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Lüderitz & Kolmanskop

  • Lüderitz

Lüderitz

Als im Juni 1908 ein Beamter der Deutschen Reichsbahn in Südwestafrika sein Pflichtbewusstsein für einige Tage vergaß, da begann die Blütezeit einer in jeder Hinsicht ungewöhnlichen Stadt - Lüderitz.

(Hinweis: Im Rahmen der Umbenennung von Ortschaften hat auch Lüderitz einen neuen Namen erhalten - !Nami=Nüs.  Es ist allerdings nicht klar, ob damit nun die Stadt oder der Wahlbezirk gemeint ist. Außerdem findet man unterschiedliche Schreibweisen. )

August Stauch
, jener Bahnmeister, hatte den richtigen Instinkt und stieß seinerzeit auf Diamanten. Einige Monate später war Stauch Multimillionär und Lüderitz die reichste Stadt Afrikas. Doch mit der Verlagerung des Diamant-Abbaus 1920 verging der Boom, und Lüderitz schrumpfte wieder auf seine ursprünglichen Maße. Heute leben noch rund 8000 Menschen in dem Ort - viele von ihnen Nachfahren jener Pioniere, die mit Lüderitz ein Stück Deutschland im südlichen Afrika geschaffen hatten.

Die Geschichte des Örtchens an der Atlantikküste Namibias, am südlichen Ende der Namib-Wüste gelegen, beginnt 1488. Damals landet dort der portugiesische Seefahrer Bartholomeu Diaz, nennt die Stelle "Angra Pequeria" (Kleine Bucht) und errichtet ein Steinkreuz. Eine Nachbildung davon kann heute noch am so genannten Diaz-Point besichtigt werden.

Jahrhunderte später, im Mai 1883, erwirbt der Bremer Kaufmann Adolf Lüderitz das Gebiet, welches nun seinen Namen trägt. Als etwas später englische Kriegsschiffe den Hafen von Lüderitz blockieren, ruft der Händler das Deutsche Reich zur Hilfe. Reichskanzler Bismarck sendet die Marine, die 1884 in Lüderitz die deutsche Fahne hisst - die Geburtsstunde der deutschen Kolonie Südwestafrika.
Lüderitz Felsenkirche Namibia
Noch heute kann das Stadtbild von Lüderitz diese Vergangenheit kaum verheimlichen. Die Ankunft in dem verschlafenen Küstenörtchen mit Blick auf die Felsenkirche wirkt wie eine Reise durch die Zeit. Adrette, helle Häuschen im Kolonialstil blicken von den steinigkargen Hügeln vorwitzig auf die blaue See hinunter, Gemütlich tuckern kleine Fischerboote über den südlichen Atlantik, in friedlicher Eintracht mit Möwen und Pinguinen - es ist einfach eine andere Welt.

Kolmanskop

Ein markantes Etikett für deutsche Architektur drückt vor allem das Goerkehaus der Stadt auf. Am Hang des Diamantberges gelegen, wurde es wie die meisten Gebäude zwischen 1908 und 1914 erbaut. Auch die Felsenkirche ist eine Attraktion des Ortes, besonders wenn die Abendsonne durch ihre bunten Fenster scheint und den Altar in wirklich sakralen Farben erstrahlen lässt. Schließlich gibt es noch das alte Stationsgebäude von 1914, das alte Postamt (1908), die Turnhalle (1912-13), das Kreplin- und das Troosthaus. Sie alle bilden ein architektonisches Ensemble aus einer längst vergangenen Zeit.

Kolmanskop - Haus unter Sand
Wer sich nicht auskennt, der lässt sich dies alles am besten von einem echten Lüderitzbuchter zeigen - jemanden wie Marion Schelke. Ihre Familie lebt schon in der dritten Generation hier. Soviel Tradition und Familienerfahrung nutzt sie inzwischen sehr geschäftstüchtig und bietet mit ihrer Firma "Lüderitz Safaris & Tours" auch Ausflüge in die Umgebung an.
Den Nervenkitzel des Verbotenen bieten Touren in das "Sperrgebiet", die Diamantabbauzone unweit der Stadt. Hier können Besucher in den Spuren von August Stauch wandeln und alles um und über Diamanten erfahren - zum Beispiel bei der "Kolmanskop Tour Company", die entsprechende Ausflüge anbietet. Wie der Name des Tourismus-Unternehmens schon sagt, führen dessen Mitarbeiter ihre Gäste auch gerne nach Kolmanskop - der berühmten deutschen Geisterstadt. Auf dem Höhepunkt des Diamantenbooms war der Ort ein geschäftiger Umschlagplatz für Glücksritter und Geschäftsleute mit allem Komfort Schlachterei, Bäckerei, Gerberei, Modegeschäfte, Getränkefabriken, Restaurants und sogar einem Schwimmbad. Deren traurige Ruinen belegen heute, dass es mit Kolmanskop ebenso schnell bergab ging, wie es zuvor erblüht war.

Auch für den Werdegang von Howard Head waren Diamanten entscheidend. Er hatte allerdings mehr Glück als Kolmanskop. Der Diamantentaucher kam für eine Saison nach Lüderitz und blieb für immer. Vor einem Jahr schließlich hat er sein Diamanten-Förderboot, die "Lady Luck", in ein schwimmendes Diamant-Museum umfunktioniert. Von hier aus kann das Diamant-Tauchen hautnah beobachtet werden - aber auch der Fischfang, Sicherheitsprüfungen an Frachtschiffen und vor allem das Austernzüchten. Lüderitz-Austern zählen immerhin zu den Landesdelikatessen. Das saubere, kalte Wasser des Benguela-Stroms macht sie besonders delikat. Die Appetitanreger aus dem Meer eignen sich ideal, um einen Tag beim Sonnenuntergang kulinarisch ausklingen zu lassen - in Lüderitz, jener Stadt aus einer anderen Zeit.