Ai-Ais / Richtersveld Transfrontier Park Namibia

Beschreibung
Der Ai-Ais / Richtersveld Transfrontier Park verwirklichte sich am 1. August 2003, als der namibische Präsident Sam Nujoma und der südafrikanische Präsident Thabo Mbeki einen Vertrag unter­schrieben, in dem sie den Park offiziell anerkannten. Dies geschah fast zwei Jahre nachdem Philemon Malima, der namibische Minister für Umwelt und Tourismus und sein südafrikanischer Kollege ein Übereinkommen unter­schrieben hatten, das den Weg für diese grenzüberschreitende Initiative ebnen sollte.

Etwa 73 % des 590 000 Hektar großen Transfrontier Parks liegen in Namibia im Bereich des Ai-Ais Springs Garne Parks und des Hunsberg Naturschutzgebietes im Westen. Der Ehrfurcht gebietende Fish River Canyon (Fischfluss Canyon) und die Ai-Ais Hot Spring (heißen Quellen von Ai-Ais) sind die Hauptattraktionen des Ai-Ais Hot Springs Garne Parks. Hier befindet sich der 85 km lange Fish River Canyon Hiking Trail, der als eine der besten Wanderrouten im südlichen Afrika gilt. Obgleich das raue Gebiet der Hunsberge im Jahre 1988 zum Naturschutzgebiet erklärt wurde, ist es relativ unbekannt. Der Transfrontier Park eröffnet so neue Möglichkeiten zum Wandern und für 4x4 Routen in diesem Gebiet. Die Kanufahrten auf dem Oranjefluss sind schon lange unter Abenteuerfans bekannt und beliebt.

Eingekeilt in eine 100 km lange Schleife des Oranjefluss liegt flussabwärts von Noordoewer der andere Teil des Transfrontier Parks, der Richtersveld Nationalpark in Südafrika. Der 162 445 Hektar große Park schützt die einzige Bergwüste Südafrikas - eine abge­schiedene, öde Welt wilder Berge, vereinzelter Ebenen und tiefer Fluss­täler, die von unglaublicher Schönheit ist. Raue Berge mit faszinierenden Namen wie Gorgon's Head (Gorgons Kopf], Mount Terror (Berg Terror), Rosyntjieberge (Rosinenberge) und Seven Sisters (Sieben Schwestern) dominieren die Landschaft.

Botanisch liegt der Transfrontier Park in einem der artenreichsten Gebiete der Welt. Über ein Drittel der 1 600 Pflan­zenarten, die im Richtersveld und in der Umgebung bis heute ausgezeich­net wurden, sind Sukkulenten. Auf bei­den Seiten des Flusses wächst der Halbmensch (oder Dickfuss), Pachypodium namaquanum, der eng mit dem Flaschenbaum des Damaralands ver­wandt ist. Die sukkulente Vegetation schließt außerdem mehrere seltene Aloen ein, wie etwa den Riesenköcherbaum (Aloe pillansii), Meyers Aloe (A. meyeri) und Pearsons Aloe (A. pearsoni). Ebenfalls sehr auffallend sind verschiedene Arten des Butterblumen­baums (Tylecodon), die Lebenden Steine (Lithops) und die große Vielfalt an Mittagsblumen. Zwischen Mitte August und September verwandelt die kurzlebige Pracht der blühenden Pflanzen, die allgemein als Tagetes oder Studentenblumen, Gänseblüm­chen und Ringelblumen bezeichnet werden, die Landschaft in ein Farben­meer und bietet ein einzigartiges Schauspiel.

In dieser rauen Wildnis leben nur wenige große Säugetiere, doch mit etwas Glück entdeckt man Klippspringer, große Kudus, Steinböckchen, Hartmanns Bergzebras, Felsenratten und Smiths Felsenhasen Den Besuchern, die das Gebiet gerne zu Fuß erkunden, zeigt sich eine Vielfalt von Reptilien (bis heute wurden über 50 Arten aufgezeichnet] sowie anderer Lebewesen.

Auch können interessante Vogelbe­obachtungen gemacht werden. Unter den Arten die entlang des Oranjeflusses heimisch sind, finden sich Schreiseeadler, Riedscharbe, Weiß­brustkormoran, Schlangenhalsvogel, Schwarzkopfreiher, Goliathreiher, Nachtreiher und Nilgans. Unter den Raubvögeln sind Felsenbussard, Augurbussard. Felsenadler. Kampfadler, Schwarzbrust-Schlangenadler und Turmfalken zu sehen. Audi wurden bereits Ludwigstrappen, Namatrappen, Narnaflughühner, Bokmakiris. sechs Lerchenarten und Rußnektarvögel gesichtet.
Das südafrikanische Parkgebiet kann auf einem Netz von Schotterpisten erkundet werden, von denen die meis­ten in der Trockenzeit mit einem nor­malen Fahrzeug mit hoher Bodenfrei­heit befahren werden können. Allerdings sind einige der Bergpässe schwierig zu überqueren, weshalb es doch ratsam ist, das Gebiet mit einem Geländewagen zu besuchen.

Namibischer Teil

Der namibische Teil des Transfrontier Parks bietet die meisten Unterkunftsmöglichkeiten und zieht jährlich etwa 68 000 Besucher an. Das Ai-Ais Hot Springs Resort hat Campingplätze, Hütten mit sanitären Gemeinschafts­räumen, Standard- und Luxuswoh­nungen, einen Mineralquellenkomplex und ein Thermalbad im Freien. Hobas, das 65 km weiter nördlich in der Nähe des grandiosen Aussichtspunktes des Fischfluss Canyons liegt, bietet hübsche beschattete Campingplätze und einen Swimrning Pool.

