb gewonnen haben. Dann besteigen wir den Jeep und es geht auf einen Mini-Game-Drive Richtung Mokorro Station. Gemeinsam mit zwei anderen Paaren haben wir Kanu fahren auf dem Fluss gebucht. Hier gehen unsere Meinungen stark auseinander was die Sinnigkeit dieses Unterfangens betrifft. Sagen wir mal so – die einen (Jörg) finden es langweilig, die anderen (Dani) finden es romantisch.

In der immer tiefer sinkenden Sonne Botswanas lassen wir uns in kleinen Zweierkanus (Mokoros) über einen flachen See, okay über einen ziemlich großen aber nicht allzu tiefen Gartenteich schippern. Unser Käptn ist ein Poler, er bewegt unser Kanu mit einer Stange vorwärts, gleich den Gondolieren in Venedig. So freue ich mich an klitzekleinen Fröschen auf Reetgras, lerne aus welchen Pflanzen man Augentropfen macht, lasse mir Wasserlilien pflücken und daraus eine Halskette basteln und freue mich am Augenblick. Na ja – und Jörg langweilt sich. Auch gut. Muss er durch. Ich finds schön – so!

 

Zurück an Land löse ich ein Versprechen ein und lasse mich mit den Mops-Monologen, einem Buch von Gerritje Krieger vor der sagenhaften Gartenteich-See-Afrika-Sonnenuntergangs-Kulisse fotografieren. Sobald ich wieder Netz hab landet das Foto in Facebook.

Endgültig geufert ufern wir aus und arbeiten hart daran eine komplette Flasche Sparkling Wine zu vernichten. Ist nicht so schwer, wir sind ja in Übung. Dazu knüppelharte würzige Burenwurst und Oliven aus der Pfote. Wir unterhalten uns mit Pro, unsere Poler, ein paar anderen Gästen und die Zeit vergeht wie im Flug. Der Sonnenuntergang ist atemberaubend schön. Viel zu früh brechen wir auf zu unserem letzten Dinner in Vumbura. Zurück im Camp heißt es kurz frisch machen, hübsch anziehen. Gemeinsam mit dem Ranger, der uns jeden Abend wohlbehalten vom und zum Zimmer bringt laufen wir über die Holzbrücke, welche die Zelte miteinander verbindet. Wieder einmal rascheln im Dunkeln. Die Zickaden zirpen, die Frösche geben ein Konzert.

Gelbschnabeltoko, Yellow-billed Hornbill, Daniela Seegardel

Im Main House finden wir uns am Feuer ein und erfreuen uns an den guten witzigen Gesprächen mit Amanda, Ian, Cat und ihrem Mann. Ich liebe Engländer und deren fürchterlich trockenen Humor. Wir bitten Amanda und Ian für den letzten Abend an unseren Tisch. Gemeinsam schlemmen wir wie die Könige. Der Wein fließt in Strömen und wieder einmal sind wir die letzten die trunken vom Rebensaft und trunken von der afrikanischen Stimmung ins Bett fallen. Es ist Vollmond-Nacht mit warmem weichen afrikanischen Licht.

06.11.2014 – Chobe Nationalpark: Elefanten-Land

Die Nacht ist durchwachsen aber durchaus hörenswert. Die Frösche haben offensichtlich die unplugged Version aufgegeben und sich irgendwo Lautsprecher besorgt und quaken sich ein heavy metal concert mit Zugabe. Kein Problem, ich kann trotzdem einschlafen. Mitten in der Nacht platscht und planscht es vor dem Zelt, zwei Hippos kommen aus dem Wasser und grasen sich durch die Sumpfwiese. Leider in einiger Entfernung zueinander, doch trotzdem blöken sie sich die Neuigkeiten des Tages zu. Das braucht nun doch einige Zeit, bis der Schlaf mich wieder einholt. Und dann – gegen Morgen – gibt es noch ein kleines Löwenkonzert, die der Welt irgendetwas über ihr Territorium und ihren Testosteronspiegel mitteilen. Auch gut.

Elefanten, Büffel, Daniela Seegardel

Der Wakeup Call kommt pünktlich und wir schälen uns aus den Betten. Wir müssen packen – einen Teil der Kleidung haben wir schon gerichtet. So brauchen wir lediglich zehn Minuten länger als üblich um uns am Frühstückstisch einzufinden. Hier herrscht trotz der frühen Stunde ausgelassene Stimmung. Die Witze fliegen über den Müsli-Tellern und Kaffeetassen hin und her. Ein paar Squirrels interessieren sich für unsere Rucksäcke, aber Cat „speaking squirrlish fluently“ keckert sie an und die Viecher verschwinden. Ich kann nicht mehr, Bauchweh vor Lachen. Das werde ich wirklich vermissen.

Pünktlich um halb acht machen wir uns auf den letzten Gamedrive hier in Vumbura Plains. Am Anfang eher langweilig durchqueren wir Totholz und Steppe, Büsche und Savanne. Hier und da Kudus, Warzenschweine und Antilopen. Aber dann belohnt uns der Tag für die Geduld. Zwei weibliche und ein männlicher Löwe, offensichtlich nicht aus diesem Gebiet und noch recht jung ruhen im Gras. Alle drei sind sehr aufgeregt und beobachten uns mit Argusaugen. Der Löwenjunge, seine Mähne hat noch nicht das dunkle kaffeebraun des Erwachsenen-Fells angenommen, sitzt zusammen mit einem Weibchen. Ein weiteres ruht separat auf der anderen Seite der Straße. Daneben liegen Knochen eines Hippos, welches hier – offensichtlich nach einem harten Kampf mit einem Artgenossen – das Zeitliche gesegnet hat. Obwohl das wohl vor nicht mal eineinhalb Monaten passiert ist, ist vom Hippo nichts mehr übrig außer ein paar Rippen- und Beckenknochen sowie der riesige Kopf nebst Zähnen. Es sieht aus wie die Überreste eines T-Rex oder eines Drachens aus einer anderen Welt und ist mehr als beeindruckend.

Hippoknochen, Daniela Seegardel

Mittlerweile ist das Löwen-Trio extrem aufgeregt. Denn den Weg hinauf kommt die Essenslieferung fürs Camp. Vornweg zwei Jeeps, einer davon mit Anhänger, vollgepackt mit frischen Gemüsen, Früchten, Kartoffeln und anderen Dingen. Dahinter ein Traktor der ebenso überfüllt ist mit Essen und Trinken. Wir sind beeindruckt. Nun wissen wir auch woher die guten Sachen kommen, die wir jeden Abend verdrücken. Den Löwen aber ist es zu viel und sie verschwinden trabend in den Büschen, nicht ohne uns den ein oder anderen missbilligenden Blick zuzuwerfen.

Wir fahren weiter, oder eher zurück Richtung Airstrip. Irgendwann, kurz vor der Kaffeepause fällt mir auf: mein Strohhütchen hat es vom Jeep geweht. Also darf sich das demnächst ein Löwe oder Gepard über den Schädel stülpen, denke ich. Jörg tadelt mich, denn es ist schon fast Tradition, dass ich immer wieder was verliere auf unseren Reisen. Doch weit gefehlt. Über Funk kommt die Anfrage, ob jemand ein Hütchen verloren hat. Ja, ich! Vermelde ich freudig. Man hat es gefunden. Ich danke herzlich, rechne aber nicht damit es wieder zu sehen. Immerhin fahren wir nicht zurück ins Camp, sondern wechseln, wie auf dem Hinweg das Fahrzeug, um ohne Umwege direkt zum Airstrip zu gelangen.

So durchsuchen wir weiter den Wald nach nennenswerten Tierbegegnungen. Der Goodbye Elefant lässt sich heute nicht blicken, dafür tummeln sich vor einem hübschen See jede Menge Paviane. Die finden uns allerdings doof und verdrücken sich in die Büsche (nicht ohne zwischendrin ein bisschen Sex zu haben, die Ferkel, morgens um elf tz tz tz).

Pavian mit Baby, Daniela Seegardel

Das gibt uns den Platz frei für einen wunderbaren Frühstückskaffee in schöner Landschaft und mit guter Gesellschaft. Viel zu schnell endet hier die Zeit, wir machen uns auf den Weg zum letzten Teil des morgendlichen Gamedrives und lassen uns durch die Welt schaukeln. Knapp eine Stunde vor Abflug heißt es Abschied nehmen von Ian und Amanda, von unserem Guide und damit auch von den ersten drei Tagen unseres Sommerurlaubes im Winter.

Wir steigen um, das Goodbye ist knapp aber herzlich. Der Fahrer des anderen Jeeps präsentiert stolz unser Gepäck und jaaaaaa – er hat mein Strohhütchen dabei. Das hätte ich nicht gedacht. Dazu gibt’s zwei Lunchpakete, die uns aufrecht halten sollen (befüllt mit Keksen, Sandwich, Banane, Apfel und Dosensaft). Weitere 60 Minuten später sind wir am Airstrip und warten mit vier anderen Jeeps nebst Insassen auf die verschiedenen Flieger. Wir nehmen den dritten der da kommt, etwa zwanzig Minuten nach der geplanten Abflugszeit und verlassen zusammen mit zehn anderen Leuten den Boden um auf die Weiterreise zu gehen.

Sattelstorch, Daniela Seegardel

Ein kurzer Zwischenstopp nach 40 Minuten in Chobe. Hier steigen zwei Leute aus und zwei neue ein. Weiter geht’s nach Kasane. Hier sollte bereits ein Angestellter der Ngoma Lodge auf uns warten. Tut er aber nicht. Wir gammeln eine halbe Stunde rum, bis Jörg der Faden reißt und er zur Tourist Information geht um zu telefonieren. Jetzt wird uns eine krude Story aufgetischt. Unser Flugzeug wäre zu früh, der Guide noch unterwegs, man würde umplanen. Häh? Wir sind zwanzig Minuten zu spät losgeflogen. Irgendwann kommt extrem gemütlich ein Mensch reingeschlappt und begrüßt uns lustlos. Ob wir nach Ngoma wollen? Ja, wollen wir. Er verstaut unser Gepäck in einem weißen Minibus und heißt uns zu warten, es kämen noch ein paar. Ja, die kommen wirklich. Ein paar Franzosen, die offensichtlich englisch sprechen können und eine dicke Dame in bunt und Parfumwolke nebst zugehörigem Ehemann. Das sind übrigens Belgier wie sich nachher herausstellt.

Knapp 50 km durchfahren wir nun das Land und auch den Chobe Nationalpark auf einer geteerten Straße bis wir – zwei Schlagbäume weiter – auf einem kleinen Feldweg zur Lodge gelangen. Hier erwartet uns jede Menge Personal und eine professionelle, sturzlangweilige, antrainierte und nicht herzliche Begrüßung. Wir müssen draußen in der Hitze vor der Lodge stehen bleiben, damit sie erst mal schauen kann wem welches Gepäck gehört, damit das dann auch im richtigen Zimmer landet. Naaaaa gut. Endlich dürfen wir aus der Hitze in den Schatten der Eingangshalle wechseln.

