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San - Buschmänner

Bushman Frau

Die Ureinwohner Namibias und des ganzen südlichen Afrika sind die San, die auch Buschleute oder Buschmänner genannt werden. Angaben über die erste Besiedlung des südlichen Afrikas durch die San gehen weit auseinander: sie reichen von etwa 1 000 Jahre bis 25 000 Jahre zurück. Ein zweites Volk, das zu den Ureinwohnern des südlichen Afrika gehört sind die Khoi Khoi, die auch nur Khoi und früher abwertend Hottentotten genannt wurden. Die Khoi Khoi sind also wie die San ebenfalls ein indigenes Volk Afrikas. San und Khoi Khoi werden oft als Khoisan zusammengefasst.

Die San bilden kein einheitliches Volk, sondern sind in mehrere Gruppen mit unterschiedlichen Sprachen aufgesplittet. Schätzungen über die Zahl der im ganzen südlichen Afrika lebenden San gehen zum Teil weit auseinander. In Namibia spricht man sowohl von 27 000 als auch von
40 000. Man nimmt an, dass etwa 10 % weiterhin an der traditionellen Lebensweise festhalten. In Botswana sollen etwa 50 000 San leben.
Für Phonetiker gelten die Sprachen und Dialekte der Buschmänner als die kompliziertesten der Welt. Typisch sind Klick- und Schnalzlaute. Die europäischen Einwanderer bewerteten die hochkomplexe Sprache als ein primitives Stottern. Noch komplizierter werden die Laute, wenn noch die einzelnen Sprachfärbungen der unterschiedlichen Stämme berücksichtigt werden: Jeder Klick- und Schnalzlaut weist dabei rund 20 bis 80 verschiedene Ausprägungen auf!

Traditionell lebten die San in Großfamilien von zehn bis dreißig Mitgliedern. Sie hatten keinen festen Wohnsitz und kein Eigentum. Sie bauten nichts an und hielten auch kein Vieh, sondern trugen all ihren Besitz mit, wenn sie weiter zogen. Jeder besaß nur so viel, wie er essen und tragen konnte. Die Gemeinschaft überlebte durch Solidarität. Keiner durfte hungern, wenn andere einen Überfluss an Essen hatten. Sie hatten keine Führungspersonen; persönliche Entscheidungen wurden persönlich gefällt. Was die Gruppe anging, wurde in der Gruppe geklärt. Die Aufgaben waren klassisch verteilt: Die Männer gingen auf die Jagd, die Frauen sammelten Früchte und Wurzeln und kümmerten sich um die Erziehung der Kinder. Die San folgten dem Wasser, dem Wild und den essbaren Pflanzen und waren so immer in Bewegung. Ein San Buschmann entnimmt niemals mehr von dem Boden oder dem Wildbestand als er zum Überleben braucht. Es gibt kein Hinweis in der langen Geschichte der San Buschmänner darauf, dass sie jemals ihre Umwelt unnötig ausgebeutet haben. Dies macht sie zu den wohl ältesten noch lebenden Naturbewahrern der Welt.

Nachdem sie lange Zeit ihre traditionelle Lebensweise als Jäger und Sammler in weiten Teilen des südlichen Afrika verwirklichen konnten, wurde ihr Lebensraum durch Zuwanderungen afrikanischer Stämme und später der weißen Siedler zunehmend eingeschränkt. Vor rund zweitausend Jahren wurden die San von nomadisch lebenden Viehzüchtern verdrängt, den Khoikhoi, auch "Hottentotten". Später mussten sie in Südafrika den schwarzen Volksstämmen der Zulu und Xhosa Platz machen. Im 15. Jahrhundert begannen dann die Weißen das fruchtbare Land in Besitz zu nehmen. Dabei wurden in mehreren Ländern von den Einwanderern regelrechte Ausrottungsfeldzüge gegen die San geführt. Die heutige Ausweisung von Naturschutzgebieten, die auch den San die Nutzung der natürlichen Ressourcen untersagt, schränkt ihren Lebensraum weiter ein. Auch die jetzigen Regierungen in den Ländern des südlichen Afrika zeichnen sich nicht unbedingt durch eine bessere Behandlung der San aus. Seit vielen hundert Jahren gehören sie zu den Vertriebenen, zunächst vertrieben von den Schwarzen, dann von den Weißen. Und so wurden ihnen auch in Namibia ihre Jagdgründe genommen. Fast das ganze Land ist in Farmen aufgeteilt und eingezäunt. Außer dem Kaokoland, über das die Himba und Herero ihre meist viel zu großen Herden treiben.

Die Zukunft der San sieht sehr trübe aus. Ihre verstreuten Siedlungen im ehemaligen Buschmannland, am Rande der Kalahari oder in Südafrika machen heute einen desolaten Eindruck. Der Alkoholismus grassiert. In Namibia treiben die Hereros ihre Rinderherden in das Buschmannland. Eine Lobby im Windhoeker Parlament fehlt ihnen. Während des Unabhängigkeitskriegs wurden die San von der südafrikanischen Armee als Fährtensucher eingesetzt, was ihnen die SWAPO bislang nicht verziehen hat.

In Botswana führen nur etwa 3 000 San noch ein halb-nomadisches Leben im Zentralkalahari Tierschutzgebiet (Central Kalahari Game Reserve). 1961 hatte ihnen die britische Kolonialregierung das Land von der Größe Dänemarks zugestanden. Heute siedelt die Regierung Botswanas die San um und will sie in die herrschende Kultur eingliedern. Man will sie zu einem "besseren" Leben führen. Da die Aussicht auf eine Schulbildung für ihre Kinder und eine ärztliche Versorgung die San nicht dazu bewegen konnte, die Kalahari zu verlassen, stellte die Regierung kurzerhand die Wasserversorgung ein und begann 2002 mit Zwangsausweisungen. Sympathisanten der San vermuten eher Diamantenfunde, einen Diamanten-Deal mit De Beers und den Wunsch nach touristischer Erschließung der Kalahari hinter den staatlichen Plänen.

Hier finden Sie mehr Informationen über das Schicksal der San. Dort gibt es auch einen bemerkenswerten Brief, den ein Beamter in Botswana als Antwort auf Proteste über den Umgang der Regierung mit den Buschleuten an die Organisation "Survival for tribal people" geschickt hat.

Hier finden Sie weitere Informationen:
Hier ein Artikel der Süddeutschen Zeitung von 2002.
Ein 3Sat-Artikel liefert weitere interessante Informationen.
Dieser 3Sat-Artikel informiert über die "Schlankheitspille aus der Wüste", die Hungergefühle unterdrückt und bereits lange bei den San bekannt ist:
Auch auf der Webseite von Terre des Hommes finden Sie einen Artikel über das "Abnehm-Elixiers P57".
Unter dem Titel "Ein Leben zwischen Steinzeit und Neuzeit" finden Sie ein Porträt von Andrea Hardbattle, die als Tochter eines Engländers, der eine Farm am Rande der Kalahari besaß, und einer San Familie aufwuchs. In diesem Artikel geht es auch um Roy Sesana, den Führer der Menschenrechtsorganisation "First People of Kalahari", der den Alternativen Nobelpreis 2005 erhält.