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Hereros

Frau der Herero

Die Hereros sind mit etwa 150 000 Menschen die drittgrößte Bevölkerungsgruppe in Namibia. Sie wohnen vorwiegend in Zentralnamibia. Zu erkennen sind die Hererofrauen an ihren weit ausladenden viktorianischen Röcke und die bunten, an Rinderhörner erinnernden Kopfbedeckungen. Diese Tracht der Frauen geht auf den Einfluss von Missionaren zurück, die sich an der ursprünglich sehr spärlichen Bekleidung der Hereros störten.

Seit Jahrhunderten sind die Hereros ein Hirtenvolk. Rinder sind die Grundlage ihrer wirtschaftlichen Existenz und zugleich wichtigstes Statussymbol. Die wirtschaftliche Nutzung der Rinder beschränkt sich aber fast nur auf die Verwendung der Milch. Die Haltung der Rinder führt aber immer wieder zur Überweidung ganzer Landstriche.
Die Hereros wanderten im Laufe des 16. Jahrhunderts aus Zentralafrika in das Gebiet des heutigen Namibia ein und verdrängten die dort lebenden San.

Im Laufe des 18. Jahrhunderts wird Okahandja zum Zentrum des Hererovolkes. In Okahandja findet auch heutzutage noch jährlich im August ein großes Fest zum Gedenken an die Ahnen statt. Der Ahnenkult spielt auch heute noch eine wichtige Rolle im Leben vieler Hereros.
Wegen einer lang anhaltenden Dürre dehnen die Herero um 1830 ihre Weidegebiete immer stärker in den Süden aus und verdrängen so die dort lebenden Nama, denen es aber dann zusammen mit Orlam- und Afrikaner-Stämmen gelingt, die Herero bis etwa auf die Höhe von Windhoek zurück zu drängen. Diese kriegerischen Auseinadersetzungen dauerten das ganze 19. Jahrhundert über an. In dieser Zeit kommen auch Missionare und Händler ins Land, die teilweise eine recht umstrittene Rolle spielten.

Ende des 19. Jahrhunderts kommen die ersten europäischen Siedler ins Land, die sich dauerhaft niederlassen wollen. Deutsche Siedler erwerben im Gebiet des heutigen Windhoek Land für den Aufbau von Farmen von den Herero. 1883 schließt der Kaufmann Lüderitz aus Bremen einen Vertrag mit einheimischen Stämmen, der die Grundlage der späteren deutschen Kolonialherrschaft wird.

Der lange Zeit widerstrebende Bismarck gab nun dem Meinungsdruck einer an dem Kolonialthema interessierten Öffentlichkeit nach und ließ am 7. August 1884 die deutsche Flagge in Lüderitzbucht hissen. Anschließend erfolgten ebensolche Aktionen an verschiedenen Küstenstellen bis hinauf zur angolanischen Grenze. Damit war das so genannte Schutzgebiet Deutsch-Südwestafrika als Kolonie etabliert.

Erst 5 Jahre später kam als Kernzelle einer künftigen Schutztruppe eine Truppeneinheit von 20 Mann unter dem Befehl von Hauptmann Curt von Francois in Namibia an. Im Oktober 1870 besetzte er mit der auf 50 Mann angewachsenen Truppe Windoek. Erstmals wurde ohne vorangegangene Verträge - so zweifelhaft diese auch gewesen sein mögen - Land gegen den Anspruch Eingeborener, hier der Herero, annektiert.

Obgleich zunächst ein gutes Einvernehmen zwischen Herero und deutscher Kolonialverwaltung besteht, kommt es aufgrund von Streitigkeiten wegen Land- und Wasserrechten, wegen rechtlicher Diskriminierung und wirtschaftlicher Ausbeutung und sich daraus ergebender Verarmung mit weiteren Landverkäufen zu vermehrten und heftigeren Konflikten. Eine Rinderpest, die etwa 95 % aller Rinder vernichtete, und eine Heuschreckenplage im Jahre 1897 sind besonders katastrophal. Diese Konflikte führen 1904 zum Hereroaufstand.

Nach dem anfänglichen erfolgreichen Angriff der gut organisierten und mit Schusswaffen ausgerüsteten aufständischen Armee gegen die zahlenmäßig weit unterlegene Schutztruppe unter Gouverneur Oberst Leutwein sendet das Deutsche Reich ein Expeditionskorps unter Generalleutnant von Trotha mit etwa 15 000 Mann. Ihnen gelingt es rasch, die Herero zurückzudrängen. In der Schlacht am Waterberg werden die Herero vernichtend geschlagen. Auf der Flucht sterben eine große Zahl Herero in der von der deutschen Schutztruppe und den mit ihnen verbündeten Orlam-Witbooi abgeriegelten wasserlosen Omaheke-Steppe. Im Krieg und danach kommen zwischen 25 000 und 100 000 (vermutlich 65 000) Herero und 1749 Deutsche um. Nur etwa 1000 Herero gelingt mit ihrem Häuptling Samuel Maharero die Flucht ins Betschuanaland, dem heutigen Botswana.

Zum 100. Jahrestag hat auch die deutsche Ministerin für Entwicklungszusammenarbeit Heidemarie Wieczorek-Zeul vor Ort der Toten gedacht und sich dabei erstmals zur politischen und moralischen Schuld der deutschen Kolonialverwaltung bekannt. Sie bat das Volk der Herero um Vergebung für die von Deutschen begangenen Verbrechen. Eine solche "entschädigungsrelevante Formulierung" war von deutschen Regierungsvertretern in der Vergangenheit immer vermieden worden. Eine gesonderte finanzielle Entschädigung für die Herero, wie von ihrem Häuptling Riruako seit 1995 erhoben und vor amerikanischen Gerichten erfolglos verfolgt, lehnt sie in Übereinstimmung mit der Position der Bundesregierung und der Regierung Namibias weiterhin ab; statt dessen wolle man die "Entwicklungszusammenarbeit" mit Namibia fortsetzen.