Der Blick von hier ist wirklich schön. Unter uns liegt das Tal, welches der Chobe River durchzieht. Wir liegen genau an der Grenzen zwischen Botswana und Namibia. Auf der Seite von Botswana sehen wir die pure Natur und den Nationalpark, auf der Seite von Namibia Gras, Kühe und Farmland. Wir werden nun eingewiesen wie es hier läuft. Auf die Idee uns einen Sitzplatz anzubieten kommt keiner. Nö, wir dürfen uns ein paar Snacks nehmen, wird uns angeboten, aber eeeeerssst wenn die Formalitäten erledigt sind. Jeder wird der Reihe nach aufgerufen und darf sein Formblatt ausfüllen in dem er unterschreibt: wenn der Löwe mich frisst bin ich selbst schuld.

Ich hab kein Bock mehr und setz mich einfach, unterschreiben tun wir ohne was zu lesen. Und ich mag auch keine Snacks mehr, sondern ins Zimmer. Ich brauch ne Dusche. Wir werden in den Room Nr. 5 gebracht, der hübsch auf der Anhöhe thront und wirklich nett gemacht ist.

Glasperlenlampenschirme in Form von Antilopen- und Warzenschwein-Köpfen verdecken die Elektrischen Glühbirnen. Der Boden ist aus dunklem Holz gemacht. In der Mitte steht ein Bett mit dem obligatorischen Moskitonetz Himmel. Es ist alles nur halb so groß wie in Vumbura und leider auch nur halb so sauber. Dafür läuft die Klimaanlage auf Hochtouren. Die stellen wir erst mal ab.

Eine halbe Stunde später bin ich geduscht, der Krempel ist ausgepackt und damit sind wir auch besser gelaunt. Der Gamedrive um vier wartet auf uns. Wir dürfen – wat ein Glück – den Jeep mit der dicken belgischen Dame in Parfum-Bad teilen. Es gibt ja so Menschen, die schaffen es mit nur einem Blick eine ungute Atmosphäre zu kreieren. Claude Marie beherrscht diese Kunst in Perfektion. Der Guide Richard ist bemüht scheint aber ahnungslos und so fahren wir dem Desaster des ersten Game-Drive entgegen.

Richard erledigt den Checkin und wir rumpeln über rote steinige Erde hinunter ins Tal. Kaum Spuren sind zu sehen, dafür jede Menge Verwüstung durch die Elefanten. Richard sieht irgendwie nichts oder er zeigt es uns nicht, zumindest nichts außer den Staub unter den Reifen. Und so darf Jörg ihn nicht nur auf Fischadler und Kudu hinweisen, sondern auch auf einen Water Monitor im Wasser, Giraffen und Waterbock am Berg und allerlei Getier. Ist dem aber eh egal. Denn er hat nur einen Auftrag. Rechtzeitig am Sundowner Platz zu sein. Das ist ein fest eingezeichneter Platz innerhalb des Nationalparkes und hier – und auch nur hier gibt’s was zwischen die Kiemen. Aus Gründen der Sicherheit der Tiere darf man weder von den Straßen abweichen noch woanders als auf den ausgewiesenen Plätzen anhalten. Ok – wussten wir nicht, ist doof aber nicht zu ändern. Derweil grollt in der Ferne der Donner.

Waran, Daniela Seegardel

Jetzt muss Alkohol ran. In rasanter Geschwindigkeit leere ich die ersten beiden randvollen Weißwein-Gläser mit Schampus und Entspannung stellt sich ein. Die beiden Belgier wollen nur wissen ob der Schampus bezahlt werden muss oder für umme ist – und zack, saufen die zwei mit. Ist nämlich gratis. Nicht dass jetzt schon wirklich die Sonne untergehen würde, aber wir müssen die „gastliche Stätte“ wieder verlassen. Der Nationalpark schließt um sieben und wir müssen rechtzeitig raus hier. Dass gerade Elefanten in relativer Nähe vorbeiziehen interessiert genauso wenig wie die Büffel, die direkt neben der Straße grasen. Kurzes Foto – whääm bäääm thank you määäm und wir fahren weiter … immer der Nase nach, respektive affig schnell den Berg hoch.

Oben gelangen wir auf die geteerte Straße. Es wird dunkel, wir gasen mit 80 km/h Richtung Ausgang Nationalpark und stehen um zehn nach sieben an der Lodge. Die Lodge-Managerin fragt tatsächlich noch wie es uns gefallen hat und ich frage „Ehrlich oder Höflich“. Die Antwort warte ich nicht ab und präsentiere die ehrliche Variante. Jetzt hat sie keinen Spaß mehr mit uns, aber sie verspricht uns, dass es morgen besser werden wird.

Da fahren wir nämlich ab acht einen zwei Stunden Gamedrive durch das Nichts – sprich den Berg runter. Dann besteigen wir mit zwanzig Mann ein Boot, yeeeeaaaah, und fahren den Chobe wieder runter. Ick freu mir. Meine Bemerkung „Wenn ich eine Gruppenreise hätte buchen wollen, hätte ich das getan“ finde ich echt angebracht. Ab jetzt hilft nur noch pfurztrockener Humor und jede Menge Alkohol.

Wir kehren zurück ins Zimmer und ich beschließe am morgigen Tag einen neuen afrikanischen Bestseller mit dem Titel „Hummeldumm reloaded“ zu schreiben, in dem ich schräge Gruppenreisen zu überzogenen Preisen an den Pranger stelle. Der Tag kann kommen. Vorher hat der afrikanische Gott glücklicherweise aber noch das Abendessen gesetzt.

Dicht gedrängt wie in einer italienischen Pizzeria sitzen wir im Esszimmer, respektive dem langen Gang der Main Hall. Die Einrichtung ist wirklich – und das ist nicht spöttisch gemeint – sehenswert. Die Möbel sind handverlesen, das Holz traumhaft schön, viele kleine Gimmicks versprühen einen wunderbaren Charme. Ok – kochen können die bestimmt auch. Eine dralle Köchin namens Eva (mit Haarnetz) stellt uns die Wahlmöglichkeiten vor. Karottensuppe mit Ingwer (Jörg) und Tuna-Tarte (Dani). Nudeln mit bolognese (Jörg) und Hühnchen mit Reis (Dani). Käseplatte (Jörg) und dreierlei Eis (Dani). Wobei zu ´sagen ist, dass wir – als passionierte Liebhaber von einheimischen Speisen extra fragen ob der Käse regional ist. Ja, isser, aus Botswana. Thank you, dann her damit.


Nun stellt sich raus, wer heute den besseren Griff hat. Dani – alles ok. Aaaaber der Jörg. Nach einem halben Pfund Salz ist die Suppe mit Geschmack versehen. Die Bolognese hatte auch schon bessere Zeiten und ist übel übersüßt, aber der Burner ist der regionale Käse. Regionaler …. deliziöser … einmalig in Botswana hergestellter … Babybel? Ooookaaay. Haken dran.

Zigarette vor dem Feuer im Schatten (es ist eh dunkel) eines riesigen Baobab-Baumes (oder hieß es Babybel-Baum?). Eine Zigarette in Ehren und … was sonst. Rotwein in Massen und Brandy hinterher.

Die gute Nachricht ereilt uns recht spät. Ein Teil unserer Reisegruppe will morgens aufs Boot. Ob die das wirklich wollen oder ob unsere Lodge Managerin uns ernst genommen hat mit der Mäkelei bezüglich Gruppenreisen sei dahin gestellt. Wichtig ist für uns: wir sitzen lediglich mit der dicken Dame – die offensichtlich eine Ärztin mit Wohnsitz in Brüssel und Appartment in Nizza ist – und ihrem Göttergatten in einem Boot. Hört sich doch mal gut an. Also, Schluss für heute. Ab ins Bett und lasset die Hippos kommen.

07.11.2014 – Von Krokodilen und Makeup

Wir wachen rein zufällig pünktlich auf, denn wir haben vergessen einen Wakeup-Call zu ordern. Das Frühstück ist lecker, die gebratenen Eier werden auf einem super heißen Teller serviert, auf dem man sie locker noch knusprig weiter garen kann. Nur der Toast lässt auf sich warten, denn den Löwenanteil haben sich die Franzosen an dem Nachbartisch mit dicken Stapeln gesichert.

Claude Marie – die kleine dicke Belgierin hat irgendwie einen sehr speziellen Kleidergeschmack. Ich bin ja auch nicht mehr die frischeste, aber mit Ende 50 und gefühlte 90 Kilo auf 1,60 m sind Tigerleggins, neongrünes Netzshirt und rosa Strohhut nebst Beklunkerung und Bauernmalerei in mindestens drei Schichten nicht die erste Wahl. Also grinsen wir uns eins und denken uns: Kann ja heiter werden heute.

Aber – ich muss gestehen: Chobe, unser Start war schlecht aber heute hast du es wett gemacht. Pünktlich um acht holt uns Richard ab und gemeinsam mit den Belgiern klettern wir auf den Jeep. Heute ist ein Ganztages-Ausflug mit Bootsfahrt angedacht. Richard ergattert am Parkeingang die Registrierungsnummer 23 und mit dieser lucky number machen wir uns auf den Weg in den Chobe National Park.

Direkt am Anfang wartet bereits die erste Giraffe auf uns. Dann finden wir eine kleine Gruppe Kudus, von denen uns zwei halbwüchsige Jungs einen netten Hörnerkampf für die Kamera liefern. Den steinigen Weg hinunter ins Tal mit dem lebensspendenden Fluss Chobe säumen kleine und größere Bäume. Wir halten an einem alten Teak-Baum an, einem der letzten Überlebenden der Abholzaktion durch die Briten in den 60er Jahren. Drei wunderschöne große Baobab-Bäume thronen am Hang und zeigen uns drei Stadien grün: noch grau und trocken der Größte, mit zartem Grün und Knospen der Zweite und schon in vollem Blätterkleid der Dritte.

Kämpfende Kudus, Daniela Seegardel

Heute Nacht hat wohl das Leben Einzug gehalten bei den Impalas und die ersten neugeborenen Antilopen-Kinder folgen ihren Müttern auf staksigen Beinen. Mit der Regenzeit ist der Tisch reich gedeckt im Chobe und das bedeutet Futter für alle.

Am Fluss angekommen erfreuen wir uns an kleinen und größeren Gruppen von Büffeln, Impalas und Warzenschweinen. Am Ufer baden Geier, sie sehen satt und glücklich aus. Mitten auf der Straße liegen noch Knochenreste. Wer auch immer heute Nacht hier gearbeitet hat, er hat einen guten Job gemacht und alle haben gefeiert.