Südafrikanischer Teil

Die Übernachtungsmöglichkeiten im südafrikanischen Teil des Transfrontier Parks sind auf drei Gästehäuser und fünf unbewirtschaftete Campingplätze be­schränkt. Um den Tourismus, der sich derzeit auf 5 000 Besucher pro Jahr beläuft, anzukurbeln, stellt die südafri­kanische Regierung 27 Millionen Rand für den Ausbau der touristischen Infrastruktur und den Bau neuer Besucher Unterkünfte zur Verfügung.

Achte UNESCO Welterbestätte in Südafrika
Auf der 31. Tagung des UNESCO Welterbe-Komitees in Christchurch, Neuseeland, wurde die Kulturlandschaft Richtersveld in die Liste der Welterbestätten aufgenommen. Nach dem Isimangaliso Wetlands Park (Greater St Lucia Wetlands Park), dem uKhahlamba-Drakensberg Park, Robben Island, der Cape Floral Schutzregion, der Mapungubwe Kulturlandschaft, dem Vredefort Dome und den Fundstätten fossiler Hominiden von Sterkfontein ist Richtersveld das achte von der UNESCO deklarierte Welterbe in Südafrika.

Die Kulturlandschaft Richtersveld mit unvorstellbarem Pflanzenreichtum ist eine spektakuläre Wüstenlandschaft mit schroffen Bergen im äußersten Norden des Landes mit 160 000 Hektar. Die raue, trockene Landschaft ist der Lebensraum des halbnomadischen Volksstammes der Nama, die sich seit mehr als zwei Jahrtausenden an die harten Bedingungen mit extremen Temperaturschwankungen anpassen. Es ist das einzige Gebiet, in dem die Nama noch ihre transportablen Häuser, die "haru oms", aufbauen. Die Nama sind Nachkommen der Khoi-Khoi, die einst das südliche Namibia und weite Teile der heutigen südafrikanischen Provinzen Western Cape und Northern Cape bevölkerten. Das UNESCO Komitee hob bei der Begründung besonders die beispielhafte Landnutzung hervor, wodurch die sukkulente Karoo-Vegetation geschützt und ein harmonisches Zusammenspiel zwischen Mensch und Natur praktiziert wird.
Der Ai-Ais / Richtersveld Transfrontier Park wird vom namibischen Ministerium für Umwelt und Tourismus in Zusam­menarbeit mit der südafrikanischen Nationalparkbehörde verwaltet. Um den freien Zugang für Touristen in den Transfrontier Park zu gewährleisten, ist geplant, die Fähre bei Sendelingsdrif wieder in Betrieb zu nehmen. Bis dahin können Besucher aus Namibia den Park über Noordoewer, den Helskloof Pass und einige der schlimmsten Wellblechpisten nach Eksteenfontein und weiter nach Sendelingsdrif anf­ahren. Die Gesamtstrecke von Noordoewer bis Sendelinsdrif beträgt etwa 170 km. (WO)

Andere afrikanische grenzüberschreitende Naturschutzgebiete
Der Ai-Ais / Richtersveld Transfrontier Park ist der dritte dieser grenzüberschrei­tenden Naturschutzgebiete, die in Afrika geschaffen wurden. Der erste, der Kgalagadi Transfrontier Park - der Zusammenschluss des Kalahari Gemsbok Nationalparks in Südafrika und Botswanas Gemsbok Nationalpark - wurde 1999 ausgerufen, ihm folgte im vergangenen Jahr die Einrichtung des Great Limpopo Transfrontier Parks, der den Krüger Nationalpark in Südafrika, den Limpopo Nationalpark in Mozambique und den Gonarezhou Nationalpark in Zimbabwe zusammenführt.
Am 5. August 2003 unterzeichneten die Regierungen von Namibia und Angola ein Übereinkommen, das den Weg zur Einrichtung eines Transfrontier Parks durch den Zusammenschluss des 1 639 000 Hektar großen Skeleton Coast Parks in Namibia und des Iona Nationalparks in Südangola ebnen soll.
Der Chef der Friedensparkstiftung (Peace Parks Foundation], Professor Willem van der Riet, träumt von einem Transfrontier Park, der sich eines Tages vom Richtersveld in den Norden durch das frühere Sperrgebiet, den NamibNaukluft Park und den Skeleton Coast Park bis zum lona Nationalpark in Angola erstrecken wird. Möglicherweise liegt dieser Tag nicht in zu ferner Zukunft.
Unter den 17 anderen geplanten Transfrontier Parks sind der Maloti-Drakensberg (Südafrika und Lesotho], Lubombo (Südafrika, Swaziland und Mozambique), Lake Malawi (Malawi und Mozambique] und der Niassa / Selous Park in Mozambique and Südtanzania zu nennen.
/copyright: travel news namibia, Volume 11, N0 9, Januar - Juni 2004, S. 20/21

Zufahrt Sendelingsdrift - Ai Ais/ Richtersveld Transfrontier Park


Am 16.10.2007 wird auch ein neuer Zugang zum Ai Ais/ Richtersveld Transfrontier Park eröffnet. Dann können Besucher den Orange River mit einer einfachen Fähre (pontoon), die maximal 2 Fahrzeuge oder 1 Fahrzeug plus Anhänger transportiert, überqueren.