Auf dem Weg zurück auf den Hügel kommen wir an einer Büffel-Gruppe vorbei, die die Mittagshitze unter kühlendem Buschwerk verbringt. Eine Gruppe Giraffen und ihre Babies schauen neugierig in unseren Wagen. Mit imposantem Gehörn protzt ein Kudu-Mann, seine Frauen werden ihn sehr bewundern dafür. Unten im Fluss baden Hippos zuhauf. Am Weg fotografieren wir einen Lizzard beim Lunch. Lunch ist ein gutes Stichwort.

Richard bringt uns zur Picknick-Area und wir freuen uns an Hähnchenschenkeln, Erbsen-Bohnen-Salat, Kartoffel-Salat und Brot. Dazu Sparkling Wine – wie immer. Langsam taut Richard auf und wir kommen ins Gespräch. Unter dem Baum direkt neben uns liegt eine riesige Pythonhaut und zur Bestätigung, dass es wirklich Schlangen gibt, schlängelt eine fingerdicke pastellgrün gepunktete Wasserschlange an uns vorbei und verschwindet in den Ästen des Baobab. Ein bisschen fotoscheu turnt sie durch das Grün, immer wieder züngelt sie in nicht erreichbar Höhe und verbirgt sich fast perfekt. Während des Lunches zeigt die Belgierin auf meine Tattoos. Sie sei Hautärztin und ihr Job sei, diese Dinger mit Laser zu entfernen. Dann fragt sie Richard, was er denn von Frauen mit Tattoos hält und ob er sie schön findet. Häh? Sie will jetzt nicht wirklich den armen Kerl dazu bringen, ein negatives Statement über einen anderen Gast abzugeben. Die hat se nicht mehr alle. Aus Höflichkeit Richard gegenüber verkneife ich mir einen Kommentar und denke mir meinen Teil.

Weiter geht es nach der Pause, wir brauchen noch etwa eine Stunde bis zum Bootshafen. Jetzt ist unser bestes Unterhaltungs-Programm Claude-Marie. Nicht nur, dass sie sich halbstündlich mit verschiedenen Cremes salbt, nein, sie schminkt sich regelmäßig nach, bemalt sich die Lippen und tauscht aus einer der drei!!! auf den Jeep mitgebrachten Louis-Vuitton-Täschchen den Schmuck. Zu Schluss hängt irgendwie alles an ihr, sie sieht aus wie ein verzerrter Weihnachtsbaum.

Am Boot angekommen wartet eine fantastische Stunde auf uns. So nah waren wir noch niemals an Krokodilen und vor allem nicht an Exemplaren dieser Größe. Der ganze Fluss scheint aus Schuppen zu bestehen, immer wieder findet man die Reptile aus einer anderen Zeit, am Ufer, auftauchend im graudunklen Nass des Chobe.

Krokodil, Daniela Seegardel

Das Boot ist bequem, Richard ein guter Käptn. Sehr nahe kommen wir auch an die Hippos. Zu nahe meint eines und greift uns an. Ich mach mir fast in die Hose, aber Richard gibt Gas und bringt uns sicher aus der brenzligen Situation heraus. Immer wieder sehen wir Störche, Marabus, Büffel, Kudus, Antilopen und natürlich Hippos und Krokodile. Viel zu schnell sind die eineinhalb Stunden vorbei.

Claude-Marie allerdings schminkt sich, stöhnt, sortiert ihre Handtäschchen durch und … feilt sich die Fingernägel. Nä – is Afrika laaangweilig. Die spinnen die Belgier.

Zurück am Ufer will sie nur noch heim und so geht es über die Holperstrecke auf den Asphalt hinaus und in einer Stunde in die Lodge zurück. Wir durchleben unser allabendliches Ritual: duschen, zurechtmachen, zum Abendessen gehen.

In der Main Hall sehen wir nicht nur die ersten Elefanten des Tages … sie ziehen pünktlich zur Sundowner-Zeit unterhalb der Lodge vorbei, sondern wir erleben auch einen Vorgeschmack auf die heavy raines, die Regenzeit, die aus der vertrockneten Ebene dort unten saftiges gesundes Land machen wird. Der Donner grollt, Blitze zucken und der Regen taucht den Horizont in graue Farben. Beeindruckend, beängstigend und trotzdem wunderschön.

Elefanten von hinten, Daniela Seegardel

Das Essen erwähne ich nur beiläufig, denn mehr ist leider nicht drin in der Bewertung. Zumindest werden wir hier nicht weiter zu nehmen. Aber die Mitarbeiter sind lieb und bemüht und der Platz der Lodge einfach wunderschön.

Danke Ngoma – für heute bin ich mehr als versöhnt.

08.11.2014 – Live Kill und Elefanten satt

Guten Morgen in der Ngoma Lodge. Früh weckt uns der Morgen mit zauberhaftem Licht durch die Scheiben unseres Fensters. Direkt davor steht ein neugieriger Pavian und beglotzt die Touristen im Bett, sucht dann aber desinteressiert das Weite, ich hab halt keinen roten Po – uninteressant für ihn. Kurzes Kichern, strecken und räkeln und dann heißt es aufstehen zum letzten Safari-Ausflug dieses Urlaubes.

Nach short breakfast erreicht uns die gute Nachricht: die Belgier geben auf, sie haben „rearranged“ und wir sind mit Richard allein auf dem Vehicle. Jaaaaa – es gibt eine höhere Macht. Danke. Um zehn nach acht hoppeln wir also auf dem riesigen Landcruiser los und freuen uns auf die Dinge, die uns erwarten. Denn wir erwarten nix und umso schöner wird es.

Zuerst beginnen wir mit dem unvermeidlichen langen Weg über die Asphaltstraße und irgendwo im Nirgendwo biegt Richard vom grauen Band ab auf die Staubstraße Richtung Buschwerk. Den langen Weg ins Tal durchfahren wir wieder ständig wechselnde Landschaften. Nach den gestrigen Regenfällen durchziehen zwischen tot aussehenden Bäumen immer wieder knospende, grünende Areale das Gebiet. Allgegenwärtig scheinen die zauberhaften Impalas. Hier und da lugt ein Büffel durchs Dickicht.

Am Fluss angekommen mehren sich die Impala-Herden, zu dreißig, vierzig Tieren genießen sie das Grün unter ihren Hufen. Ein Water Monitor schlängelt sich durchs niedere Gras, Fischadler finden sich hier zuhauf. Imposant thronen sie in den Bäumen über dem Wasser und warten auf ihren Moment zuzuschlagen und sich einen Bissen aus dem Wasser zu fischen.

Schreiseeadler, Fish Eagle, Daniela Seegardel

Eine große Familie Paviane ruht unter zwei Büschen in Wassernähe. Ein Baboon liegt mit dem Kopf im Schoß eines anderen, Babies rangeln und klettern an Lianen, zwei Tiere kraulen und schmusen sich. Eine Mutter drückt ihr Kleines an sich, es kann nur wenige Wochen alt sein. Friedvoll mustert sie ihr Kind. Möget ihr eine sorgenfreie Zukunft haben, ihr schönen Tiere.

Pavianmutter mit Baby, Daniela Seegardel

Wir fahren weiter und das Schicksal beschert uns einen Live-Kill der besonderen Art. Ein Hammerkopf = Hamerkop (Wasservogel) hat sich einen Frosch geschnappt und bringt ihn flott um die Ecke. Dann klopft er das arme Viech, das glücklicherweise schon im Nirvana ist und nichts mehr mitkriegt, auf Steinen und Erde windelweich. Er muss sicher gehen, dass alle Knöchelchen gebrochen sind, denn im Vergleich zu Schnabel und Schlund des Vogels, wo die Beute durch, muss ist der Frosch riesig. Zwischendurch taucht er es mehrfach lecker durchs Wasser. Richard meint, er tauft es noch flott, ist wohl ein katholischer Vogel. Und dann beginnt die harte Arbeit. Hier bekommt der Ausdruck „ich hab einen Frosch im Hals“ eine ganz neue Bedeutung. Denn etwa fünf Minuten lang würgt und schluckt und reckt der Vogel den Hals bis auch bis zum letzten Froschschenkel alles unten ist. Na Mahlzeit.

Hamerkop, Hammerkopf, Daniela Seegardel

Links neben dem Hammerkopf hat in einem Zehntel der Zeit sich ein schwarzer Storch eine große Schnecke zerrupft und in Einzelteilen verspeist. Irgendwie krieg ich Hunger, aber bis zum Lunch ist noch ein bisschen glaub ich.

Wir cruisen weiter am Fluss entlang Richtung Picknick Area (hat mein Magen echt laut geknurrt?). Da ist aber noch ziemlich voll, es steht allerdings auch ein befreundeter Guide da, der Richard den Standort eines kleinen Löwenrudels verrät. Das lassen wir uns nicht zweimal sagen und fahren weiter. Zwanzig Minuten später beobachten wir recht nah an der Straße sieben Löwen, die in der Mittagshitze Schatten unter einem Busch suchen. Aktivitäten gibt es hier keine zu beobachten. Leider liegen die Tierchen auch zu weit weg um richtig gut zu fotografieren. So genießen wir einfach eine Viertelstunde das dabei sein, aber dann geht es zurück zur Picknick-Area. Ich hatte ja vom Löwen-Hunger gesprochen oder?

Richard deckt uns den Tisch unter einem riesigen Baum und wir futtern was das Zeug hält. Das Dinner abends ist ja net so dolle, aber was an Fingerfood gezaubert wird ist excellent und immer wieder neu. Leckere Salate, Gemüse, dazu Biltong oder Burewurst. Und immer wieder der obligatorische Sparkling Wine (es ist nach zwölf, hallo?).

Wir haben allerdings ungebetene Gäste. Zwei Äffchen ziehen alle Register. Von Angriff über die Äste über uns bis zum mops-typischen „Ich hab seit Jahren nichts gegessen und du bist soooo böse-Blick“ ist alles dabei. Wir füttern aber nicht. Es gibt Essen satt außenrum was ihnen besser bekommt und Schokolade ist nix für Affen, obwohl die ganz anderer Meinung sind.

Langsam müssen wir zurück und nun beginnt Richard zu zaubern. Denn anders kann ich es mir nicht erklären. Seit zwei Tagen warte ich auf die Elefanten-Herden Botswanas, doch es lässt sich kein Rüsseltier blicken. Auf dem Rückweg zeigen sie sich. Sie durchqueren die Steppe, kühlen sich unter Bäumen und kreuzen unsere Wege. Viermal stoppen wir und mein Herz klopft bis zum Hals. Welche wundervollen starken zarten mächtigen und doch machtlosen Geschöpfe. Danke Botswana, dass du sie mir noch geschickt hast.

Auf dem Rückweg kreuzt noch eine Herde Zebras über die Asphaltstraße und wir sind mehr als glücklich über diesen Tag. Zurück an der Lodge haben wir lange lange Zeit. Zum schreiben, sparkling wine trinken (ja wir haben unseren Ruf schon weg) und einfach abhängen. Wir sitzen in der Bar, sortieren die Bilder und machen den neu angekommenen Franzosen den Mund wässrig. Die wollen jetzt nur noch auf den Fluss und die Hippos und Krokodile sehen.

Das Abendessen trifft das erste mal auch Jörgs Geschmack so richtig. Und wir genießen keinen Starter, aber dafür einen guten Hauptgang mit Beef & Pork und hinterher einen richtig leckeren Apple Crumble mit ca 280 Kalorien pro Gabel. Bei der allabendlichen Zigarette lernen wir ein belgisches Pärchen kennen und reden noch ein halbes Stündchen. Wieder einmal sind wir die letzten und das um zehn Uhr abends, die zu Bett gehen.

Gute Nacht Ngoma – wider Erwarten war es sehr schön bei dir. Wir hatten einen Scheiß Start aber die letzten zwei Tage haben alles wett gemacht.


09.11.2014 – Zuhause unterwegs

Wir wachen vom Morgenlicht auf, es ist schon sieben. Duschen, anziehen und packen. Danach Frühstück. Heute geht es auf den langen Weg Richtung Capetown. Unsere Transfer-Company Bushtracks soll uns angeblich heute um neun hier in der Lodge abholen. Unser Reiseplan sagt da zwar was anderes, nämlich dass wir einen Transfer nach Kasane brauchen und von dort weiter gebracht werden. Das haben wir auch der Lodge Managerin gestern Abend gesagt und wurden informiert: nein – Abholung hier bei uns um neun.

Als um zehn nach neun allerdings immer noch keiner von Bushtracks da ist, checkt unser Lodgemanager nochmal. War wohl ein Fehler – wir hätten um zehn in Kasane sein sollen. So fährt er uns selbst dorthin und liefert uns wohlbehalten am Airport ab bei einem Fahrer namens Mmm, der keine Anstalten macht aus dem Bus zu steigen und uns mit dem Gepäck zu helfen.

Auf dem Transfer zur Grenze bleibt er auch sprachlos, stört aber nicht. Hier werden die Formalitäten schnell erledigt und dann liefert uns Mmm an einem Boot der Bushtracks ab mit einem Captn names Brookes. Der ist klasse. Erzählt ein bisschen was, ist gut gelaunt. Wir queren den Zambezi River, vor uns ein paar Hippos. Ein Dreiländereck zwischen Namibia, Botswana und Zambia. Hier wird der Transfer noch auf der Fähre gemacht. Auf unserer Seite war kein Betrieb. Aber auf der anderen Seite parken wir das Boot, packen uns die Sachen und suchen zwischen unzähligen LKW, die auf ihre Fähre warten das Immigration Center. Voll ist es hier von Fahrzeugen und Menschen. Stickig, überall hängt der Benzingeruch in der Luft und die Leute sind angenervt.

Bei uns geht es schnell. Wir zahlen 50 Dollar pro Nase für das Transfer Visum. Dann übernimmt uns ein weiterer Kleinbus mit einem netten Fahrer, der uns bis Livingstone fährt.

Quer übers Land, an Hütten und Buschland, an Feldern und staubigen Wegen vorbei durchfahren wir das Land, etwa 75 km, damit 45 Minuten. Eine kurze Sightseeing-Tour durch Livingstone und wir erfahren neben historischen Daten auch ein bisschen was über aktuelle Politik. Der derzeitige Präsident ist gerade gestorben, der dritte von fünf, der während seiner Amtszeit das Zeitliche gesegnet hat. Ist wohl nicht gesund, hier Präsident zu sein.

Wir werden am International Airport abgesetzt. Neu gebaut thront er neben dem alten Domestic Airport und protzt mit seinen Errungenschaften. Wir checken ein. Der gebuchte Business-Flug wird ein Economy down grade. Wir können ja gerne die SA dafür verantwortlich machen, denn die Business-Class sei voll ausgebucht belehrt uns der Mensch am Counter. Als wir im Flugzeug sitzen stellen wir fest, dass der Typ lügt wie gedruckt. Die Business ist nur halbvoll, aber jedes Paar, das da vorne sitzt hat drei Plätze für zwei Personen. Auch egal. Sind ja nur zwei Stunden.

Das Flugzeug Essen ist lecker – wird aber nur halb verputzt, denn heute Abend sitzen wir an der Waterfront und da wird gegessen. Landung in Jo'burg. Kurz vor der Landung sagt ein Pärchen in breitestem Sächsisch hinter uns: „Gug emoool, da is än Fliiescher ohne Flüschel“. Mich zerreisst es fast und wir müssen raus hier. Busfahrt zum Airport. Abholung des Gepäckes, Checkin bei den Domestic Flights, Drop Off des Gepäckes und Sicherheitskontrolle. Danach ein kurzes Bier in der Nähe unseres Gates. Mit einem kleineren Fliescher der SA bewegen wir uns weiter gen Capetown für die nächsten drei Nächte. Endlich. Hier gibt’s dasselbe Essen wie im letzten Flugzeug wieder, aber wir lehnen dankend ab.

In der untergehenden Sonne erscheint zu unseren Füßen Kapstadt, überwacht von Tafelberg und am Ufer des Atlantik. Das Herz macht kleine Sprünge und wir wollen nur noch eines: an die Waterfront. Davor haben die Allmächtigen die Immigration (flott und komplikationslos), die Abholung durch den Shuttle Service (flott und komplikationslos) und den Checkin ins Hotel (flott und komplikationslos) gesetzt.

Unser ehemals geliebtes Commodore-Hotel ist ein bisschen in die Jahre gekommen, die Teppiche fleckig, die Waschbecken zerkratzt, alles in allem wirkt es ein wenig herunter gekommen. Die Beleuchtung im Aufzug ist nur teils vorhanden, auf den Knöpfchen darf man das Stockwerk erahnen und unser Zimmer hat erstmals keinen Blick auf den Tafelberg sondern in einen langweiligen Innenhof. Zudem hören wir auch nachts, recht leise allerdings, den Lift brummen. Viel schlimmer ist: wenn unten in der Küche Pommes fritiert werden haben wir auch was davon, zumindest olfaktorisch.

Ganz ehrlich? Bei jedem anderen Hotel in der Preisklasse würde ich jetzt Amok laufen. Aber es ist halt unser Commodore. Also grins ich mir eins und hüpf gleich nach meinem Ehegatten durch die Dusche, wir ziehen uns leger an und machen uns auf den Weg an die Waterfront.

Hier hat sich – wie überall in der Stadt – einiges verändert. Es ist viel gebaut worden, einige Läden haben geschlossen, andere neu aufgemacht. So wie anderweitig auf der Welt auch. Der Wind fegt um die Ecken und zerrt an unseren Haaren. Staunend stehen wir vor einem Riesenrad in Form einer Schneeflocke und einem millionenfach glitzernden riesigen Weihnachtsbaum aus Draht und Glasperlenschmuck mit unzähligen kleinen Lichtern. Wir laufen einmal um die Waterfront herum. Auch den Robben ist es zu windig – der Sturm nimmt immer weiter zu.

Daher beschließen wir den Abend im Mitchels Pub zu verbringen, bei Bier und Pizza (mittlerweile weiß ich, dass meine Nachurlaubsdiät dramatische Ausmaße annehmen wird). Trotz Böen in Windstärke fegmichweg sitzen wir draußen, klammern Bier und Pizza in kühle Hände und lachen uns ins Fäustchen. Mach ruhig Gevatter Wind – ist uns doch egal. Wir sind in Kapstadt.

Kapstadt, Waterfront bei Nacht, Daniela Seegardel

Müde fallen wir um halb zehn ins Bett. Einen Wakeup Call haben wir auf sieben Uhr bestellt, unser Cabrio wird um acht geliefert, danach wollen wir zu unserer Tagestour aufbrechen.

10.11.2014 – Küstenweg im Sturm

Der Weckruf kommt leider nicht und so blinzeln wir um halb acht verschlafen auf den Radiowecker. Na gut. Dann eben ohne Hilfe. Aufstehen, duschen, anziehen – wir wollen gerade zum Frühstück, da kommt der Anruf der Rezeption. Nicht der verspätete vereinbarte Weckruf, nein, unser A4 Cabrio wartet auf uns. Jörg nimmt die Papiere an sich und stellt fest, dass unsere internationalen Führerscheine seit drei Jahren abgelaufen sind. Hoffentlich geht das mal gut.

Mietwagen

Zwanzig Minuten später ist er wieder da, die white lady II ist nun unser zumindest für zwei Tage. Der Typ wollte nur Reisepass und normalen Führerschein sehen (vielleicht gelten die Kartenführerscheine ja jetzt auch international, müssen wir uns zuhause mal erkundigen).

Intercontinentales Frühstück: Spiegelei und Tee, Pancake und Saft. Kaum eine halbe Stunde später machen wir uns auf den Weg die Atlantik Küste entlang Richtung Hermanus. Der Wind von gestern hat noch ein bisschen zugelegt, wir haben 20 Grad Außentemperatur. Aber wir sind ja keine Weicheier, also: Dach auf, Schal um die Gurgel und losfahren. Zumindest Sonnenschein haben wir … noch.

Aus dem Zentrum Kapstadts hinaus immer die Beach Road entlang freuen wir uns über unseren verlängerten Sommer. Das Meer tost und braust, schmeißt riesige Gischtwellen an Land und der Wind fegt über den Ozean. Leider stoppt der Wind nicht am Ufer sondern fegt auch immer wieder über Land. In Hout Bay wollen wir eigentlich aussteigen zum bummeln, hier ist der Sturm so stark, dass Jörg nach zwei Schritten außerhalb des Autos sandgestrahlt aufgibt. Er flüchtet zurück in die white lady, schüttelt den Kopf. Nein, der Hafen hier soll zwar recht hübsch sein, aber das ist es nicht wert. Wir bedauern die Bauarbeiter die sich verzweifelt auf einer Leiter !!! festklammern und versuchen ein Dach zu reparieren, bei den Böen ein nahezu unmögliches und auch gefährliches Unterfangen.

Kalk Bay liegt etwas windgeschützter. Hier wollen wir bleiben. Jörg schraddelt leider beim einparken die vordere rechte Felge an (das gibt eine nette Nachzahlung bei der Fahrzeugmiete). Wir sind zwar nicht gerade erfreut darüber, lassen uns aber den Tag auch nicht verderben. In Kalk Bay findet man viele kleine Shops und Lädchen voller Tand und Tinnef, Kleidergeschäfte mit exzellenten Damenklamotten (shopppiiiiiiiiing) und den Geruch von Vintage und Räucherstäbchen überall. Eine History Road geht schulterschmal und steil den Berg zwischen zwei Häuserreihen hinauf. Im Gezeitenpool, den man durch eine Unterführung zwischen zwei Häusern erreicht kann man sicher schwimmen, muss man aber nicht. Die Brühe sieht grauenhaft aus. Trotzdem bereitet sich eine alte Dame mit rosa Badekappe auf den Einstieg ins kühle Nass vor.

Wir schlendern noch ein bisschen, dann fahren wir weiter die Küste entlang – immer mit einem Auge im tosenden Graublau des Atlantik auf der Suche nach Walen. Denn die springen hier zu dieser Jahreszeit ganz gern mal aus dem Wasser. Denen ist es aber offensichtlich heute auch zu stürmisch, oder wir sehen die sanften Riesen vor lauter Wellen und Gischt nicht. Wie dem auch sei, uns zieht es weiter.

Kurz nach eins halten wir zu einer Weinprobe auf dem wundervollen Gut Vergelegen in der Nähe von Summerset West. Das Weingut ist traumhaft schön, die Sonne scheint uns auf die Nasen, der Wind lässt kurzzeitig nach und die Weine sind excellent. Dazu haben wir einen hervorragenden Berater erwischt der uns über Trauben, Reifungsarten, Komposition und Handwerk mit viel Witz und Hingabe aufklärt. Ihm hören wir gerne zu, erfreuen uns an den edlen Tropfen und nehmen mal den Bestellschein mit. Davon mag ich zuhause auch noch was haben. Hicks.

Weinprobe

Mittlerweile ist nicht nur Sturm, sondern es zieht sich auch immer weiter zu. In Gordons Bay legen wir einen kurzen Fotostopp ein, unsere Bären Jogi und Loisl (die unbedingt mit Cabrio fahren wollten) liegen mittlerweile bei solchen Stopps im Fußraum, damit sie nicht davon geblasen werden. Apropos davongeblasen, das schafft der Sturm aber fast mit uns. Jörg schlägt eine Windbö mit Macht nach vorn gegen ein Mäuerchen – der blaue Fleck hinterher sieht nach einem Kampf gegen einen Zweimeter-Quarterback aus. Mir knallt die Tür des Audi beim Einsteigen gegen das Schienbein, die Farbe wird auch sehr interessant.

Hout Bay, Kapstadt

Die Wolken rasen über den grauen Himmel und wir beschließen nicht bis Hermanus durchzufahren. Allein die Pinguine in Bettys Bay möchten wir noch besuchen. Fest eingepackt in Regenjacken trotzen wir der Witterung und schlagen uns durch zu den Piepmätzen, die sich hinter Steine ducken und aneinander kuscheln. Die Babies verlieren gerade den Rest ihres Kinderflaumes, hier und da zeigt sich schon das lackschwarze wasserdichte Erwachsenen-Gefieder. Die beneiden wir heute echt nicht. Wir machen ein paar Fotos, staunen hier und freuen uns da, doch dann jagt der unerbittliche Wind uns zurück ins Auto.

Pinguine, Betty's Bay, Kapstadt

Zehn Meter bevor wir die white lady erreichen bewundere ich gerade noch die Möwen, die hier im Sturm segeln als sei es eine Leichtigkeit, bis – ja bis uns eines der Viecher vollscheißt. Jörg auf Kopf und Jacke, Volltreffer, bei mir Jacke und Hose, Querschläger. Wenn ich den Broiler erwische, denk ich noch, aber das blöde Vieh flüchtet laut lachend durch die Windböen und freut sich über seine Heldentat.

Uns reicht es jetzt endgültig. Mit Taschentuch und Meerwasser beheben wir die größten Schäden. Dann zurück ins Auto. Bei 16°C schließen wir das Dach und wollen nur noch zurück ins Hotel. Über die N2 sind wir eine gute Stunde unterwegs. Der Highway ist schon was Besonderes, sehr gesittet fahren die Afrikaner, keiner drängelt, keiner hupt, keiner behindert den anderen. Am besten finde ich die Leuchtschilder: Bitte auf die Fußgänger achten, die Straße ist für alle da.

Und tatsächlich, auf dem Seitenstreifen laufen ab und an Leute. Die vierspurige wird sogar von einigen ganz mutigen überquert. Ist aber auch kein Wunder, sondern für viele einfach eine Notwendigkeit, die Menschen haben nicht die Wahl. Zu unserer linken zieht sich über viele Kilometer ein rieisiges Township, in welches die Bewohner nach getaner Arbeit zurückkehren. Wer in einem Township lebt, hat seltenst ein Auto und so wird der Weg zu Fuß gemacht. Da muss auch ein solch gefährliches Hindernis wie eine Autobahn überwunden werden. Wieder einmal bin ich dankbar für mein wundervolles Leben und hoffe, dass dem ein oder anderen Bewohner dieses Townships der Weg in eine bessere Zukunft nicht versperrt bleiben wird.

Kurz vor Kapstadt haben wir wieder 22 Grad. So erreichen wir mit wieder geöffnetem Dach das Hotel. Wir waschen uns den Sand vom Körper, schreiben, lesen und ruhen ein wenig.

Gegen Abend wird der Wind moderater. Wir nehmen unser Dinner bei Belthasars an der Waterfront ein, draußen unter Heizstrahlern. Bei hervorragendem Strauß und Game-Kebap (da freut sich Jörg schon darauf, seit wir Kapstadt wieder auf der Reiseliste haben). Der Wein ist lecker, der Abend schön und reichlich bettschwer verziehen wir uns schon um neun in die Federn. Nichtstun ist anstrengend.

11.11.2014 – Kapholländisches Erbe und edle Reben

Auf den Weckruf haben wir heute verzichtet, den vergessen die ja eh. Wir machen uns fertig für die Überlandfahrt in die Winelands um Stellenbosch. Das Frühstück gibt eine gute Grundlage, denn wo Alkohol ohne Reue rein soll muss etwas vorgearbeitet werden.

Wir sitzen wieder draußen im Innenhof neben dem Frühstücksraum. Ein weiterer Wermutstropfen fällt in unser Gemüt, es ist mehr als ein kleines Manko. Was mich immer wieder an diesem Hotel gereizt hat war das afrikanische Lächeln und die Offenheit der Menschen, die Gastfreundschaft die das Hotel für mich stets ausgestrahlt hat. Heute ist davon nicht viel zu spüren. Die Kellner sind gut trainiert was die Handgriffe betrifft, aber sie lächeln nicht. Es ist nur noch ein Job, wie bei so vielen anderen. Schade. Das werde ich wirklich vermissen.

Ein böse dreinblickender Mann füttert mit sturem Blick die Kois, die im Teich warten. Sie schlürfen gierig hinein was sie bekommen und das Wasser braust um sie herum. Ein Lichtblick ist ein einziger netter Kellner, der uns immer wieder mit Zwinkern in den Augen den Kaffee auffüllt. Wir schauen nach dem Frühstück noch kurz hoch an den Swimmingpool. Obwohl wir hier bereits das vierte Mal wohnen, waren wir dort oben noch gar nicht. Neben dem Pool finden wir ein gut eingerichtetes Gym, in dem wir – wären wir nicht faul und vollgefressen – uns den Speck der letzten Tage hätten abtrainieren können.

Machen wir aber nicht, statt dessen machen wir uns auf den Weg, um unseren Bauchumfang noch ein wenig zu erweitern und die Leberwerte zu verschlechtern. Das Dach am Cabrio öffnen wir, der Wind ist so gut wie weg. Es ist noch ein wenig diesig aber im Laufe des Tages belohnt die Capregion unseren Mut ein Cabrio zu buchen mit traumhaften Sonnenschein und bis zu 26 Grad.

Bis Sommerset West nehmen wir die N2, die dahinter immer schmaler wird und sich den Sir Lowrys Pass hinaufschlängelt Richtung Franschhoek. Die Landschaft ist geprägt von Felsen, Voralpenland gleich und Obstbäumen. Wie die Soldaten stehen sie links und rechts der Straße über Kilometer Spalier. An den Zäunen der Obstplantagen wachsen Rosenhecken in allen Farben. Es muss zauberhaft sein, wenn die Zeit der Apfelblüte beginnt und die Gegend in ein Blütenmeer eintaucht.

Weiter geht es über eine Nebenstraße durch zerklüftete Felslandschaft, an kleine Seen vorbei und immer höher bis über den Viljoens Pass. Unterhalb von Franschhoeck schimmert riesig der Theewaterskloof Dam, ein gewaltiges Wasserreservoir für die umliegenden Städte und Ortschaften. Langsam übernehmen Reben die Herrschaft über die Obstbäume und begleiten uns weiter an den Hängen der Berge, die wir auf dem Franschhoekpass überqueren bis in den gleichnamigen Ort hinein.

Hier fahren wir erst einmal durch die Hauptstraße, vorbei an Kapholländischen Gebäuden, denen man die Historie weithin ansieht. Gemütlich sieht es aus und heimelig. Überall blühen Sträucher und Bäume, der Frühling hat Einzug gehalten und kündigt den Sommer mit aller üppigen Blütenpracht an. Wir fahren zurück an den Ortseingang. Hier nehmen wir ein Tasting beim Weingut Haute Cabriere ein. Eigentlich berühmt für seine Schaumweine finden wir das ganze allerdings gar nicht so berühmt. Jörg war da vor zwölf Jahren schon mal, da hieß das gut noch Clos Cabriere und war klasse, auch was das Tasting betraf.

Daniela Seegardel, Haute Cabriere Winery, Franschhoek

Der Ausblick von der Terrasse ist einmalig, der Keller, in dem die edlen Tropfen gekelltert und gelagert wird, historisch und Imposant. Allein diesen Eindruck bestätigen die Weine leider nicht. Sie sind flach und nichtssagend. Alles wird aus einem einzigen Glas serviert, in das immer wieder nachgegossen wird. Na ja. Davon brauchen wir nichts. Wir danken recht freundlich, bezahlen unseren Obulus und fahren weiter.

Der Weg führt uns an Paarl vorbei nach Wellington. Eigentlich haben wir einen weiteren Pass fahren wollen, der beginnt aber leider erst hinter Wellington und so viel Zeit haben wir nicht mehr. Wir möchten nach Fairview bei Paarl, einem wunderschönen Weingut, das uns vor vier Jahren bereits bezaubert hat. Wir müssen ein bisschen suchen (auch das kennen wir schon vom letzten Mal) aber dann taucht das gelobte Land vor uns auf.

Ein Ziegenturm vornedran auf dem bis in fünf Metern Höhe auf Holzplanken eine Ziege nebst Bock gelassen herumstolzieren. Dahinter Restaurant und Weingut, Tastingkeller und Ziergarten. Im Restaurant lassen wir uns mit selbstgemachtem Ziegenkäse verwöhnen, dazu ein Panini mit Trout (ich dachte es wäre Truthahn, neeee, das ist ja Turkey, Trout ist Lachsforelle … auch lecker) und ein Schale Oliven. Selbst gebackenes Brot und Sparkling Wine sind die Grundlage für das nachfolgende Tasting. Sechs hervorragenden Weine später - wieder begleitet von diesem unglaublich aromatischen Ziegenkäse - fahren wir mit dicken Bäuchen zurück Richtung Kapstadt. Heute müssen wir packen, denn morgen reisen wir leider schon wieder weiter.

Ob ich das Commodore noch mal buchen würde? Ja wahrscheinlich, aber nur noch aus rein historischen und ganz privaten Gründen. Wirklich empfehlen kann ich es im Moment nicht. Zurück im Zimmer ignorieren wir Pommes-Geruch und Geräusche aus dem Nachbarzimmer (wir haben nämlich den zweiten Teil eines Familienzimmers bekommen) und machen uns an die tägliche Arbeit, dann packen wir. Und machen uns auf in den letzten Abend hier in unserem Far-away-home Kapstadt.

Wir laufen runter an die Waterfront. Diesmal den traditionellen Weg … erst zum Hafen rechts wo das Clock Tower steht. Über die kleine Holzbrücke, die für jedes einfahrende Schiff beiseite gedreht wird, bis zum Einkaufszentrum auf der anderen Seite. Das Clock Tower ist frisch gestrichen und erstrahlt in sanftem Ockergelb. Aber das Einkaufszentrum dahinter wirkt wie ausgestorben. War es vorher voll mit Shops und Restaurants so finden wir jetzt kaum noch Leben darin. Noch denken wir, es wird vielleicht renoviert. Auf der rechten Seite davon stand früher der stets gut gebuchte Paulaner. Auch den gibt es nicht mehr, das Gebäude ist eingerüstet.

Wir schlendern zurück und gehen die komplette Waterfront entlang. Der Tannenbaum glitzert und strahlt, die Restaurants sind ansehnlich besucht und das an einem Dienstag Abend um halb acht. Überall hängen die Plakate von der Segelmeisterschaft, die hier gerade statt findet. Ein prächtiger Katamaran namens Tigers parkt vorsichtig neben einem tollen alten Holzsegler ein. Wir laufen weiter und schauen uns das Hotel am Ende der Waterfront, das Table Bay an, erst von außen und dann laufen wir kurz noch mal durch die Lobby, als würden wir da hingehören. Der Charme eines Adlon verstrahlt Würde und Gediegenheit. Da müssen wir mal die Preislisten checken. Hammer, das Teil.

Zurück geht’s in der „oberen Etage“ der Waterfront vorbei an den Terrassen-Restaurants und zurück bis ins Mitchells. Da hat Kapstadt für uns begonnen, da soll es enden. Für dieses Mal zumindest. Bier und Whisky, Zigaretten und Sport auf dem Fernseher, Leute gucken, lachen, Spaß haben. Um halb zehn müssen wir aber zurück.

Wir gehen ins Hotel, bezahlen was noch zu zahlen ist und legen uns in die Falle. Der Wakeup Call kommt hoffentlich pünktlich, zusätzlich haben wir den Wecker gestellt.

12.11.2014 – Himmel im Ozean

Die Nacht ist kurz und unruhig. Um fünf Uhr morgens klingelt erst der Hausservice per Telefon, dann der Wecker. Raus, Zähne putzen unter der Dusche, anziehen, die restlichen Sachen in den Rucksack und runter wanken an die Rezeption. Die Dame dort nimmt den Schlüssel entgegen, druckt uns die Rechnung ab und wir geben ihr den Auftrag, sie möchte bitte den Menschen von Avis luxury cars anrufen, damit wir unser Auto in der Drop off zone abgeben können. Wie sollte es anders sein, sie vergisst das natürlich, aber die netten Herrschaften nehmen die white lady II trotzdem entgegen.

Mit unserem Gepäck geht’s zum Checkin, das dauert hier ewig, es sind nur vier Schalter offen und die Herrschaften kaspern rum. Endlich sitzen wir am Gate C9 und warten auf den Abflug nach Johannesburg. Jörg hat Kaffee und Latte Macchiato besorgt, langsam werden wir wach. Boarding geht schnell und schon sitzen wir im Flugzeug nach Jo'burg. Der Flug ist rumpelig, Turbulenzen verursachen Herzklopfen. Landung im Nieselregen und dicken Wolken bei 14 Grad. Hoffentlich ist es in Mozambique schöner.

Auf dem Weg quer durch den Terminal finden wir einen unbeaufsichtigten Koffer neben einer Mülltonne. Wir sagen zwei Polizisten Bescheid und hoffen, dass sie sich schnell drum kümmern. Solche Funde lösen stets Unbehagen bis Angst bei uns aus.

Im Terminal A warten wir auf den Weiterflug. Checkin um 10:45, um 11:15 soll es weiter gehen. Das tut es nicht ganz. Der Flieger ist eine halbe Stunde zu spät gelandet. Das boarding erfolgt um 11:45 Uhr, aber der Captain fliegt die Verspätung wieder rein und um 13:17 landen wir mit Air Link in Vilancoulos. Hier funktioniert dank des vorab beantragten Visums die Immigration recht schnell und kaum eine halbe Stunde später machen wir uns mit einem schwarzen Colibri, einem Helikopter gemeinsam mit einem jungen Pärchen auf den Weg nach Benguerra.

Der Kolibri hebt ab und unser Blick wird magisch angezogen von der Wasserlandschaft unter uns. Was soll ich sagen – ein kleiner Himmel auf Erden am Indischen Ozean erwartet uns. Azurblaues Meer, durchzogen mit dem Vanillegelb der Sandbänke umschwärmt die Insel Benguerra. Nach zehn Minuten Flug werden wir auf der Insel von den Mitarbeitern der Azura Lodge willkommen geheißen.

Helikopter, Daniela Seegardel

Der Fußweg zur Lodge ist kurz, die Sicht schon von der Eingangshalle wundervoll. Die Mitarbeiter sind unglaublich freundlich. Unser Host, unser Gastgeber Jonas kümmert sich liebevoll um uns und bringt uns in unsere Infinity Villa. Das Bett thront unter Moskitonetz inmitten der Villa. Außendusche, Baderaum und die gesamte Einrichtung ist kaum zu toppen. Vor unserer Villa zieht sich ein Pool Richtung Indischer Ozean. Umsäumt von diversen Liegemöglichkeiten inklusive eines runden Außenbettes direkt vor dem Meer.

Azura Zimmer, Daniela Seegardel

Der Champagner ist gekühlt und wir fühlen uns unverschämt dekadent, überbordend aufgeregt, einfach unglaublich gut. Ich könnte quietschen vor Spaß. Na ja, was heißt könnte – aber uns kennt hier ja keiner. Wir packen aus, waschen ein paar Klamotten. Dann trinken wir Sparkling Wine im Pool und schwimmen trotzdem noch hinaus in die warme Geborgenheit des unglaublich wunderschönen schmeichelnden zart wispernden indischen Ozean. Wir lernen im Meer beim Small Talk einen weiteren Gast kennen und lassen uns einfach treiben. Tagtraum ...

Zur Sonnenuntergangszeit bewegen wir uns Richtung Bar. Hier erfreuen wir uns am Blanc de Blanc aus dem Weingut der Besitzer (die, wie ich erfahre, Engländer sind, ein Weingut in Frankreich haben und in Südafrika leben; die machen es richtig).

Das Abendessen ist die Krönung dieses fantastischen Tages. Suppe und Starter vergesse ich schnell, denn sie werden von diesem unglaublich deliziösen Lobster auf Risotto einfach aus der Erinnerung verbannt. Kurz nach dem Hauptgang allerdings macht sich das definitive Zuviel an Alkohol bei mir bemerkbar und ich bekomme üblen, lauten, alle Romantik zerstörenden Schluckauf. Da hilft auch die Abendbrise nix und die Krabben am Strand. Ich will ins Bett. Und da gehen wir dann auch hin. Gute Nacht Azura – du bist ein kleiner Traum im Meer. Und ich werde von dir träumen … und aufwachen und gleich weiter träumen.

13.11.2014 – Hohe Wellen – ruhiges Tauchen

Wakeup Call um halb acht, dann ein kurzes Frühstück, die ersten beiden Tauchgänge stehen an. Den Guide Walter haben wir schon gestern Abend am Tisch kurz kennen gelernt. Er versorgt uns mit der notwendigen Ausrüstung, lässt alles aufs Boot bringen und gemeinsam mit einem blondroten Wikinger aus Iceland starten wir Richtung DiveSpot.

Die Wellen schlagen hoch und mehrfach dachte ich wir heben mit dem Boot gleich einfach ab, aber der Guide, der gleichzeitig heute unser Captain ist, hat alles gut im Griff und bringt uns sicher auf den richtigen Platz. Hier ziehen wir uns an, bekommen Hilfe bei den Jackets. Mit der Kamera in Position und klopfenden Herzen die erste Rolle rückwärts ins 26 Grad warme Wasser.

Der erste Tauchgang ist eher unspektakulär, wir brauchen auch ein bisschen bis wir wieder mit uns selbst unter Wasser vertraut sind. Wir sehen nicht allzu weit, die Wellen wirbeln die Sedimente auf. Ein dicker Napoleon und ein paar Schwarmfische, nix besonderes aber trotzdem angenehm wieder mit dem Kopf unter Wasser zu sein. Ein Stachelrochen tarnt sich im Sand, ein kleinerer Rochen schwimmt an uns vorbei. Der Wikinger muss nach einer halben Stunde hoch, Luft alle. Er taucht an der Boje hoch und wir dürfen noch ein bisschen bleiben. Nach weiteren zehn Minuten dockt Jörg an zum Luftklauen. Sei genehmigt, als ich auch auf 50 Bar runter bin tauchen wir gemeinsam auf. Das Aufs-Boot-Klettern ist hier die sportliche Variante, die Wellen zerren ganz gut an den Beinchen und nur bäuchlings kann ich auf den weißen Planken landen.

Moräne, Daniela Seegardel

Bis zum zweiten Tauchgang verbringen wir die Zeit auf dem schaukelnden schlingernden Boot. Diesmal ohne Tablettchen gegen Seekrankheit, funktioniert aber witzigerweise auch. Ich bleibe ruhig, konzentriere mich auf den Horizont und bin trotzdem froh als es wieder unter Wasser geht.

Der zweite Tauchgang macht weit mehr her. Beim Abtauchen umschwärmen uns schon die ersten Fische und nun zeigt sich Mozambique von seiner Angeber-Seite. Diese Größen an Napoleons, Barschen und vor allem Schildkröten hab ich noch nie gesehen. Auch ein beachtlicher Hai sucht sich seinen Weg am Riff vorbei. Ein Trompetenfisch schießt durchs Blau und ein Schaukelfisch schaukelt elfenweiß vor sich hin.

Nach vierzig Minuten ist das leider schon vorbei, denn durch meinen Versuch den Napoleon in der Höhle zu fotografieren bin ich leider, trotz vorheriger Computerkontrolle und Ansage ich hätte noch 23 Minuten Nullzeit, in die Deko-Phase geraten. Also bleibe ich nach Vorschrift auf sieben Meter für zwei Minuten und atme meine Stickstoffbläschen brav ab, weitere drei Minuten auf fünf Meter und wir sind wieder oben.

Die Wellen legen sich ein bisschen, aaaber: da isser wieder, der Wind. Der bläst ganz ordentlich auf der Rücktour und empfängt uns auch auf der Insel, die Palmen biegen sich. Irgendwie ist das der Urlaub des Windes.

Zurück an Land duschen wir kurz, waschen noch ein paar Klamotten und dann genießen wir den Lunch. Nochmal Lobster, diesmal in Pasta, uuunglaublich gut und mit einer weit geringeren Menge an Blanc de Blanc genossen bekommt er mir auch hervorragend. Nach dem Essen wird gearbeitet, denken wir zumindest. Leider wird hier das Wifi über Krabben-Leitung betrieben und die Viecher rennen halt nie dahin wo sie sollen. Das heißt im Klartext: ich poste mal nix mehr, glaub ich. Statt dessen Reisebericht schreiben und ein bisschen Whatsappen, das geht hier besser.

Und dann – wer weiß? Wir haben Urlaub und lassen uns treiben. Wir vergammeln den Nachmittag, Sundowner Cocktail im Pool und ein bisschen aufstylen für den Abend. Aber nur ein bisschen – also Kleidchen und barfuß. So passt das für uns. Das Essen ist hier excellent, leicht, gut gewürzt, abwechslungsreich und mit verschiedenen Weinen passend begleitet. Früh liegen wir wieder im Bett und lassen uns von Wind und Wellen in den Schlaf singen.


14.11.2014 – 5 Meilen und 2 Meilen

Aufstehen um sieben – kurzes Frühstück mit Croissant und frischem Orangensaft. Alles ruhig und gelassen.

Die Insel, die Lodge und ihre Mitarbeiter strahlen so viel aus. Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft, sie sind nicht übermäßig abgehoben höfllich, sondern einfach nett und super aufmerksam. Jeder hat hier ein Auge auf die Gäste. Es ist unglaublich wie gut das alles Hand in Hand läuft. Absoluter Luxus für uns Gäste, aber sicher harte Arbeit für die Mitarbeiter. Und trotzdem sind sie alle normal, man hat nicht das Gefühl von Stress oder zu viel Druck sondern davon, dass hier gründlich eingearbeitet wird und die Leute ihren Job auch mögen. Gefällt uns – sehr.

Aufs Boot gehen wir um halb neun und wieder einmal heißt es gut festhalten, wir machen uns auf, über die Wellen des Indik. Im azurblauen Wasser bewegt sich unser Boot schnell und mühelos. Heute geht es zuerst an das 5 Mile Reef – wo man sonst selten hin kommt. Die Wellen schlagen hier normalerweise recht hoch.

Heute lässt das Meer den Weg zu, also schnell anziehen, aufrödeln und Rolle rückwärts ins 26°C warme Blau. Der Tauchgang ist viel besser als gestern die beiden, auch wenn die Sicht zu wünschen übrig lässt. Fischschwärme, kleine und größere Muränen, Korallen die wie Gehirne aussehen. Angenehm langsam und ziemlich lang dümpeln wir durchs Riff um später mit viel Kraft (der Bootscrew) wieder an Bord gehievt zu werden. Ohne die käme ich die Leiter gar nicht hoch.

In der Oberflächenzeit fahren wir zurück, der zweite Tauchgang führt uns zurück ans 2 Mile Reef von gestern. Hier erwarten uns ein Blaupunktrochen, ein Krokodilfisch, zwei dicke Napoleons und eine Leopardenmuräne als Highlights.

Auf Azura kommen wir passend zum Lunch an. Zum Essen mag ich hier gar nichts mehr sagen – nur so viel: gegen Abend haben wir das Laufen am Strand wieder begonnen. Jörg joggt eine weite Strecke, ich mach einen zwei drittel Thriatlon, sprich ich ergänze Laufen mit Schwimmen im Indik.

Sundowner, Dinner – diesmal am Strand mit den Füßen im Sand und den Sternen über uns. Fantastisch. Und früh wieder zu Bett. Wir haben ja Urlaub.

15.11.2014 – Das hätte schief gehen können

Heute dürfen wir eine Stunde länger schlafen, die Gezeiten geben uns diesen Aufschub. Und das gibt uns Zeit für doch nicht länger zu schlafen, sondern wieder joggen und schwimmen zu gehen. Da schmeckt das Frühstück gleich noch besser, denn das schlechte Gewissen ist ein wenig beruhigt.

Zu viert geht’s per Boot wieder hinaus, diesmal ans 2 Mile Reef, aber südlicher. Direkt beim ersten Abtauchen wartet ein kapitaler Hummer auf uns, meine Einladung zum Abendessen schlägt er wegen niederer Beweggründe meinerseits aus und verzieht sich beleidigt in seine Grotte. Muränen verstecken sich in zwischen Korallen, Gorgonien und Felsen bilden eine bizarre wunderschöne Unterwasserlandschaft. Die Wellen hindern uns leider daran gute Fotos zu machen, aber die schönsten Bilder sind eh im Herzen gespeichert.

Zwischen den beiden Tauchgängen verbringen wir 50 Minuten auf dem Boot. Dann lassen wir uns wieder mit einer Rolle rückwärts ins kühle Nass fallen. Während ich an den ersten beiden Tagen noch hart bleiben wollte und unter meinem 3 mm Long-Suit nur den Bikini anhatte, trage ich mittlerweile meinen Unterzieher. Auch bei 26°C Wassertemperatur können 50 Minuten lang werden und ich hab keine Lust auf frieren.

Wir sind ein wenig weiter südlich als beim ersten Abtauchen und hier überrascht uns ein Oktopus mit seiner Anwesenheit. Drei Teufelsrochen schweben majestätisch an uns vorbei durchs blau. Wieder Muränen, ein fantastischer rosafarbener Schaukelfisch wie aus einer fremden Welt entsprungen. Und fast zum Abschluss ein riesiger Krokodilfisch der sich auf einem Vorsprung tarnt und mit runden Augen ruhig in die Kamera lugt.

Beim Einstieg ins Boot passiert ein Unglück. Jörg klemmt sich den Zeigefinger der linken Hand übel in der Leiter des Bootes ein. Ob er gebrochen ist? Wir wissen es nicht. Zumindest ist er doppelt so breit wie der andere und schmerzt heftig. Trotz Kühlung mit eiskalten Getränkedosen schwillt er immens an. Wir kurieren mit Ibuprofen und Eispack. Hoffentlich ist er nicht wirklich gebrochen. Aber wir hoffen das beste.

Den restlichen Tag verbringen wir mit Lunch (Fisch, Fisch und Fisch – was sonst hier an diesem fantastischen Ort?). Dann schreiben und chillen in der Lounge. Hier gesellt sich Thomas zu uns, der CEO, CO oder was auch immer von Azura. Er hat sein ganzes Leben im Hotelgewerbe verbracht, spricht deutsch mit knuffigem bayrischen Akzent und wir erzählen ein bisschen miteinander.

Über Hölzchen Stöckchen Steinchen kommmen wir auf all unsere Reisen und dann passiert das witzig unmögliche. Wir wollen Silvester in Barcelona verbringen, das Hotel ist auch bereits gebucht. Leider konnten wir bisher trotz intensiver Recherche kein vernünftiges Restaurant finden, was über Silvester geöffnet und auch noch einen Tisch frei hat. Thomas zückt sein Handy, er kennt da jemanden, telefoniert auch kurz mit Carlos wird uns eine Verbindung herstellen, sobald wir zuhause sind. Tisch in Barcelona buchen von Mozambique aus – Sachen gibt’s!

Außerdem triggert er uns auf unsere nächsten Urlaubspläne und ja, er kann uns die Azura Game Lodge in Tanzania und Quilalea im Norden von Mozambique durchaus schmackhaft machen. Das behalten wir mal im Auge. Und auch die Visitenkarte wird gut aufbewahrt.

Vor lauter Quatschen verpassen wir den Sundowner am Strand, obwohl Jonas unser Host uns den Platz direkt am Strand vor unserer Villa eingerichtet hat und das schwere Bandana auf den Sand geschleift hat. Der ist aber nicht böse mit uns, sondern bereitet vielmehr unser Abendessen nun ganz besonders vor.

Wir treffen, geduscht und aufgerüscht in der Bar ein, Jonas empfängt uns und begleitet uns an einen ganz privaten Tisch. Nur für uns ist direkt vor dem Dive Center am Swimmingpool eingedeckt mit Lampenschein unter Palmen. Was für ein Abend. Essen und Wein wie immer vorzüglich … wir sind Könige in unseren Herzen.

Mit prall gefüllten Bäuchen legen wir uns zur vorletzten Nacht ins Bettchen und lauschen wieder einmal Wind und Wellen des nachtblauen Ozeans.

16.11.2014 – Abschlusstauchgang mit Schildkröte

Heute geht es früher raus – nur ein Tauchgang steht auf dem Plan, der beginnt dafür mit Ausfahrt um acht. Zur unüblichen Zeit um halb acht, alle anderen Tische werden erst eingedeckt, erwartet Jonas uns bereits mit dem Frühstück (dem kleinen Vortauch-Frühstück). Ein Orangensaft und ein Croissant verdrücken wir und beobachten gleichzeitig wie das Dhow, das Holzboot, was vor der Küste vor Anker liegt, mit Eimern leer geschöpft wird. Ist über Nacht wohl fast abgesoffen, das sieht nicht gut aus für unsere Ausfahrt heute Abend. Aber wir werden sehen.

Schildkröte, Daniela Seegardel

Jetzt heißt es erst einmal losfahren mit dem Boot, zu unserem letzten Tauchgang hier vor Benguerra, wieder nehmen wir Kurs auf das 2 Mile Reef. Drei weitere Boote sind bereits hier, das ist ja fast schon Rush Hour für hiesige Verhältnisse. Mit uns zusammen taucht ein Typ aus Norwegen, sympathisch und redegewandt. Wir quasseln ein bisschen bis das Boot hält. Anziehen, aufrödeln, Rolle rückwärts und runter ins Blau.

Der letzte Tauchgang ist mit einer der schönsten, die Wellen sind sanft, die Sicht mittel bis gut und allerlei Getier beehrt uns mit seiner Anwesenheit. Den Hammerhai zu Beginn des Tauchganges sehen leider nur der Guide Walter und der andere Gast. Wir sind zu beschäftigt, ich mit einstellen der Kamera, Jörg mit einstellen seines Fingers. Den muss er die ganze Zeit schützen. Das Ding ist auf doppelte Dicke angeschwollen über Nacht, sieht auch farblich sehr interessant aus.

Nichtsdestotrotz genießen wir das Tauchen. Ein paar Muränen schweben in ihren Höhlen und schauen uns gelangweilt an, eine große Schildkröte fühlt sich gestört von unserer Anwesenheit und möchte aufsteigen. Sie schwimmt sowas von direkt auf mich zu, dass ich statt zu knipsen was das Zeug hält, die Hosen voll habe. Ich dreh mich um und schwimme einfach weg. Ey – mit der ihrem Schnabel kannste Baustahl schneiden, da ist meine neugierige Nase eine Kleinigkeit.

Korallen verschiedenster Art bevölkern das Riff, zwei Feuerfische stehen bäuchlings in den Felsen. Kleine Kolibri-Fische fliegen durchs Blau und wir können uns kaum satt sehen. Danke Mozambique, schön wars hier bei dir unter den Wellen.

Auftauchen und aufs Boot klettern geht wider erwarten problemlos. Gegen halb zehn sind wir wieder da. Wir schreiben Logbuch und nehmen ein kleines zweites Frühstück ein (Muffin und Tee für mich, Kaffee und ein Bratwurstbrötchen mit Senf für Jörg, der ist schon so weit). Zurück zum Zimmer. Duschen, Bilder übertragen. Ich hab um halb eins eine Rückenmassage bei Linda gebucht. Sie massiert traumhaft gut und ich genieße jeden Handgriff, auch wenn der ein oder andere ganz schön ziept. Danach bin ich mega entspannt.

Halb zwei, wir könnten ja mal was essen. Zum Lunch gibt’s regionales. Jörg hat Thomas angespitzt und der hat tatsächlich Piri Piri Hühnchenleber auf die Karte setzen lassen. Die ist wohl angenehm scharf – Jörgs Kopf kriegt dieselbe Farbe wie sein Polo-Shirt: pink. Dann gibt es Piri Piri Prawns (net für mich, ich nehm die mit Knoblauch). Jetzt wird die Farbe vom Gesicht meines Liebsten noch etwas dunkler, die Adern am Kopf wachsen auf Boomslang-Größe und er kriegt Schnappatmung. Na Hauptsache es schmeckt.

Während des Essens kommt Mylene zu uns. Sie bringt schlechte Nachrichten für heute Abend: die Dhow-Cruise fällt aus. Nicht weil das Boot fast abgesoffen wäre, ist ja wieder repariert. Nein, der Wind soll stärker werden und der Gefahr dass der Mast bei der Ausfahrt bricht und die Gäste erschlagen werden möchte sie sich nicht aussetzen. Macht nix, lassen wir es halt ruhig angehen.

Nach dem Lunch bevölkern wir wieder die Lounge und schreiben, unterhalten uns mit den Mitarbeitern hier. Zum Beispiel Antonio, der zu Hause einen Mastiff hat. Ach, zuhause. Ich liebe es ja unterwegs zu sein, aber morgen machen wir uns auf den Heimweg und ich freu mich sooo auf unsere Fellnasen. Der Norweger, der heute mit uns tauchen war, kommt auch mit seiner Frau vorbei. Wieder so ein internationales Pärchen. Er ist tatsächlich Spross eines norwegischen Vaters und einer englischen Mutter, aufgewachsen in Malaysia und lebt jetzt mit seiner koreanisch-deutschen Frau, die aus Florida stammt in Kalifornien. Wir erzählen ein bissel was übers Tauchen.

Zwischendrin hören wir Gemaunze von Katzen. Stimmt, ich hatte ja schon Pfotenabdrücke gesehen und tatsächlich – unter einem Steg in der Lodge verstecken sich eine silbergraue und eine weiße Sphinx vor den neugierigen Augen der Touristen. Nun dreht sich das Gespräch selbstredend um Fellnasen aller Art. Ich krieg wirklich bald Heimweh, aber es ist ja auch unser letzter Abend.

Und dieser wird fantastisch. Jonas hat den Tisch direkt vor unserer eigenen Villa eingedeckt. Romantisch mit Kerzenschein direkt am Pool. Wir gönnen uns ein Fläschchen Cremant de Loire und geben uns der wehmütigen Stimmung hin. Die Auswahl der Speisen ist wie immer excellent, aber ganz ehrlich? Ich kann nicht mehr. Ich schaffe gerade noch die Vorspeise. Die Suppe bleibt zur Hälfte stehen ebenso wie das Dessert. Auf den Hauptgang habe ich wohlweislich verzichtet. Jörg nimmt wieder Fisch, was auch sonst. Ich habe nirgendwo anders so unglaublich guten Fisch gegessen, perfekt zubereitet, grätenfrei und sooo lecker.

Gegen halb zehn verschwinden wir im Bett zu unserer letzten Nacht vor der langen Reise nach Hause.

17.11.2014 - Heimweg

Mozambique macht uns das Heimgehen einfach. Die ganze Nacht stürmt es und regnet Bindfäden. Der Morgen empfängt uns unterkühlt grau in grau. Wir packen wie immer vor dem Frühstück, das erwartungsgemäß spartanisch ausfällt. Saft, Croissant, Kaffee oder Tee. Für mich tatsächlich noch ein Muffin. Dann die Rechnung begleichen, die Tip-Umschläge fertig machen und warten. Um zwölf geht der Hubschrauber, trotz Windböen und Regenschauern ist der Flug angenehm. Checkin in Vilancoulos ist easy, um unser Gepäck müssen wir uns von nun an nicht mehr kümmern.

Vilancoulos, war das nicht der Flughafen von 2008, wo der Flieger nachts nicht landen konnte? Von dem heruntergekommenen Gebäude damals mit grünem Sofa und Holzverschlag ist nichts mehr zu sehen. Brandneu vor zwei Jahren gebaut steht ein moderner Airport hier. Die Sitze sind bequem. Überall Steckdosen, leider kein Wifi. Aber macht ja nix. In 50 Minuten geht ja unser Flieger. Geht er? Nö – geht er nicht. Denn hier regnet es und wir werden von einer freundlichen Angestellten belehrt, dass die SA hier grad nicht landen kann, denn die Landebahn ist zu kurz um einen großen Flieger bei Regen zu stoppen. Also müssen wir warten bis es weniger regnet.

Das Ding landet wohl irgendwo zwischen und kommt dann erst her. Gut, dass wir fünf Stunden in Jo'burg Zwischenaufenthalt haben. Es regnet übrigens noch viel mehr, als der Flieger mit mächtig Gegenschub landet und es für uns endlich weitergeht, mittlerweile mit einer Verspätung von 1,5 Stunden. Aber wir haben ja Puffer genug. Endlich wird der Flieger angekündigt, die Feuerwehr rückt vorsorglich aus. Ist aber nicht nötig. Denn – obwohl es mittlerweile schüttet wie aus Eimern landet der Pilot mit ner erhöhten Menge Umkehrschub seine Maschine sicher und gut.

Die wird entladen, beladen, neu getankt und mit knapp zwei Stunden Verspätung machen wir uns auf den Weg nach Johannesburg. Hier dauert die Immigration recht lang, fast eine halbe Stunde stehen wir an. Dann rüber zum international transfer, nochmal Sicherheitskontrolle. Jetzt haben wir Zeit ein paar Mitbringsel zu shoppen. Der Heimflug startet pünktlich und wir landen morgens kurz nach sechs am Flughafen Frankfurt im Dunklen bei 9 Grad. Nicht mit uns landet einer unserer Koffer. Wir reklamieren, lassen uns das Auto bringen, was innerhalb von zwei Minuten nach meinem Anruf bereits am Terminal steht. Und nun freuen wir uns auf Zuhause.

Der Weg ist immer lang. Und doch ist jede Meile wert gegangen, gefahren und geflogen zu werden.

Am Ende wird unsere Bilanz sein: 12 Mal sind wir geflogen in 16 Tagen, viele tolle Menschen haben wir kennen gelernt, unglaubliche Tierbegegnungen genießen dürfen, gute Gespräche gehabt, oft gelacht, viel zu viel gegessen und getrunken, das Leben genossen und wieder ein Juwel in die Kette unserer Erinnerungen eingereiht.

Botswana ist besonders – ein Land zwischen Wald und Wasser, durchzogen mit Steppe, mit verborgenen Blicken und voll von Tieren, die wir kaum je als Europäer zu Gesicht bekommen – zumindest nicht in Freiheit.

Die Sekunden atemloser Stille, wenn ein Löwe am Jeep entlang schreitet.

Das Herzklopfen, wenn eine Elefanten-Herde uns umringt und majestätisch unsere Wege kreuzt.

Das Gefühl von Angst und Faszination, wenn ein Krokodil mit gebleckten Zähnen zwei Meter vor uns im Gras ruht, vollkommen entspannt.

Das Kribbeln im Bauch, wenn Hippos vor uns ins Wasser gehen und sie untertauchen ohne dass wir wissen, sind sie nun unter uns oder nicht.

Das Lächeln, wenn die Hyänenbabies gleich unserem Joshi eingerollt vor ihrem Bau liegen und auf ihre Mütter warten

Die Bewunderung für die Fischadler, die hoch über dem Fluss thronen und mit Argusaugen die Oberfläche des Wassers beobachten, immer auf der Suche nach Beute.

So viele kleine und große Erlebnisse.

Kapstadt hat immer wieder auf uns diese einzigartige Wirkung. Zuhause in der Fremde, das Gefühl von Freiheit und Geborgenheit, das Flair von Europa an der Küste des afrikanischen Atlantik. Wind in den Haaren, Salzwasser auf den Lippen und Sonne auf der Haut.

Und zum Schluss Benguerra vor Mozambique. Die Lodge ist eine der besten in der wir je waren, die Insel liegt traumhaft schön in azurblauem Wasser, durchzogen von sonnengelbem Sand. Die Tauchgründe sind nicht besonders, dafür alles was wir hier erleben durften an Gastfreundschaft, dem Gefühl stets liebevoll umsorgt zu sein, das Wissen dass sich hier wirklich Gedanken um uns gemacht wird und das Lächeln und die Gespräche aller Mitarbeiter, die wir hier kennen lernen durften, allen voran Jonas, aber auch Antonio (der Restaurant-Leiter) und Mylene (eine der Lodge-Managerinnen). Die Bootscrew war unglaublich effektiv, freundlich und lieb. Walter der Dive Guide witzig und nett. Und immer wieder das Meer mit seinen Farben. Ein Traum.

So verlassen wir den schönsten Kontinent der Erde wieder einmal mit warmen Herzen und freuen uns doch auf Zuhause verbunden mit dem festen Wunsch: wir wollen wieder kommen … irgendwann.

geschrieben am 25.11.2014 um 09:43 Uhr.